Eine Whole-Foods-Market-Filiale in Texas: Der Biolebensmittelhändler hat das Führungsgremium erweitert und Pläne für eine Neuaufstellung des Konzerns verkündigt. Das ist angesicht der aktuellen Quartalszahlen auch bitter nötig. / Foto: Unternehmen

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Whole Foods Market kappt Jahresprognose

Sinkende Absatzzahlen, hoher Preisdruck durch die Konkurrenz – und keine wirksame Strategie des Vorstands, um den Problemen zu begegnen: US-Biolebensmittelhändler Whole Foods Market steckt seit einiger Zeit in der Krise. Nach der erneuten Präsentation schwacher Quartalszahlen will die Führung nun endlich aktiv werden. Das Unternehmen aus Austin im US-Bundesstaat Texas hat Modernisierungspläne und eine neue Wachstumsstrategie verkündet. Zusätzlich wurde das Führungsgremium erweitert. Ist dies das lang ersehnte Signal zum Aufbruch, das der Biolebensmittel-Aktie neuen Schwung geben kann?

Seit längerem hatten Aktionäre Whole Foods auf tiefgreifende Reformen gedrängt. Darunter auch der milliardenschwere Hedgefonds Jana Partners aus New York, der seine Beteiligung kürzlich auf 9 Prozent aufgestockt hat. Nun hat die Konzernführung reagiert und fünf neue unabhängige Mitglieder in das Führungsgremium, das Board of Directors, berufen. Der bisherige Chairman John Elstrott wurde durch Gabrielle Sulzberger ersetzt, die bereits seit 2003 als unabhängiges Mitglied tätig ist. Unter den neuen Köpfen sind Ron Shaich, Chief Executive Officer (CEO) der Bäckereikette Panera Bread, und Joe Mansueto, Gründer der Ratingagentur Morningstar.

Der Wechsel in dem nun 12-köpfigen Führungsgremium beflügelte auch den Aktienkurs von Whole Foods Market: Dieser kletterte an der US-Börse Nasdaq gestern kurzzeitig um über 3 Prozent nach oben. Mittlerweile hat sich der Kurs wieder bei 36,2 US-Dollar eingependelt.  In einem Aktientipp von Mitte April hatte ECOreporter dazu geraten, die Beteiligung zu halten.  Damals war noch unklar, wie sich das Unternehmen neu aufstellen will.

Mehr Kundenbindung und modernere Filialen

Nun wurden die Pläne für eine Neuausrichtung konkreter. "Wir beschleunigen unseren Weg zu einer verbesserten Wertschöpfung, um bessere Renditen für unsere Aktionäre zu liefern", kommentierte John Mackey, Mitbegründer und CEO von Whole Foods Market, die anstehenden Veränderungen. So soll unter anderem die Kundenbindung des Händlers mittels einer erleichterten Kommunikation und digitalen Angeboten gestärkt werden. In den Filialen wird laut den Plänen das Management neu organisiert und das Produktsortiment optimiert: Es steht also eine Modernisierungswelle an.

Zudem will Whole Foods Market die Kosten bis zum Jahr 2020 um weitere 300 Millionen Dollar senken. Das soll unter anderem durch effizientere Abläufe in den Filialen und Zuliefererketten geschehen.

Kundenzahlen sinken
– Dividende steigt

Das ist auch bitter nötig, wie die ebenfalls veröffentlichten Zahlen für das zweite Quartal 2017 zeigen: Denn der Absatz in den Filialen ging um 2,8 Prozent zurück, als Grund nannte Whole Foods Market sinkende Kundenzahlen. Ein Grund ist, dass Konkurrenten des Händlers ihre Biolebensmittel zu günstigeren Preisen anbieten können. Der Gesamtumsatz betrug 3,74 Milliarden Dollar, das entspricht in etwa dem Umsatz der Vorjahresperiode. Das Ergebnis je Aktie lag bei 31 US-Cents, gegenüber 44 US-Cents im zweiten Quartal 2016. Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen bzw. EBITDA fiel auf 287 Millionen Dollar (Vorjahr: 353 Millionen Dollar).

Auch wurde die Prognose für das Gesamtgeschäftsjahr von der Unternehmensführung kassiert. Demnach wird der Gewinn je Aktie nur noch 1,30 Dollar betragen, und nicht wie zuvor erwartet 1,33 Dollar. Der Umsatz soll nur um 1 Prozent wachsen, bislang waren 1,5 Prozent das Ziel.

Dennoch hob der Biolebensmittelhändler seine vierteljährliche Dividende um 29 Prozent auf 18 US-Cents je Aktie an. Zudem startet Whole Foods Market einen Aktienrückkauf mit einem Volumen von 1,25 Milliarden Dollar. Das sorgte für überraschte Reaktionen bei Analysten, weil der Konzern ja für die Investitionen in seine Filialen auch eine Menge Kapital benötigt.

Umsatz soll 2020 über 18 Milliarden Dollar steigen

Der geplante Umbau soll künftig wieder für Wachstum sorgen. Für das Jahr 2020 erwartet Whole Foods Market einen Gesamtumsatz von über 18 Milliarden US-Dollar sowie einen Cashflow aus dem operativen Geschäft von über 1,2 Milliarden Dollar an. Zum Vergleich: Im Geschäftsjahr 2015/2016 betrug der Umsatz 15,7 Milliarden Dollar.

Ob das ausreicht, um Jana Partners und andere Investoren zufrieden zustellen, ist aber noch unklar. Jana hatte unter anderem auch Firmengründer John Mackey gedrängt, den Preis für ein Übernahmeangebot zu nennen, das er akzeptieren würde (wir berichteten). Laut Chairman Gabrielle Sulzenberger habe Jana Partners einen eigenen Sitz im Führungsgremium abgelehnt. Jana selbst sagte in einer Stellungnahme, man würde sich "alle Optionen offen halten". Nun werde sich zeigen, ob die neue Führung wirklich alles dafür tue, die Geschäfte bei Whole Foods in Ordnung zu bringen und den Unternehmenswert für die Aktionäre zu steigern.

Whole Foods Market Inc.: ISIN US9668371068 / WKN 886391
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