16.10.07 Wachhund

Wie verteidigt die EECH den Einsatz von Mitteln aus der Solaranleihe für Kunstinvestments? - ECOreporter.de berichtet

In der vergangenen Woche hatte das Landgericht Hamburg die Hamburger European Energy Consult Holding AG (EECH AG) in einem Rechtsstreit dazu verurteilt, Inhaberschuldverschreibungen zurückzahlen (wir berichteten: ECOreporter.de-Beitrag vom 9. Oktober). Gegenüber ECOreporter.de hatte der Vorstand der EECH AG,Tarik Ersin Yoleri, Berufung angekündigt. Laut dem nun ECOreporter.de vorliegenden Urteil des Landgerichts stellt dieses fest, dass die EECH für eine Solaranleihe eingeworbenes Kapital „in erheblicher Größenordnung vertragswidrig verwendet“ hat. Im Prospekt habe die EECH mitgeteilt, das Kapital der Anleger „im Energiemarkt unter besonderer Berücksichtigung der Solarenergie“ investieren zu wollen. Stattdessen habe sie im Jahr 2005 Kunstwerke zum Preis von rund 25 Millionen Euro angekauft und an die Art Estate AG weiterverkauft. Dafür seien 37,9 Millionen Euro ausgewiesen worden. Im Bereich des Kunstmarktes herrschen jedoch laut dem Gericht „zum Teil völlig andere Risiken“ als im Energiemarkt. Es wies die Argumentation von EECH-Vorstand Yoleri zurück, sein Unternehmen sei gegenüber den Kapitalgebern nicht verpflichtet, in bestimmte Geschäftsfelder zu investieren und die im Prospekt vorgestellten Solarprodukte stellten lediglich Beispiele für die Entwicklung innovativer Produkte dar.

Die ebenfalls in Hamburg ansässige Art Estate, an die der Mutterkonzern die erworbenen Kunstwerke weiterveräußert hat, ist ein Tochterunternehmen der EECH. Im Juni diesen Jahres hat sie laut einer Unternehmensmeldung einen ersten geschlossenen Kunstfonds mit einem Gesamtvolumen von 7,3 Millionen Euro vollständig platziert. Dieser ‚Art Estate Kunstfonds 01’ bestehe aus 25 Werken „zehn international anerkannter Künstler“. Die Art Estate arbeitet eigenen Angaben zufolge bereits „an der Ausgestaltung neuer Kapitalanlageprodukte“ für den Anlegermarkt. 2006, also im Jahr nach der Weitergabe der Kunstwerke an die Art Estate, erhöhte die Muttergesellschaft EECH Group AG das Grundkapital der Tochtergesellschaft um 1 Million Euro auf 1.250.000 Euro. Dieses geschah über eine Barkapitalerhöhung gegen Ausgabe neuer nennwertloser Stückaktien.

Anfang Oktober dieses Jahres, kurz vor den Urteilssprüchen des Landgerichts Hamburg gegen die EECH Group AG, hatte diese dann angekündigt, ihre Geschäftstätigkeit künftig ausschließlich auf das Geschäftsfeld Erneuerbare Energien konzentrieren zu wollen. „Sämtliche nicht regenerativen Assetklassen sollen sukzessive in den kommenden Monaten aus dem Konzernverbund herausgelöst und verkauft werden“, so das Unternehmen. Gegen deren Vorstand Yoleri geht die Staatsanwaltschaft Hamburg wegen gewerbsmäßigen Kapitalanlagebetrugs vor (wir berichteten: ECOreporter.de-Beitrag vom 12. Oktober).

Die EECH-Aktie verlor heute bis zum Mittag in Frankfurt über fünf Prozent an Wert. Sie notiert aktuell bei 0,51 Euro. 2005 kostete sie noch deutlich mehr als zwei Euro.

EECH Group AG: ISIN DE0006852809 / WKN 685280

Bildhinweis: Der Wachhund von ECOreporter.de hat frühzeitig und verschiedentlich vor Investments bei der EECH gewarnt. / Quelle: Unternehmen
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