Martin Betzold ist Sprecher der Green City Energy AG aus München. / Quelle: Unternehmen

30.10.14 Anleihen / AIF

„Wenn sie sauber geplant sind, sind Erneuerbare-Energien-Anlagen nach wie vor ein attraktives Investment“ – Interview mit Martin Betzold, GreenCity Energy AG

Bei der Green City Energy AG können Anleger in Projekte aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien investieren. Wie haben sich die Anlageangebote des Unternehmens aus München bislang entwickelt? Wie wirkt sich die EEG-Novelle auf dieses Geschäft aus? Antworten auf diese und weitere Fragen von ECOreporter.de gibt Martin Betzold, Sprecher von Green City Energy AG.

In der Kategorie Nachhaltiges Finanzprodukt hat das Unternehmen das ECOreporter-Siegel für seine Anleihe Kraftwerkspark II erhalten (per  Mausklick  gelangen Sie zu Informationen darüber und zu einem ECOanlagecheck,  der das Angebot analysiert).  Hier (Link entfernt)  gelangen Sie zu einem Kurzportrait des Unternehmens.

ECOreporter.de: Warum bietet Green City Energy Anlegern Beteiligungsmöglichkeiten an? Ist das für Sie eine besonders attraktive Weise zur Finanzierung von Projekten im Bereich der Erneuerbaren Energien oder gibt es andere Gründe?

Martin Betzold:  Eigentlich sind unsere Beteiligungsmöglichkeiten schlicht das Mittel zum Zweck. Green City Energy wurde von der gemeinnützigen Umweltorganisation als Tochter mit dem Handlungsauftrag gegründet, die Energiewende umzusetzen. 100 Prozent Erneuerbare Energien in Bürgerhand ist das, wofür wir arbeiten. In Bürgerhand bedeutet dezentral, daher sind unsere Beteiligungsmodelle auch überwiegend als Publikumsfonds konzipiert. So finanzieren wir die Energiewende, dass wir nun auch ein grünes Emissionshaus sind, ist die logische Konsequenz.

ECOreporter.de: Welche Beteiligungsmöglichkeiten bieten Sie gegenwärtig an? Sind weitere in Vorbereitung?

Betzold:  Mit dem Kraftwerkspark II haben wir aktuell eine festverzinsliche Anleihe im Angebot. Dort bündeln wir Wasser-, Wind- und Solarkraftwerke in unseren Kernmärkten in Deutschland, Frankreich und im nördlichen Italien. Bislang haben wir rund 10 Millionen Euro platziert und drei konkrete Projekte in den Kraftwerkspark II gehoben. Jetzt steht der zweite Investitionsschritt bevor, das wird richtig spannend. Wir investieren in ein Portfolio aus Solarkraftwerken in Südfrankreich und Windparks in Süddeutschland. Zusätzlich soll ein weiteres Wasserkraftwerk dazu genommen werden, da sind wir gerade dran.   

ECOreporter.de: Wie haben sich Ihre geschlossenen Beteiligungen entwickelt? Haben Sie die Prognosen erfüllen können?

Betzold:  Um über unsere Arbeit Zeugnis abzulegen, lassen wir eine testierte Leistungsbilanz erstellen, diese ist auf unserer Website veröffentlicht. Wir sind mit unserer Leistungsbilanz zufrieden, unsere Beteiligungen laufen mehrheitlich in oder über Prognose. Stolz sind wir darauf, dass unsere Beteiligungen die wir seit Anbeginn aufgelegt haben, ausnahmslos einen Kapitalerhalt von 100 Prozent haben. Richtig ist aber auch, dass einige Fonds unter Prognose laufen, das hat ganz unterschiedliche Gründe. So ist zum Beispiel die Performance unserer Biogasanlagen verbesserungswürdig. Mit unseren Anlegerinnen und Anlegern sind wir hier im engen Kontakt und erarbeiten gemeinsam Lösungen. Das ist nicht immer einfach, entspricht aber unserer Überzeugung für ein partnerschaftliches Miteinander.

ECOreporter.de: Wie sind Anleger mit ihren Genussrechtangeboten gefahren?

