27.04.07 ECOanlagecheck

Wind Invest 2 - wie gut ist der Wind-Zweitmarktfonds der WPD AG?

Kann man mit guten, gebrauchten Windfonds Geld verdienen? Die Bremer WPD AG meint: Ja. Die Gesellschaft bietet einen so genannten Zweitmarktfonds an. Der Fonds beteiligt sich an bereits bestehenden WPD-Windparks oder an Windparks, deren Geschäftsführung die WPD beeinflussen kann. Anleger können ab 5.000 Euro einsteigen. ECOreporter.de hat das Angebot geprüft und bewertet.

Der "Wind Invest 2 GmbH & Co. KG Renditefonds" will in Fondsanteile investieren, die Anleger verkaufen, die aus einem bestehenden Windfonds aussteigen wollen. Ein Eigenkapital von bis zu 5,8 Millionen Euro will die WPD bei Anlegern für den Fonds einsammeln. Rechtlich handelt es sich um einen "Blind Pool": Es steht nicht fest, von welchen Fonds Anteile erworben werden. Für die Ertragsprognose wurde eine Laufzeit von 15 Jahren angenommen. In diesem Zeitraum sollen die kumulierten Ausschüttungen 227,0 Prozent betragen.

Carsten Meyer, Geschäftsführer der WPD GmbH, erklärt dazu im Gespräch mit ECOreporter.de: "Die tatsächlichen Zahlen werden von der Prognose abweichen. Unsere Prognosen basieren auf Anfragen von Kunden, die ihre Beteiligung verkaufen wollen. Die haben wir seit zwei Jahren gesammelt. Daraus haben wir eine Art Musterportfolio gestrickt, das Grundlage der Prospektierung ist. Wir versuchen natürlich, besser als das Musterportfolio zu werden." Ein Teil des Fondsvolumens wurde schon in 2006 platziert (Tranche 2006). Laut Meyer wurden mit dem bereits gezeichneten Kapital nur Fonds gekauft, die in der Vergangenheit stetig ausgeschüttet haben. Damit liege man bisher über der Prognose.


Einzahlung erst Ende 2007 - WPD-Tochter taxiert Ankaufswerte
Anleger, die 2007 in den Fonds einsteigen, haben ihr Geld noch bis Ende des Jahres zur Verfügung. Die vollständige Beteiligungssumme zuzüglich einem Agio in Höhe von drei Prozent wird erst zum 31. Dezember fällig. Laut Meyer hängt das damit zusammen, dass Anteile der "Zielfonds", in die der Wind Invest 2 investieren wird, erst zum Jahresende verfügbar sind. Der Fonds arbeitet den Angaben zufolge ausschließlich mit Eigenkapital.

Erfolg und Misserfolg des Zweitmarktfonds der WPD hängen wesentlich davon ab, dass die Zielfonds richtig bewertet und nicht zu teuer eingekauft werden. Der Wind Invest 2 investiere nur in Fonds mit mindestens fünf Jahren Betriebszeit, so die WPD. Der kumulierte Anteil eines Zielfonds am Gesamtvolumen werde maximal 20 Prozent betragen. Ebenso sei der maximale Anteil von Fonds aus einer "Windregion" gemäß dem Keiler-Häuser Index (IWET-Index) auf 20 Prozent beschränkt.

Die WPD-Tochter WPD energiE invest GmbH & Co. KG wählt die Fonds aus und bewertet sie. Sie greift dabei Meyer zufolge auf die Ertragswerte der letzten fünf Jahre zurück. Für den Ankaufswert werde dann eine Rendite von acht bis zwölf Prozent über die jeweilige Restlaufzeit des Fonds angenommen. "Der Zweitmarktfonds ist kein Kundenbindungsinstrument für bestehende WPD-Kunden. Wir gehen in den Berechnungen davon aus, dass die nächsten 15 Jahre genau so schlecht werden wie die letzten fünf windschwachen Jahre. Das ist für beide Seiten vollkommen transparent: Für die Verkäufer der Anteile der Zielfonds und die Anleger des Zweitmarktfonds." Eine externe Prüfung der Bewertung gibt es laut Meyer nicht, letztlich müsse der Anleger WPD vertrauen.
"Anhand der konkreten Beteiligungen werden wir eine aktualisierte Prognose erstellen, wenn der Fonds platziert ist", so Meyer. Die Ankaufpreise liegen seinen Angaben zufolge zwischen 60 und 140 Prozent des Nennwerts der Anteile. Wie gut oder schlecht der Verkäufer dabei fahre, hänge stark von dessen persönlicher steuerlicher Situation ab.

Die WPD AG hat nach Angaben von Meyer bisher 42 Publikumsfonds und 15 Private Placements projektiert. Auf Anfrage erhalten Interessenten eine umfangreiche Leistungsbilanz, der die Prognosen und tatsächlichen Erträge der bis 2005 realisierten Projekte zu entnehmen sind.

