Die G20-Staaten haben weitaus mehr Kapital für fossile Energie bereitgestellt als für Erneuerbare Energien. / Quelle: Fotolia

  Erneuerbare Energie

Wie die G20-Staaten das Klima entlasten könn(t)en

Der Klimaschutz ist ein wichtiges Thema beim G20-Treffen in Hamburg. Umweltschützer haben dringenden Handlungsbedarf angemahnt und zugleich in Studien erläutert, wo Länder wie Deutschland Nachholbedarf haben und wo sie ansetzen können.

So weist ein Bericht von mehreren Umweltorganisationen darauf hin, dass die G20-Staaten fast viermal so viel öffentliches Geld für Öl, Gas und Kohle zur Verfügung stellen wie für klimafreundliche Energieformen. Den G20 gehören die 19 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer an sowie die Europäische Union. Laut dem  Bericht mit dem Titel „Talk is Cheap: How G20 Governments are Financing Climate Disaster“  haben diese Länder in den Jahren 2013 bis 2015 fossile Energien mit jährlich 71,8 Milliarden US-Dollar unterstützt.

Nicht einmal ein Drittel dieser Summe stellten sie dagegen für Erneuerbare Energien bereit, nämlich pro Jahr nur 18,7 Milliarden US-Dollar. Der vom WWF, Friends of the Earth US, Oil Change International und Sierra Club verfasste sowie von urgewald mit herausgegebene Bericht hat die öffentlichen Gelder und Bürgschaften von G20-Staaten für Energieprojekte unter anderem durch Entwicklungsbanken und Exportkreditagenturen im Zeitraum 2013 bis 2015 analysiert.

Auch Deutschland finanziert fossile Energien stark mit

Laut dem Report stellten China, Japan, und Südkorea aus Asien sowie die Vereinigten Staaten das meiste Kapital für Öl, Gas und Kohle bereit. Auf Platz 5 folgte dann Deutschland, das fossile Energien mit jährlich 3,5 Milliarden US-Dollar unterstützte. Dagegen wurden für Erneuerbare Energien nur 2,4 Milliarden US-Dollar zur Verfügung gestellt.

Immerhin war in den untersuchten Jahren der Anteil der Kohle etwa bei den Hermesbürgschaften stark rückläufig. Diese Bürgschaften für Kohle verringerten sich von knapp 1,2 Milliarden Euro im Jahr 2013 auf 69,8 Millionen Euro im Jahr 2014 und 27,9 Millionen Euro im Jahr 2015. Dennoch stellt Regine Richter, Energieexpertin bei urgewald, klar: "Deutschland wird seinem selbst formulierten Anspruch ein großer Klimaschützer zu sein nicht gerecht. Abgesehen von einem Ausreißer im Jahr 2014 stellen die Bürgschaften für fossile Energieträger diejenigen für Erneuerbare Energien immer wieder weit in den Schatten. Klimaführerschaft erfordert viel mehr Engagement."

Deutscher Kohleausstieg bis 2030 gefordert

Zwar ist US-Präsident Donald Trump in Sachen Klimaschutz auf dem G20-Gipfel der Buhmann Nummer Eins, weil er das Klimaschutzabkommen von Paris aufkündigen will. Doch auch die anderen Gipfelteilnehmer stehen beim Kampf gegen den Klimawandel schlecht da, wie Karsten Smid betont, Klimaexperte von Greenpeace. "Auch ohne die USA verursachen die G19 noch zwei Drittel der weltweiten Treibhausgasemissionen, produzieren und verbrauchen den ganz überwiegenden Teil der klimaschädlichen Kohle", sagt Smid. Ihm zufolge stagniert der Klimaschutz in Deutschland: "Im Jahr 2016 lagen die CO2-Emissionen mit 906 Millionen Tonnen etwa so hoch wie vor acht Jahren. Während die Erneuerbaren Energien dynamisch wachsen, werden viel zu wenig klimaschädliche Kohlekraftwerke abgeschaltet."

Mit Großbritannien, Kanada, Italien und Südkorea haben vier der G20-Ländern einen Kohleausstieg beschlossen oder planen ihn. In Deutschland könnte dieser laut Greenpeace bis 2030 gelingen. Dies zeige eine von der Umweltschutzorganisation bei Energy Brainpool aus Berlin in Auftrag gegebene  Studie mit dem Titel „Klimaschutz durch Kohleausstieg“.

Kleinere Kohlekraftwerke sollen schrittweise vom Netz gehen

Die Analyse enthält zum einen einen Fahrplan für die Abschaltung von Kohlekraftwerksblöcken bis 2020, um so den deutschen CO2-Ausstoß bis dahin um 40 Prozent zu senken, wie es die Bundesregierung zugesagt hat. Bis Ende 2020 werden demnach 84 meist kleinere Braun- und Steinkohleblöcke mit einer Gesamtkapazität von rund 16 Gigawatt vom Netz genommen.

Zum anderen erläutert die Studie, wie Deutschland bis 2030 einen Anteil von 80 Prozent Erneuerbarer Energien am Stromverbrauch erreichen kann. Ergänzt durch klimaschonende Gaskraftwerke könne die Energieversorgung dabei weiterhin gesichert werden. Dieses Energieszenario bewertet Greenpeace als ambitioniert, aber umsetzbar.

Auch die renommierte Wirtschaftswissenschaftlerin Claudia Kemfert vom DIW Berlin drängt auf einen schnellen Ausstieg Deutschlands aus der Kohle. Was sie dazu sagt und wo es aus ihrer Sicht bei der Umsetzung der Energiewende hakt, hat sie in einem ausführlichen ECOreporter-Interview erläutert.
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