Betzold:  Gut! Unsere Unternehmensgenussrechte I und II haben wir bereits in voller Höhe zurückgeführt, auch die Zinsen haben wir stets wie prognostiziert ausbezahlt. Auch der Kraftwerkspark I, den wir 2011 noch als Projektgenussrecht aufgelegt haben, schüttet prognosegemäß aus. Uns war es immer wichtig, die Unternehmensfinanzierung klar von der Projektfinanzierung zu trennen.

ECOreporter.de: Viele Marktakteure sind in den letzten Jahren in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten, einige gingen gar pleite. Wie ist es um Ihr Unternehmen bestellt ?

Betzold:  Wir haben für das Geschäftsjahr 2013 das achte Mal in Folge eine positives Jahresergebnis erzielt, unsere Überschüsse haben wir stets zurück in unser Unternehmen gesteckt, um unser Wachstum aus eigener Kraft zu finanzieren. Bei der strategischen Unternehmensausrichtung haben wir frühzeitig richtige Entscheidungen getroffen. Mit dem Einstieg in die Windenergie haben wir das wegbrechende Solargeschäft in Deutschland kompensiert, aus dem Bereich Biogas haben wir uns verabschiedet. Mit der vorsichtigen Markterschließung in Frankreich und Italien haben wir uns breit genug aufgestellt. Wir glauben mit unseren Leitenergien Sonne, Wind und Wasser auf sicheren Beinen zu stehen. Unsere volle Projektpipeline scheint uns hier Recht zu geben. Grundsätzlich beobachten wir die Marktentwicklungen mit Respekt, wir versuchen flexibel zu bleiben und Chancen dort zu nutzen, wo sie sich bieten.

Foto: Bauarbeiten an einem Windkraftprojekt von Green City Energy. / Quelle: Unternehmen

ECOreporter.de: Welche Auswirkungen haben Pleitefälle wie Prokon und Windwärts auf das Geschäft mit Direktbeteiligungen an Projekten im Bereich der Erneuerbaren Energien? Sind Anleger skeptischer geworden?

Betzold:  Ohne Frage sind Anlegerinnen und Anleger vorsichtiger geworden. Zu Recht, schließlich haben die von ihnen genannten Fälle gezeigt, dass diese auch geboten ist. Wir versuchen hier viel Vertrauens- und Überzeugungsarbeit zu leisten. Das ist uns bisher gut gelungen.

ECOreporter.de: Wie bewerten Sie das aktuelle Marktumfeld für geschlossene Fonds, die Projekte im Bereich der Erneuerbaren Energien finanzieren? Wie hat sich das neue Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB) hier ausgewirkt und wie bewerten Sie die Situation?

Betzold:  Wir haben ein schwieriges regulatorisches Marktumfeld, auch hier sind wir stark gefordert die neuen Standards zu erfüllen. Grundsätzlich ist es jedoch so: Erneuerbare-Energien-Anlagen sind Sachwerte mit einer moderaten aber gut kalkulierbaren Rendite. Wenn Projekte sauber geplant sind, sind sie nach wie vor attraktiv. Das Niedrigzinsumfeld bietet aktuell auch Chancen. Das KAGB sehen wir als Herausforderung und bereiten aktuell einen Erlaubnisantrag für eine Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) vor, damit schaffen wir die Voraussetzungen in diesem Bereich auch zukünftig erfolgreich tätig zu sein.

ECOreporter.de: Erschwert oder erleichtert die EEG-Novelle den Ausbau der Erneuerbaren Energien in Deutschland? Wie wirkt sie sich auf Green City Energy aus und wie reagieren Sie darauf?

