05.06.09 Nachhaltige Aktien , Meldungen

Wie geht es bei Solon weiter? - Vorstandschef erläutert gegenüber ECOreporter.de Finanzsituation und US-Strategie des Unternehmens

Die Wachstumsaussichten der Photovoltaikbranche hängen weiter stark von der Situation der Banken ab. Das erklärte Thomas Krupke, Vorstandschef der Berliner Solon AG für Solartechnik, im Gespräch mit ECOreporter.de auf der Intersolar in München. Zwar hält er ein Wachstum des Sektors in diesem Jahr noch für möglich. Dafür müsse sich jedoch „in den nächsten zwei bis drei Monaten“ die Kreditklemme lösen. „Das Geschäft mit der Photovoltaik besteht zu 100 Prozent aus Geld, zu 25% aus Eigenkapital und zu75% aus Kredit“, erläuterte Krupke. Ohne Geld laufe da wenig. Das sei in allen Märkten gleich.

Auf Nachfrage ging der Vorstandschef auch auf die Situation von Solon ein. Das Solarunternehmen war im ersten Quartal 2009 deutlich in die roten Zahlen gerutscht. Wie es im Mai bekannt gab, rechnet es für das zweite Quartal mit weiteren Verlusten (wir Opens external link in new windowberichteten). Ein Analyst warnte vor den Liquiditätsproblemen von Solon, deren ungenutzte Kreditlinien in Höhe von 45 Millionen Euro seien nur „ein kleiner Puffer“ (ein Opens external link in new windowMausklick führt Sie zu der Einschätzung des Experten). Der Verschuldungsgrad der Berliner sei auf 122 Prozent angestiegen und innerhalb der nächsten zwölf Monate müsse Solon 255 Millionen Euro an Schulden refinanzieren.

Laut Krupke haben die Banken der Solon bereits „zugesagt, die Kreditlinien offen zu halten“. Das sei hoch zu bewerten, denn angesichts der gegenwärtigen Finanzkrise sei es sehr schwierig, neue Kreditlinien zu bekommen. Allerdings seien solche Zusagen auch abhängig von der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung der Banken selbst. „Man kann nur über den aktuellen Stand der Dinge Aussagen machen“, stellte der Vorstandschef fest. Durch die Bankenkrise hat sich nach seiner Einschätzung das Verhältnis der Solarfirmen zu den Finanzinstituten deutlich gewandelt. Früher hätten die Banken Solarunternehmen als attraktive Kunden betrachtet, so Krupke. Durch die Finanzkrise sei aber „Geld zu einem raren Gut geworden“. Wenn sich die Situation der Banken verbessere, werde sie sich auch für die Unternehmen des Photovoltaiksektors entspannen.

Der Solon-Chef ging im Gespräch mit ECOreporter.de auch auf den Solarmarkt der USA ein. Dort betreiben die Berliner in Tucson, Arizona seit 2008 eine Fabrik für Solarmodule mit einer Jahreskapazität von 60 MWp. Rund 100 Mitarbeiter produzieren dort kristalline und Dünnschicht-Solarmodule sowie Photovoltaiksysteme für den nordamerikanischen Markt. Die 100-prozentige Tochter Solon Corporation wurde Anfang 2007 gegründet. Neben der Herstellung von Solarprodukten installiert sie integrierte PV-Anlagen und Solarkraftwerke in den USA und hat hierbei Kapazitäten von insgesamt 9 MWp errichtet.

Wie Krupke erläuterte verfolgt die US-Tochter zunächst das Ziel, kostendeckend zu arbeiten. Das werde in diesem Jahr voraussichtlich gelingen. Der Solarmarkt der Vereinigten Staaten eröffne große Wachstumschancen, doch sei hier die weitere Entwicklung nur schwer abzusehen. Zunächst habe dort alles auf die Pläne der Obama-Regierung gewartet. Die lägen nun zwar auf dem Tisch, doch müsse man abwarten, wie deren kurzfristige Umsetzung gelingt.

Wie der Vorstandsvorsitzende des Solarunternehmens ausführte, sind die Marktbedingungen in den USA anders als in Deutschland. So wie in den rund zwei Dutzend Mitgliedsstaaten der EU seien auch in den 50 US-Bundesstaaten die Bedingungen sehr verschieden. Zwar gebe es dort kein Sprachenwirrwarr wie in Europa, dafür aber 50 Staaten mit Regelungen, die sich auch innerhalb ihrer Grenzen von County zu County sehr stark unterschieden. Vor allem im Südwesten der USA sei die Lage „sehr unübersichtlich“. Nicht nur die Förderbedingungen seien sehr verschieden. Auch wenn man überhaupt Gewerbe anmelden wolle, sei das Procedere mitunter sehr verschieden aufwändig. Als ein weiteres konkretes Beispiel für die sehr unterschiedlichen Vorgaben nannte Krupke die Brandschutzverordnungen, die mal sehr lax und mal sehr strikt ausfallen könnten. Solon habe mit der ebenfalls in Tuscon ansässigen Global Solar Energy einen Partner gefunden, der als Lieferant und Partner vor Ort den Markteinstieg erleichtert habe. An der Global Solar hatten die Berliner bereits im Frühjahr 2006 eine Beteiligung von 19 Prozent erworben. „Als deutsches Unternehmen braucht man in den USA Partner vor Ort und vor allem Zeit“, bilanzierte Krupke die bisherigen Erfahrungen von Solon in Übersee.

Dies gelte insbesondere für die Umsetzung von Solarprojekten. Hierfür müsse man sich nicht nur Abnehmer des Solarstroms besorgen, sondern auch Partner, die vor Ort die Kontakte knüpfen, die sich um Zugang zu den Fördermitteln der Bundesregierung, des jeweiligen Bundesstaates und der Kommunen kümmern, Experten für Steuerfragen und noch mehr. „Das macht es sehr kompliziert“, so der Solon-Chef. Zudem seien zuletzt im US-amerikanischen Solarmarkt „viele Cowboys unterwegs“. So bezeichnete er Konkurrenten, die bei Tendern für Solarprojekte ihre Angebote so günstig ansetzen, dass sie zwar zunächst den Zuschlag bekommen, dann aber die Projekte nicht umsetzen können, wie er erläuterte. Bereits in mehreren Fällen sei Solon nach Monaten von möglichen Auftraggebern aufgefordert worden, abermals ein Angebot zu machen, weil der Sieger der ersten Ausschreibung sich zurückziehen musste.

Das führe nicht nur zu einer Verzögerung vieler Solarprojekte, das schade auch dem Ansehen der Solarbranche in den USA insgesamt, meinte Krupke. Zudem sei dies ein weiterer Beleg dafür, dass man als Akteur in diesem Markt „einen langen Atem benötigt“. Dennoch sei er von den Wachstumschancen seines Unternehmens in den USA überzeugt. Die seien „kein Land der unbegrenzten Möglichkeiten, aber eines der großen Möglichkeiten“.

Solon AG für Solartechnik: ISIN DE0007471195 / WKN 747119


Bildhinweis: Krupke auf der Intersolar. / Quelle: ECOreporter.de
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