Bei der Suche nach Verkaufswilligen gehe man aktiv und passiv vor, erklärt Meyer. "Wir kaufen Anteile, die uns angeboten werden (passiv) und wir informieren über die Möglichkeit zum Verkauf. Der Ankaufspreis wird jeweils für das laufende Jahr festgeschrieben, keiner kann da Vorzugskonditionen aushandeln", so Meyer. Als Folge der besseren Winderträge im laufenden Jahr sei zu beobachten, dass die Ankaufpreise gegenüber 2006 tendenziell gestiegen seien. Man bemühe sich jedoch weiterhin um erfolgreiche Windparks, diese sollten die Basis des Portfolios bilden. Eine Mindestrestlaufzeit für die anzukaufenden Projekte gibt es nach Angaben von Meyer nicht. Wichtig sei lediglich die Betriebszeit von mindestens fünf Jahren. "Dann sind die Kinderkrankheiten aus den Anlagen raus. Zudem wird steuerlich nach fünf Jahren unterstellt, dass der Anleger einen Gewinn erzielen wollte. Das ist wichtig für den problemlosen Verkauf der Anteile", sagt Meyer.


12,41 Prozent Weichkosten - Laufzeit unbestimmt
Die Weichkosten inklusive Agio belaufen sich beim Wind Invest 2 auf 720.000 Euro, das entspricht 12,41 Prozent des Eigenkapitals. Unter den Sammelbegriff fallen unter anderem die Kosten die Eigenkapitalvermittlung, das Marketing sowie die Konzeption und Prospektierung des Fonds. Die laufenden Kosten des Zweitmarktfonds liegen laut Meyer bei 10.000 Euro jährlich. "Wir leiten später eigentlich nur noch die Ergebnisse durch. Operativ tun wir nichts mehr", sagt er.

Die Laufzeit des Fonds ist unbestimmt. Die WPD als geschäftsführende Komplementärin kann den Fonds aber auflösen. Was aber macht ein Anleger, der aus dem Zweitmarktfonds aussteigen will? Meyer: "Der Anleger hat zunächst einmal das Problem, dass der Fonds illiquide ist. Die Kalkulation läuft über 15 Jahre. Wenn Beteiligungen auslaufen, werden die daraus gewonnenen Mittel voll ausgeschüttet. Es wird nicht nachgekauft, es gibt kein Reinvestitionskonzept. Insofern ist das Ende der Gesellschaft absehbar." Den Ausschüttungen in den ersten zehn Jahren stehen nach Angaben von Meyer keine Steuerzahlung gegenüber.


Vorsichtige Prognoserechnung bietet Chance auf höhere Erträge
Grundlage für die Prognoserechnung des Fonds und die Ankaufspreise sind die letzten fünf Jahre. Sie gelten als ausgesprochen schwache Windjahre. Gut möglich also, dass der Fonds die Prognose übertrifft.

Zum Platzierungsstand erklärt Meyer: "Die Anteile unseres Zweitmarktfonds verkaufen sich gut, es wurden bereits mehr als 2,5 Millionen Euro gezeichnet. Unser Problem besteht darin, ausreichend "gebrauchte" Fondsanteile zu finden."


Fazit
Der Zweitmarktfonds Wind Invest 2 ist ein interessantes Angebot für Windfonds-Interessenten. Im Vergleich zum Investment in ein einzelnes Windkraftprojekt punktet der Zweitmarktfonds mit einer hohen Risikostreuung. Schlüssig erscheinen ferner die Argumente, die WPD-Geschäftsführer Meyer für die guten Erfolgsaussichten des Fonds zum aktuellen Zeitpunkt nennt. WPD bemühte sich glaubhaft, alle Fragen zu der ungewohnten Beteiligungskonstruktion umfassend zu beantworten. Das Angebot setzt Vertrauen in die Seriosität der WPD voraus. Geeignet erscheint es nur für Anleger, die ihr Geld für 15 Jahre festlegen können.



Basisdaten
Anbieter: WPD AG
Prospektdatum: 31.10.2006
Einkunftsart: Gewerblich
Rechtsform: KG
Agio: 3,00 Prozent
Laufzeitende der Prognoserechnung: 31.12.2021
Geplante Fondsauflösung: unbestimmt
Gesamtinvestitionsvolumen(exkl. Agio) : 5,80 Millionen Euro
Mindestzeichnungssumme : 5.000,00 Euro

Unabhängiger Mittelverwendungstreuhänder: Ja
Unabhängige Mittelverwendungskontrolle: Ja
Prüfung der künftigen Jahresabschlüsse durch Wirtschaftsprüfer: Ja


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Bild: Ist der Windfonds-Zweitmarkt ein gutes Geschäft für Anleger? / Quelle: Frei
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