Betzold:  Sagen wir es so: Wir haben mit dem neuen Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) zumindest wieder Planungssicherheit bekommen - das war wichtig. Rückenwind für die Energiewende sieht aber anders aus. Das Solargeschäft bleibt in Deutschland weiter unrentabel, das ist aber politisch so gewollt. Fatal: der deutsche Markt wurde kurz vor dem Durchbruch mutwillig kaputt gemacht. Im Bereich Windenergie ist die wirtschaftliche Projektumsetzung nach wie vor möglich. Wir ziehen unsere Windprojekte also durch und verlagern gleichzeitig unsere Aktivitäten gezielt auf unsere Auslandsmärkte. Die Erneuerbaren Energien sind aber nicht mehr aufzuhalten; der endgültige Umbruch in unserem Energiesystem steht kurz bevor. Jetzt gilt es bezahlbare Speichertechnologien und Power-to-Heat Lösungen zu entwickeln [Power-to-Heat steht für die Umwandlung von überschüssigem Strom in Wärme, die dazu dient, Schwankungen im Stromnetz auszugleichen – die Red.]. Das ist eine Zukunftsaufgabe die uns aktuell bevorsteht und die wir anpacken wollen.

ECOreporter.de: Was sind entscheidende Faktoren für Green City Energy, um in ein Projekt zu investieren oder lieber die Finger davon zu lassen?

Betzold:  Ganz grundsätzlich muss ein Projekt wirtschaftlich sein, das steht außer Frage. Wenn es sich rechnet, schauen wir uns die anderen Rahmenbedingungen genau an, bei Windparks ist es für uns zum Beispiel unabdinglich, dass die Gemeinde im Boot ist und sich auch für das Vorhaben ausspricht. Ohne die Akzeptanz vor Ort gehen wir in keine Projektentwicklung. Wenn Wirtschaftlichkeit und Akzeptanz gegeben sind, werden technische und juristische Themen geprüft. Wenn sich unlösbare Fallstricke auftun, nehmen wir von den Projekten Abstand.

ECOreporter.de: Wo sehen Sie Ihr Unternehmen im Jahr 2020? Welche Ziele streben Sie bis dahin an, mit welcher Marktentwicklung rechnen Sie und welche Rolle soll Green City Energy dabei spielen?

Betzold:  2020 stehen wir kurz vor einem Etappenziel - Der Abschaltung des letzten Atomkraftwerkes in Deutschland im Jahr 2022. Unsere Aufgabe ist es, die Erneuerbaren weiter auszubauen um Atomstrom durch Ökostrom zu ersetzen. Das bedeutet für uns: Schrittmacher bleiben, Speicher ausbauen und die sinnvolle Marktintegration von Sonne, Wind und Co. pro-aktiv mitgestalten. Hier wollen wir eine Power-to-Heat Offensive starten und sowohl stromgeführte Wärmepumpen als auch Biogasanlagen zu Regelenergiekraftwerken machen. Es gibt viel zu tun. Jetzt treten wir in die entscheidende Phase der Energiewende ein. Handlungsfähige Akteure sind jetzt wichtiger denn je. Green City Energy wird einer davon sein.

ECOreporter.de: Green City Energy gehört zu den Ausstellern der Messe Grünes Geld München am 22. November. Was wollen Sie dort präsentieren?

Betzold:  Natürlich unseren Kraftwerkspark II, dort folgt jetzt der spannende zweite Investitionsschritt. Zusätzlich wollen wir perspektivisch ein weiteres Unternehmensgenussrecht auflegen um den Bau unserer avisierten Kraftwerke und den Durchbruch in das neue Energiezeitalter zu finanzieren. Der Emissionsstart steht aber noch nicht fest.

ECOreporter.de: Herr Betzold, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Green City Energy ist einer der zahlreichen Aussteller auf der Messe Grünes Geld München am 22. November 2014 im Künstlerhaus am Lenbachplatz. Bei freiem Eintritt können sich Anfänger ebenso wie Finanzprofis auf der Veranstaltung darüber informieren, wie sie erfolgreich und sicher „grün“ investieren können. Von der Beteiligung an Wasserkraftwerken über nachhaltige Aktienfonds bis zu Mikrofinanzen und Sparbüchern bei grünen und ethischen Banken öffnet sich ein breites Spektrum nachhaltiger Investments. Abgerundet wird die Messe durch ein umfangreiches Vortragsprogramm zum Thema und eine Podiumsdiskussion zur Energiewende. Damit sich auch Eltern und Großeltern entspannt umschauen können, gibt es ein Kinderprogramm für kleine Messebesucher (Näheres zu der Veranstaltung erfahren Sie  hier).
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