13.08.09 Finanzdienstleister

Wie erkenne ich einen guten Berater für nachhaltige Geldanlagen? Teil 2: Interview Dr. Gerhard Schick – Kleine Typologie der Finanzberater


ECOreporter.de: Herr Dr. Schick, wie schätzen Sie den Stellenwert nachhaltiger Geldanlage in Deutschland ein?
Gerhard Schick: Derzeit liegt der Anteil nachhaltiger Investments in Deutschland bei unter zwei Prozent! Das ist viel zu wenig, auch angesichts des drohenden Klimakollapses. Die Rahmenbedingungen in Deutschland müssen dringend und umfassend verbessert werden: Dazu gehören mehr Transparenz, was die Klimawirkung einer Geldanlage oder auch die gesetzliche Definition von Mindeststandards für nachhaltige Geldanlagen angeht. Im Beratungsgespräch muss die Frage nach der Berücksichtigung ökologischer, sozialer oder ethischer Aspekte künftig obligatorisch werden.

ECOreporter.de: Woran erkenne ich als Anleger, ob mein Finanzberater in Sachen 
nachhaltiger Geldanlage fit ist? 

Schick: Meine Erfahrung, die sich auf Praxistests meines Teams mit Mitgliedern der Grünen Jugend stützt, ist: Die meisten Finanzberater sind beim Thema Nachhaltigkeit blank. Ausnahmen bilden die auf ökologische, soziale oder ethische Aspekte spezialisierten. Das führt dazu, dass häufig Menschen, die Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigen wollen, abgeraten wird. Sinnvoll einschätzen kann der Kunde vor einem Beratungsgespräch die Qualität des Beraters letztlich weder bei den reinen Finanzaspekten noch bei Nachhaltigkeitskriterien. Deshalb ist die Orientierung an zertifizierten Qualifikationen angezeigt. 

ECOreporter.de: Welche formalen Qualifikationen sollte der gute Nachhaltigkeitsberater haben? 
Schick: Wir brauchen meines Erachtens eine Qualitätsoffensive beim Thema Anlageberatung allgemein und besonders zu den ethischen Aspekten der Nachhaltigkeit. Zertifizierte Ausbildungen zum Nachhaltigkeitsberater werden noch zu wenig wahrgenommen und zu wenig als Qualitätszeichen von Finanzdienstleistern beworben.

ECOreporter.de: Herr Schick, wir danken Ihnen für das Gespräch.


Und mit wem haben Sie es zu tun?

Kleine Typologie der Finanzberater


Wenn Sie wissen wollen, mit wem Sie es zu tun haben, fragen Sie: Welche Ausbildung Ihr Finanzberater hat und welche fachlichen Schwerpunkte, also z.B. eine besondere Fortbildung zum eco-Anlageberater. Fragen Sie auch, wer ihren Berater bezahlt bzw. woran er verdient. So können Sie besser einschätzen, ob die Anlageempfehlung womöglich stark vom Provisionsinteresse beinflusst ist. 
Banken bieten häufig Produkte der verbundenen Unternehmen an. Kunden der Deutschen Bank haben daher häufig Fonds der Konzerntochter DWS im Depot, bei der Commerzbank werden oft Anteile der Allianz Global Investors empfohlen. Die Sparkassen arbeiten eng mit der Fondsgesellschaft Deka, der Provinzial Versicherung und den Landesbausparkassen zusammen. Die Volks- und Raiffeisenbanken sind mit der Union Investment und der R+V Versicherung verbandelt. Kleinere Geldhäuser, wie die Steyler Bank, GLS Bank oder Umweltbank, haben keine eigenen Fondsgesellschaften und können daher aus einem breiten Spektrum wählen. Bei Finanzberatern, die nicht bei Banken arbeiten, sind die Verflechtungen nicht immer offensichtlich. Eine kleine Typologie: 

Gebundene Vermittler sind an einen einzelnen oder einige wenige Anbieter gebunden, dürfen also nur deren Produkte anbieten. Die müssen zwar nicht schlecht sein. Aber der Kunde läuft Gefahr, dass ihm nicht die optimal passende Anlage bzw. Versicherung empfohlen wird, weil sie von einem Anbieter stammt, mit dem der Vermittler nicht verbunden ist. Zu den Vermittlern zählen auch die so genannten Strukturvertriebe, wie AWD, MLP, Deutsche Vermögensberatung oder OVB. Die Vermittler erhalten von ihrer Vertriebsfirma Provisionen für Vertragsabschlüsse. So besteht die Gefahr, dass sie mit Vorliebe Produkte empfehlen, die ihnen viel Geld bringen.

Makler (oder ungebundene Vermittler) werden zwar wie die gebunden Vermittler von den Versicherungen nach Vertragsabschlüssen bezahlt. Allerdings wird der Makler erst tätig, wenn er vom Kunden einen Beratungs- und Vermittlungsauftrag erhält. Damit ist er dann auch den Interessen seines Kunden verpflichtet und haftet auch für Beratungsfehler. Deshalb sollte man den Makler auch fragen, ob er über eine Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung abgesichert ist.

Honorarberater sind meist freie Finanzdienstleister. Sie erhalten für Ihre Beratung ein fest vereinbartes Honorar vom Kunden. Provisionen von Produktanbietern reichen sie an den Anleger weiter. Hier sollten also die Interessen des Kunden am besten vertreten werden. Auch in den Verbraucherzentralen wird Anlageberatung gegen Honorar angeboten. Die Empfehlungen muss der Kunde aber danach selbstständig umsetzen.

Freie Vermögensverwalter kümmern sich vor allem um größere Vermögen, manche ab 50.000 Euro, andere erst ab 1 Million Euro. Auch sie werden von ihren Kunden bezahlt und können daher aus dem gesamten Angebot von Anlageprodukten wählen, das auf dem Markt verfügbar ist. Neben dem Fixum wird oft eine Erfolgsbeteiligung für den Verwalter vereinbart. 

Interview und Text: Martin Volmer


Links:

Opens external link in new windowwww.vzbv.de
Opens external link in new windowwww.vz-nrw.de (Checkliste und Musterprotokoll für die Anlageberatung)


Lesen Sie auch den ersten Teil unseres Beitrags über Berater für nachhaltige Geldanlagen, sie finden ihn hier: Opens external link in new windowMausklick.


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