21.01.10 Aktientipps

Wie wirken sich die Kürzungen der deutschen Solarstromvergütung auf einzelne Unternehmen aus?

Die gestern von Bundesumweltminister Norbert Röttgen angekündigte zusätzliche Kürzung der Solarstromvergütung über das EEG fällt schlimmer aus als von den meisten Experten erwartet. Das meint der US-Analyst Stuart Bush von RBC Capital Markets. Nach seiner Einschätzung werden die Kürzungen im weltweit führenden Photovoltaik-Markt negative Auswirkungen auf alle Solarunternehmen haben (per Opens external link in new windowMausklick gelangen Sie zu unserem Bericht über die Pläne des Bundesumweltministers. Wenn Sie in der Suche das Stichwort „BSW“ eingeben, finden sie weitere Hintergrundberichte). Ohne Zweifel werde es in dem Sektor zu einer Konsolidierung kommen. Anleger müssten genau hinschauen, um die Firmen mit den besten Überlebenschancen auszumachen.

Dazu zählt der britische Analyst Ben Lynch von Bryan, Ganier & Co. in London den hessischen Wechseltrichterhersteller SMA Solar und die Bonner SolarWorld AG. Beide seien zwar stark von den angekündigten Kürzungen betroffen, da sie jeweils mehr als 60 Prozent ihrer Umsätze auf dem deutschen Markt erzielen. Durch ihre führende Marktstellung und einer aussichtreichen Positionierung in ausländischen Märkten, insbesondere im viel versprechenden US-Markt, dürften sie laut Lynch aber zu den Gewinnern der Entwicklung zählen. Der Analyst empfiehlt die Aktien der Unternehmen zum Kauf: die der SMA mit Kursziel 95 Euro und die der SolarWorld AG mit Kursziel 20 Euro. Der Experte von Bryan, Ganier & Co. glaubt, dass andere Märkte Rückgänge der Nachfrage in Deutschland zum Teil kompensieren können. Der weltweite Solarmarkt wird nach seiner Einschätzung trotz eines voraussichtlich schwierigen zweiten Halbjahres für den deutschen Solarsektor in 2010 insgesamt um 30 Prozent wachsen, bei Neuinstallationen im Umfang von rund sieben Gigawatt.

Neben SMA und SolarWorld erzielen auch andere deutsche Solarunternehmen aus dem TecDax einen Großteil ihrer Umsätze im deutschen Heimatmarkt. Laut den letzten veröffentlichten Geschäftszahlen beträgt dieser Anteil etwa bei der Berliner Solon SE und Q-Cells aus Thalheim rund 50 Prozent. Doch auch die chinesische Konkurrenz dürfte unter den deutschen Kürzungen leiden. Yingli Green Energy erwirtschaftet in Deutschland ebenfalls die Hälfte der Umsätze und Suntech aus Wuxi sogar deutlich mehr. Die Aktien dieser Solarkonzerne haben in den letzten Tagen rund 20 Prozent an Wert verloren.  Der Anteilsschein des chinesischen Photovoltaikkonzerns Solarfun brach sogar um über 25 Prozent ein.

Der US-Analyst Burt Chao von Simmons & Co. verweist zur Erklärung darauf, dass das Unternehmen aus Shanghai viele deutsche Kunden hat, neben Q-Cells zähle etwa der Systemhersteller Schüco zu den wichtigsten Kunden. Kurfristig rät Chao daher von der Aktie ab. Langfristig dürften die chinesischen Hersteller aufgrund ihrer Kostenvorteile jedoch davon profitieren, dass durch die starke Kappung der deutschen Solarvergütung der Preisdruck auf Solarprodukte weiter zunehme, meint er. Ähnlich sieht es Jesse Pichel, Analyst von Piper Jaffray. Er geht davon aus, dass chinesische Unternehmen wie Yingli. JA Solar und Trina Solar der westlichen Konkurrenz verstärkt Marktanteile abnehmen werden.

Ein westliches Solarunternehmen, das selbst die Konkurrenz aus Asien auf Abstand halten könnte, ist First Solar aus dem US-Bundesstaat Arizona. Doch auch der weltweit führende Hersteller von Dünnschicht-Solarmodulen muss nach Einschätzung von Mehdi Hosseini mit Preissenkungen auf die Kürzungen der deutschen Solarstromvergütung reagieren. Dem Analysten von FBR Capital Markets zufolge benötigen die Amerikaner einen Preisvorsprung von 20 Dollarcents pro Watt gegenüber den Herstellern kristalliner Solarmodule, um den geringeren Wirkungsgrad ihrer Produkte wettmachen zu können. Für herkömmliche Solarmodule aus China werde laut Berechnungen von FBR Capital Markets der durchschnittliche Verkaufspreis bis Mitte des Jahres auf 1,50 Dollar fallen (ohne die angekündigten Kürzungen in Deutschland sei man von 1,90 Dollar ausgegangen). Folglich müsse First Solar ihre Module in diesem Jahr mindestens auf durchschnittlich 1,30 Dollar verbilligen. Das werde trotz der starken Fortschritte bei den Produktionskosten die Marge des US-Unternehmens belasten. Die Aktie von First Solar hat sich in den letzten Tagen ebenfalls um rund 20 Prozent verbilligt. Hosseini empfiehlt die Beteiligung zu reduzieren und nennt als Kursziel 100 Dollar. Das sind umgerechnet 71 Euro. In Frankfurt notierte das Papier heute um 14 Uhr bei 84,6 Euro.

Langfristig sieht Hosseini aber viel Potential für die Aktie. First Solar zeichne sich durch eine sehr weitsichtige Strategie aus. Es sei abzusehen gewesen, dass für das Geschäft mit Projektierern von Freiflächen-Solarparks in Deutschland schwieriger wird. Schließlich hatte die CDU schon zu Zeiten der Großen Koalition hier ab geringere Vergütungen gedrängt. Auch aus diesem Grund sei First Solar im Frühjahr 2009 in die Projektierung von Solarparks in den USA eingestiegen. Dadurch könne das Unternehmen die stark ausgebaute Produktion durch den Absatz im Heimatmarkt auslasten und eigene Projekte ausstatten. In Deutschland sieht der Analyst durch die Entscheidungen von gestern einen Trend hin zu Dachanlagen vorgezeichnet. Freiflächenprojekte würden immer unattraktiver. Doch im Geschäft mit Anlagen auf Häusern sei First Solar im Nachteil. Nicht nur aufgrund der geringeren Wirkungsgrade ihrer Dünnschichtprodukte, sondern vor allem aufgrund des höheren Gewichts dieser Module. Vor allem auf älteren Häusern könne daher nur eine stark begrenzte Menge an Modulen von First Solar installiert werden.

First Solar Inc.: WKN A0LEKM / ISIN US3364331070
JA Solar Holdings Co., Ltd.: ISIN US4660901079 / WKN A0F5W9
Q-Cells SE: WKN 555866 / ISIN DE0005558662
SMA Solar Technologie AG: ISIN DE000A0DJ6J9 / WKN A0DJ6J
Solarfun Power Holdings Co. Ltd.: ISIN US83415U1088 / WKN A0LGD
SolarWorld AG: ISIN DE0005108401 / WKN 510840
Solon SE für Solartechnik: ISIN DE0007471195 / WKN 747119
Suntech Power Holdings Co., Ltd.: ISIN US86800C1045 / WKN A0HL4L
Yingli Green Energy Holding Company Limited: WKN A0MR90 / ISIN US98584B1035  

Bildhinweis: Solarmodul von First Solar im Einsatz. / Quelle: Unternehmen
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