Was kann die Politik tun, um den drohenden Zusammenbruch des deutschen Windmarktes ab 2019 noch zu verhindern? Deutsche Projektentwickler hätten da einige Vorschläge. / Foto: Ackermann, GCE

14.12.17 Erneuerbare Energie

Wie lässt sich ein starker Einbruch beim Windkraftzubau verhindern? - Das sagen Projektentwickler

Deutschland steuert 2017 auf ein  Rekordjahr beim Windkraftausbau zu. Trotzdem ist die Lage in der Windenergiebranche angespannt,  da ein baldiger Einbruch des Marktes droht. Welche Lösungen sehen Projektentwickler? Wir haben nachgefragt. 

Das im Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) festgelegte Ziel eines kontinuierlichen Ausbaus der Erneuerbaren Energien ist gefährdet. Auch die Bundesnetzagentur hat das erkannt. Deswegen hat die Behörde den Gebots-Höchstwert für die Ausschreibungen für Windenergie an Land für 2018 auf 6,3 Cent je Kilowattstunde (kWh) festgelegt - eine Ermessensentscheidung. Rechnerisch hätte sich auf Basis der drei diesjährigen Ausschreibungsrunden ein Gebotshöchstwert von nur 5,0 Cent/kWh ergeben.

Geringes Ausschreibungsvolumen in 2018

2018 gibt es vier Ausschreibungsrunden für Windenergieanlagen am Land. Gebotstermine sind der 1. Februar, der 1. Mai, der 1. August und der 1. Oktober. Bislang gilt nur für die ersten beiden Gebotstermine, dass ausschließlich Projekte mit einer Bau- und Betriebsgenehmigung teilnehmen dürfen. Damit könnten nach derzeitigen Stand beim dritten und vierten Gebotstermin wieder Bürgerenergiegesellschaften mit nicht genehmigen Projekten dominieren.

Das Ausschreibungsvolumen beträgt jeweils 700 Megawatt (MW), also insgesamt nur 2.800 MW. Das würde bedeuten: Selbst wenn der Großteil der bezuschlagten Windpark-Projekte realisiert werden sollten, würde sich der Windkraft-Zubau bei derzeitigen Ausschreibungsvolumen deutlich verlangsamen. Damit dürfte auch das Erreichen der deutschen Klimaschutzziele in noch weitere Entfernung rücken.

Was sagen die Projektentwickler?

ECOreporter.de hat Projektentwickler befragt, wie sie die Situation für neue Windenergieprojekte im Ausschreibungsverfahren beurteilen. Zudem zeigen sie Lösungen auf und erläutern, welche Schritte und politische Entscheidungen jetzt  erforderlich wären, um einen drastischen Einbruch beim Windkraftausbau noch abwenden zu können.

Die befragten Unternehmen waren die ABO Wind AG aus Wiesbaden, die Green City Energy AG aus München, die Energiekontor AG aus Bremen und die Enertrag AG aus Dauerthal. Ein wichtiges Ergebnis: Alle vier Projektentwickler halten 6,3 Cent/kWh für auskömmlich, um neue Windkraftprojekte zu realisieren und wirtschaftlich betreiben zu können. Die Frage ist allerdings, ob Windparkprojekte, die im Ausschreibungsverfahren 6,3 Cent/kWh bieten, einen Zuschlag erhalten werden.

Die Bundesnetzagentur hatte den Gebotshöchstwert erhöht, weil sie befürchtete, dass es sonst zu wenig Gebote gebe und das ausgeschriebene Volumen daher nicht erreicht würde. Diese Befürchtung teilen die Projektentwickler nicht, sondern sie erwarten im Gegenteil teilweise ein deutliches Überangebot an Geboten.

Keine Entspannung durch die 6,3 Cent/kWh

Jens Mühlhaus
, Vorstand von  Green City Energy, teilt diese Ansicht: "Wir gehen davon aus, dass mindestens die ersten zwei Ausschreibungsrunden 2018 deutlich überzeichnet sein werden. Selbst wenn die richtigen Weichen nach und nach gestellt werden, unterliegt die Windenergie an Land noch immer einer Zubau-Grenze von 700 MW pro Ausschreibungsrunde. Diese wird auch weiterhin für einen enormen Druck im Markt sorgen, ein angehobener Höchstwert wird die Lage nicht entspannen. Für uns ist wichtig, nicht mit spekulativen Gebotswerten an Ausschreibungsverfahren teilzunehmen, die dann ein komplettes Projekt gefährden können."

Bildhinweis: Jens Mühlhaus ist Vorstand bei Green City Energy aus München. / Foto: Dominik Parzinger, GCE


Auch  Alexander Koffka, Bereichsleiter für Öffentlichkeitsarbeit und Investorenbetreuung bei der  ABO Wind AG, erwartet, "dass die Ausschreibungsergebnisse niedriger als 6,3 Cent/kWh sein werden" und fordert weitergehende Konsequenzen: "Leider hat die Politik erst für 2018 - und bislang auch nur für die ersten beiden Ausschreibungsrunden - die Konsequenz gezogen und das Vorliegen einer Genehmigung generell zur Bedingung für eine Teilnahme an der Ausschreibung gemacht. Unbedingt notwendig ist nun ein Gesetz, dass für alle und dauerhaft das Vorliegen einer Genehmigung zur Bedingung macht."

Höheres Ausschreibungsvolumen erforderlich

"Außerdem wäre es sinnvoll, das Ausschreibungsvolumen des Jahres 2018 mindestens um 800 Megawatt aufzustocken. Das wäre ein Ausgleich für den Teil der 2017 bezuschlagten Projekte, die mangels Genehmigung voraussichtlich nie gebaut werden. Eine solche Aufstockung des Ausschreibungsvolumens würde auch die Gefahr verringern, dass Marktteilnehmer bei den Ausschreibungen des Jahres 2018 - wegen eines drastischen Überangebots genehmigter Projekte - mit Geboten ins Rennen gehen, die nicht kostendeckend sind. Ein solcher ruinöser Wettbewerb wäre nicht im Sinne des Gesetzgebers, weil dann viele kleinere Entwickler vom Markt verschwinden und die Akteursvielfalt der Branche leiden würde", so  Alexander Koffka von ABO Wind.

Bildhinweis: Alexander Koffka ist Bereichsleiter für Öffentlichkeitsarbeit und Investorenbetreuung bei der ABO Wind AG aus Wiesbaden. / Foto: Unternehmen



Auch  Green City Energy-Vorstand Jens Mühlhaus  sieht die Entscheidung der Bundesnetzagentur, den Gebots-Höchstwert auf 6,3 Cent/kWh zu erhöhen, als "noch lange nicht ausreichend" an. Er fordert: "Es muss endlich der Zubau-Deckel angehoben werden: 2.800 MW neue Windenergie an Land pro Jahr sind für einen planbaren Kohle- und Atomausstieg viel zu wenig. Es müssten bis 2030 eigentlich 6.000 Megawatt pro Jahr sein. Nachdem aktuell nicht mal sicher ist, dass 2019 überhaupt die 2.800 MW ans Netz gehen, müsste die Aufhebung der Zubau-Begrenzung die logische, politische Konsequenz sein."

Gebotstermin für die erste Ausschreibungsrunde Windenergieanlagen an Land in 2018 ist der 1. Februar. Die Bundesnetzagentur wird die Ergebnisse der Ausschreibung dann erfahrungsgemäß voraussichtlich drei bis vier Wochen nach dem Gebotstermin veröffentlichen.
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