Windkraftprojekt von Gamesa. / Quelle. Unternehmen

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Wind-Aktie: Gamesa Tecnologica hat Sturm in den Flügeln

30 Prozent Kursgewinn in nur sechs Monaten: Die Aktie des spanischen Windkonzerns Gamesa Tecnologica macht Anlegern Freude. Aber mit 8,0 Euro hat sie jetzt wieder den Stand von vor vier Jahren erreicht. Also: Gewinne sichern und mitnehmen - oder noch einsteigen? ECOreporter analysiert die Situation in China und USA, vor allem in Lateinamerika und zeigt überraschende Entwicklungen.

Der Windturbinenbauer aus dem Baskenland litt seit 2011 unter der Schwäche des weltweiten Windmarktes. Damals wurden in wichtigen Absatzmärkten weniger Windkräder nachgefragt als nach dem enormen Wachstum der Vorjahre erwartet. Die Auftragsbücher der Windturbinenbauer wiesen zunehmend Leerstellen auf, aufgebaute Produktionskapazitäten konnten nicht ausgelastet werden, die Preise für Windräder gerieten infolge des Überangebotes unter Druck und die Einnahmen brachen ein. Es war eine absurde Situation: Weltweit wurden immer mehr Windkraftanlagen verkauft, aber die Hersteller verdienten zugleich immer weniger und ihre Aktien stürzten in den Kurskeller. Doch Gamesa hat daraus Lehren gezogen: auf Kostenbremse getreten, Abläufe verschlankt effizientere Produktion.

Laut der Deutschen WindGuard wurden global Windkraftanlagen mit zusammen 39.000 Megawatt (MW) neu aufgestellt – 15 Prozent weniger als in 2012. Eine weitere Lektion in Börsenlogik: Obwohl damit das Marktwachstum bei der Windkraft weltweit so gering ausfiel wie noch nie, machten die Windkraftanlagenhersteller Vestas, Gamesa und Nordex wieder bessere Geschäfte und verzeichneten enorme Kursgewinne.

Entwicklung in den größten Windmärkten unsicher

Doch nun gewinnt der weltweite Ausbau der Windkraft wieder an Dynamik, die Nachfrage steigt. Die WWEA rechnet damit, dass sich das Wachstum der Windkraft weltweit in 2014 wieder stabilisieren und danach deutlich anziehen wird. Bis 2016 werde die weltweit installierte Windkraftkapazität die Marke von 500 GW übersteigen - nach rund 320 GW Ende 2013. Die WWEA hält bis 2020 einen Zubau auf 1.000 GW für möglich.

China ist der weltweit größte Windmarkt. Die Volksrepublik erreichte laut einem Bericht des Weltwindkraftverbandes World Wind Energy Association (WWEA) zur Jahresmitte 2013 eine Gesamtkapazität von rund 80 Gigawatt (GW) und trug damit mehr als ein Viertel zur weltweiten Windkraftleistung bei. Zum Vergleich: in den USA sind rund 60 GW am Netz, in Deutschland rund 32 GW, in Spanien knapp 23 GW und in Indien knapp 20 GW. China ist seit Jahren die Wachstumslokomotive des weltweiten Windmarktes. Das Land kann aber seine Netzkapazitäten längst nicht so schnell ausbauen wie seine Windkraftleistung, weshalb bereits jede dritte Windkraftanlage ohne Netzanschluss dasteht. Vor allem dieses Problem hat das Wachstum in diesem Markt gebremst. Das wirkte sich für Gamesa nicht zuletzt deshalb aus, weil deshalb chinesische Hersteller von Windrädern wie etwa Goldwind oder Sinovel zunehmend ins Ausland drängen und mit Billigangeboten Konkurrenz machen. Gamesa fuhr die Aktivitäten in der Volksrepublik so stark zurück, dass nur noch ein Prozent der erlöse dort erwirtschaftet werden.

Die USA sind nach China der zweitgrößte Windmarkt. Hier war ein wichtiges staatliches Förderinstrument für Windkraftinvestitionen Ende 2012 ausgelaufen und erst zum Jahresbeginn 2013 verlängert worden. Das hatte dazu geführt, dass in den ersten Monaten des vergangenen Jahres kaum in neue Windenergieprojekte investiert worden war. Zudem hat sich die Produktion von Erdgas in den USA durch das so genannte Fracking so stark verbilligt, dass sich das Marktumfeld für Windenergie deutlich verschlechterte. Zwar wurde in vielen neuen Märkten verstärkt in Windkraftprojekte investiert, doch reichte dies noch nicht aus, um die Schwäche in den USA auszugleichen. Aber zuletzt zog die Nachfrage für Windräder in den USA wieder deutlich an. Der US-Windkraftverband American Wind Energy Association (AWEA) geht vor allem für 2014 wieder mit einem deutlichen Wachstumssprung aus.

Gamesa setzt auf Märkte mit starkem Wachstumspotential

Gamesa setzt stark auf Schwellenländer mit stark steigendem Energiebedarf, während das US-Geschäft oder auch der lange bestimmende Heimatmarkt Spanien für Gamesa kaum noch eine Rolle spielen. Im Gegensatz zu Indien, schon jetzt einer der größten Windmärkte weltweit. Gamesa hat hier schon vor Jahren Fuß gefasst und in den ersten drei Quartalen 2013 fast jede fünfte der ausgelieferten Anlagen für Kunden auf diesem Subkontinent aufgestellt. Noch stärker ist das Engagement der Spanier in Lateinamerika, wo Gamesa viele Geschäftspartner hat wie etwa den spanischen Energiekonzern Iberdrola. In den ersten drei Quartalen 2013 wurde bereits über die Hälfte der von Gamesa verkaufen Windräder von Kunden aus Lateinamerika bestellt. Die Spanier verfügen mit einem Produktionszentrum in Brasilien über eine Fertigung vor Ort und dürften stark davon profitieren, wenn dieser Windmarkt sein Potential entfaltet

Außerdem haben die Spanier schon früh darauf gesetzt, sich mit einem starken Projekt-Geschäfte einen stabilen Mittelzufluss zu sichern. Inzwischen werden über 70 Prozent der Windräder, die Gamesa weltweit errichtet hat, auch von dem Konzern betrieben. So können Nachfrageeinbrüche bei Windrädern nicht mehr so große Löcher in die Bilanzen der Spanier reißen. Bei der Offshore-Windkraft schränkt Gamesa das technologische Risiko ein, in dem das Unternehmen vorerst nur einen Anlagen-Typ für den Einsatz auf See hat. Zudem hat sich das Unternehmen mit der französischen Areva einen großen und finanzstarken Partner an Bord geholt (wir berichteten), der zum einen helfen kann, die hohen Risiken abzufedern und zum anderen Türen öffnen dürfte, damit Gamesa einen verbesserten Zugang zu Geschäften mit Großprojekten auf See erhält.

Die Gamesa-Aktie erscheint im Vergleich der Risiken und der Chancen attraktiver als die Aktien des Wettbewerbers Vestas. Risikobewusste Anleger können diese Gelegenheit zu nutzen, ehe weitere Positivnachrichten von Gamesa die Aktie weiter nach oben treiben. Schon in der kommenden Woche kann es dazu kommen. Am 27. Februar wollen die Spanier ihre Geschäftszahlen für 2013 präsentieren und dürften dann auch eine neue Prognsoe für den weiteren Geschäftsverlauf vorlegen.

Gamesa Corp. Tecnologica: ISIN ES0143416115 / WKN A0B5Z8
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