04.03.13 Fonds / ETF

Wie nachhaltig sind die großen Elektronik-Aktien?

Für Hersteller von Informations- und Unterhaltungselektronik (IKT) gewinnt Nachhaltigkeit immer stärker an Bedeutung. Und sie zahlt sich auch für die Aktionäre der Nachhaltigkeitsbesten Unternehmen dieses Sektors aus. Das geht aus einer aktuellen Report mit dem Titel Branchenreport "Apple, Samsung und Co – mit China verbunden" hervor, den die Bank Sarasin veröffentlicht hat.
Die Nachhaltigkeitsanalysten der Bank aus Basel stellen darin fest, dass der hohe Kostendruck die Hersteller von Geräten der Informations- und Konsumelektronik zur Verlagerung von Produktionsstandorten in Niedriglohnländer geführt hat. Dies habe für die Branche zu sozialen Risiken und damit Reputationsrisiken geführt. Prekäre Arbeitsbedingungen in Zulieferbetrieben wie beispielsweise Foxconn hätten Apple und anderen Marken Negativschlagzeilen beschert (wir Opens external link in new windowberichteten).
Die meisten Unternehmen seien sich der Missstände bewusst, heißt es in dem Report. Immer mehr führten regelmäßig Kontrollen in Zulieferbetrieben durch, zunehmend auch im Rahmen gemeinsamer Brancheninitiativen. Dieser Kontrollansatzes habe sich aber als nur begrenzt erfolgreich erwiesen. Daher würden jetzt immer mehr Unternehmen versuchen, mit partnerschaftlichen Ansätzen, also gemeinsam mit den Lieferanten, Verbesserungen bei den Arbeitsbedingungen der Lieferer zu erreichen. Die Programme der Unternehmen hätten mittlerweile in China zu einer Verbesserung der Verhältnisse beigetragen. So seien die Löhne in einigen chinesischen Regionen von 2005 bis 2010 um 19 Prozent pro Jahr gestiegen. Allerdings habe dabei die zunehmende Verhandlungsmacht der Arbeitnehmer infolge der wachsenden Arbeitskräfteknappheit und der leichten politischen Öffnung eine größere Rolle gespielt.
Für viele Konsumelektronikanbieter hat das Image ihrer Marke einen großen Einfluss auf die finanzielle Bewertung. Dies betonen die Experten der Bank Sarasin in der Studie. Damit würden die ökologischen und sozialen Begleiterscheinungen ihrer Produktion an Bedeutung gewinnen. „Sie können die Reputation maßgeblich beeinflussen“, merkt der Branchenreport an. Das gelte umso mehr, als das Bewusstsein für ethisch korrekte Erzeugnisse beim Konsumenten zunehme.
Die Nachhaltigkeitsanalyse hebt auch die Bedeutung ökologischer Aspekte für die Nachhaltigkeit von IKT-Herstellern hervor. Die Innovationsdynamik des Sektors führe zu einem schnellen Austausch von Mobiltelefonen und bewirke ebenso wie die steigende Anzahl der Geräte pro Benutzer eine Zunahme von Elektronikschrott. Große Mengen würden letztlich in Afrika und nach Asien landen, wo sie unsachgemäß wieder aufbereitet werden. Die Altgeräte enthalten laut der Bank Sarasin etliche gesundheitlich und ökologisch bedenkliche Stoffe. Ihre Experten weisen darauf hin, dass das bereits bestehende Verbot von Blei und anderen Schadstoffen auf weitere Stoffe wie zum Beispiel halogenierte Verbindungen ausgeweitet werden soll. Die Hersteller müssten sich auf regulatorische Risiken einstellen.
So habe die Gesetzgebung der EU mit RoHS (Restriction of the Use of Certain Hazardous Substances in Electrical and Electronic Equipment) und REACH (Regulation on Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals) bereits die Verwendung einiger umwelt- und gesundheitsschädlicher Stoffe in Elektronikprodukten verboten.
„Nachhaltigkeit kann daher zur Reduktion von finanziellen Risiken und/oder Nutzung von Wachstums- und Renditechancen beitragen“, schlussfolgern die Experten der Bank Sarasin. Dies zeige ein grober Vergleich der Performance nachhaltiger IKT-Unternehmen: Die Aktienrendite der im Nachhaltigkeitsrating "hoch" oder "überdurchschnittlich" bewerteten Unternehmen habe über die letzten drei Jahre bei rund 20 Prozent gelegen. Dagegen habe die Rendite der Branche (MSCI World Technology Hardware) in diesem Zeitraum lediglich zwei Prozent erreicht.
Im Nachhaltigkeitsrating der Bank Sarasin wurden unter anderem Apple, Canon, Nokia, Motorola, Samsung und Philips als "investierbar" eingestuft. Als einziger Konzern erreichte Ericsson die höchste Ratingstufe.
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