Italiens Einspeisevergütung für größere Solaranlagen ist rückwirkend gekürzt worden. Das stellt die Betreiber solcher Kraftwerke, wie die Solar8 Energy AG aus Reutlingen vor Herausforderungen. Im Bild: ein italienischer Solarpark von Kyocera. / Foto: Unternehmen

  Anleihen / AIF

Wie steht es um die Solar 8 Energy AG und ihre Anleihe-Anleger?

Photovoltaik-Investments in Italien galten bis vor kurzem noch als lukrativ: ideale natürliche Bedingungen und eine auf 20 Jahre festgeschriebene, staatlich garantierte Einspeisevergütung. Doch die jüngste energiepolitische Reform (mehr lesen Sie  hier (Link entfernt)) hat das schlagartig verändert – auch für Anleger, die bereits vor Jahren investiert haben. Eine Folge: Ob die Anleger der Solar8 Energy AG ihr Anleihe-Investment fristgerecht 2016 zurückerhalten können, bleibt bis auf Weiteres ungewiss. Das bestätigte der Solaranlagenbetreiber aus Reutlingen auf Nachfrage von ECOreporter.de.

Die Mittel aus der Anleihe seien prospektgemäß als Darlehen an die italienischen Tochtergesellschaften von Solar8 weitergereicht worden, die das Solar8-Kraftwerksportfolio betreiben. Die rückwirkenden Einschnitte bei der Einspeisevergütung in Italien hätten allerdings, dazu geführt, dass die Anlagen deutlich weniger Umsatz erzielen können als vor der Reform prognostiziert (näheres dazu lesen Sie  hier). Dadurch seien die Tochtergesellschaften Stand jetzt nicht in der Lage, die Darlehen wie ursprünglich vorgesehen 2016 zurückzuzahlen, erklärt Vorstand Dr. Andreas Hoynigg gegenüber ECOreporter.de: „Es gibt verschiedene mögliche Szenarien, die wir prüfen. Wir arbeiten mit aller gebotenen Sorgfalt an einer Lösung“, so Hoynigg weiter. Allerdings stehe eine Insolvenz der Solar8 Energy AG nicht im Raum, betont er.

Die 2011 begebene und mit stolzen 9,25 Prozent verzinste Anleihe der Solar8 Energy AG brachte dem Unternehmen ursprünglich zehn Millionen Euro ein. Bislang sind Hoynigg zufolge davon noch 8,3 Millionen Euro nicht an die Anleger zurückgezahlt. Trotz der schwierigen Lage sei die Solar8 Energy AG weiterhin in der Lage, die Zinsen der Anleihegläubiger zu zahlen, so wie es bisher auch der Fall gewesen sei, betont der Vorstand. Dennoch bleibe die Situation schwierig, denn aktuell sei ein Verkauf einzelner Photovoltaikanlagen aus dem Kraftwerksbestand keine Option. Die Anlagenpreise seien gefallen, zugleich hätten sich die Konditionen von Bankenfinanzierungen verschlechtert, erläutert Hoynigg. Betreiber von Solaranlagen seien durch die Reform in Italien gezwungen, Wertberichtigungen auf ihre Kraftwerksbestände vorzunehmen.

In Italien regt sich aber Widerstand gegen die rückwirkende Kürzung der Einspeisetarife. Der italienische Verband der Erneuerbare-Energien-Branche strengt eine Sammelklage an, der sich Hoynigg zufolge auch die italienischen Tochtergesellschaften der Solar8 Energy AG angeschlossen haben. Mit Blick darauf, wie viel Zeit vergleichbare Klagen in anderen Staaten Europas in Anspruch nehmen, sei jedoch nicht damit zu rechnen, dass die rechtlichen Schritte schon 2016 Wirkung zeigten, räumt der Vorstand ein.
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