Symbol einer verfehlten Energiepolitik: Solaranlage auf einem Haus in Fukushima. / Quelle: Canadian Solar

  Erneuerbare Energie

Wie nachhaltig ist der Solarboom in Japan?

Vor neun Jahren war Japan der weltweit führende Solarmarkt und der erste, der bei den Gesamtinstallationen die Marke von einem Gigawatt (GW) übersprang. Dann aber stagnierte die Photovoltaik in dem fernöstlichen Inselstaat, weil die Förderung der Erneuerbaren Energien auf Eis gelegt und stattdessen ein Investitionsprogramm für die Atomkraft aufgelegt wurde. Bis sich dies mit der Katastrophe von Fukushima als Irrweg erwies und die Regierung in Tokio in 2012 feste Einspeisetarife für Solarstrom einführte. Seitdem boomt die Photovoltaik in Japan stärker als je zuvor.

Laut dem US-amerikanischen Marktforschungsunternehmen NPD Solarbuzz hat Japan jetzt bei der insgesamt installierten Solarstromkapazität die Marke von zehn GW überstiegen. Damit liegt das Land nahezu gleichaus mit China und den USA, die ebenfalls im Jahresverlauf diese Marke übersprangen. Zuvor war dies nur Italien und Deutschland gelungen. Die Bundesrepublik ist mit einer Gesamtkapazität von weit über 30 GW noch immer der mit Abstand größte Solarstromproduzent weltweit.

NPD Solarbuzz geht davon aus, dass in diesem Jahr nur noch in China mehr Solarstromkapazität ans Netz gebracht wird als in Japan. Dann aber drohe sich das Wachstum dieses Marktes wieder zu verlangsamen. Denn schon jetzt hätten Solarprojektierer Schwierigkeiten, in dem bergigen Inselstaat mit seiner großen Bevölkerungsdichte geeignete Standorte für Photovoltaikprojekte zu finden. Auch gebe es zunehmend Probleme beim Netzanschluss und bei der Versorgung mit den benötigten Solarmodulen. In Japan bevorzuge man Solarkomponenten aus einheimischer Fertigung, aber die Produktion der japanischen Solarhersteller sei schon jetzt bis ins kommende Jahr hinein ausgebucht. Das verbessere zwar die Absatzchancen für ausländische Hersteller. Aber es sei sehr wahrscheinlich, dass die attraktiven Solarstromtarife spätestens im kommenden Jahr massiv gekürzt werden, um den Zubau wieder in geordnete Bahnen zu lenken.
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