Australische Windfarm mit Anlagen von Vestas. Im ersten Quartal haben die Dänen dort 50 Prozent mehr Windkraftkapazität installiert als im Gesamtjahr 2014. / Quelle: Unternehmen

06.05.15 Aktientipps , Nachhaltige Aktien , Meldungen

Windaktie im Aufwind: Vestas mit Rekordzahlen für das 1. Quartal

Um 18 Prozent hat sich die Aktie von Vestas in den zwei Monaten seit der Kaufempfehlung von ECOreporter.de verteuert. Der Antielsschein des dänischen Windradanlagenherstellers legte heute im Xetra bis 10:40 Uhr 2,6 Prozent zu und erreichte 43,60 Euro. Das passierte, nachdem Vestas eine starke Zwischenbilanz für das erste Halbjahr 2015 und einen weiteren Großauftrag aus den USA bekannt gab. Hat die Windaktie weiteres Potential?

Nach eigenen Angaben erreichten die Dänen im ersten Quartal einen Umsatz von 1,519 Milliarden Euro und damit 18 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) sprang von 39 Millionen auf 79 Millionen Euro, bei einer Marge von 5,2 Prozent. Damit lag die Marge 2,1 Prozent über dem Vorjahreswert. Nie war Vestas in einem ersten Quartal erfolgreicher. Im esten Quartal hatten Einmaleffekte das Ergebnis verbessert. Rechnet man diese heraus, fällt der Gewinnsprung noch beeindruckender aus. Dann hat sich das EBIT von 27 Millionen auf 79 Millionen Euro vervielfacht, der Nettogewinn kletterte von 2 auf 56 Millionen Euro. Und die Marge wuchs um 3,1 Prozent.

Wie in den vergangenen Wochen immer wieder gemeldet, verzeichnet Vestas eine hohe Kundennachfrage. Im ersten Vierteljahr summierten sich die Neuaufträge auf insgesamt 1,75 Gigawatt (GW), mit einem Wert von 1,6 Milliarden Euro nach einer Milliarde Euro zum Ende des Vorjahreszeitraumes. Der Auftragsbestand im Bereich Windkraftanlagen ist damit bis Ende März 2015 auf 7,5 Milliarden Euro angewachsen. Das allein übersteigt deutlich den Umsatz des gesamten und überaus erfolgreichen letzen Geschäftsjahres der Dänen. Sie hatten 2014 6,9 Milliarden Euro Umsatz erzielt. Überdies summieren sich die Service-Aufträge für Vestas ebenfalls auf 7,5 Milliarden Euro. Damit belief sich der gesamte Auftragsbestand des Konzerns Ende März 2015 auf satte 15 Milliarden Euro. Er lag damit um 1,2 Milliarden Euro über der zum Ende des ersten Quartals 2014 erreichten Marke.

Das Amerika-Geschäft als Wachstumsmotor

Zu dem starken Wachstum im ersten Quartal trug entscheidend das Amerika-Geschäft von Vestas bei. Während die Auslieferungen an Kunden in Europa gegenüber dem ersten Quartal 2014 sogar gesunken sind, von 499 MW auf 457 MW, erreichte das Amerika-Geschäft 718 MW nach 483 MW im Vorjahreszeitraum. Allein die Auslieferungen an US-Kunden stiegen um 212 MW. Insgesamt erhöhten sich die Auslieferungen im ersten Quartal um 283 MW auf 1,271 GW. Größter Absatzmarkt waren dabei die USA mit 587 MW, also fast der Hälfte. Mit weitem Abstand folgen die Niederlande und Deutschland mit 87 und 74 MW. Ein auffallend starkes Wachstum erreichte Vestas im ersten Quartal in der Region Asien/Pazifik. Während er im Vorjahreszeitraum dorthin nur 6 MW ausgeliefert hatte, waren es nun 96 MW. Davon entfiel mit 33 MW der größte Anteil auf Australien, der Rest in nahezu gleichen Mengen auf Indien, Südkorea und auf China. Das ist der weltweit größte Windmarkt, der aber von einheimsichen Windradherstellern dominiert wird.

Diese überaus positive Entwicklung nahm der Vestas-Vorstand zum Anlass, die Prognose für das Gesamtjahr deutlich zu erhöhen. Er hatte zunächst eine sehr vorsichtige Prognose von mindestens 6,5 Millionen Euro Umsatz ausgegeben, also einen Wert unter dem Vorjahresniveau. Zudem hatten die Verantworlichen eine Marge von mindestens sieben Prozent anvisiert, nach 8,8 Prozent in 2014. Das hatten wir in unserem Aktientipp vom 6. März 2015 als „übervorsichtig“ bewertet und vorausgesagt, dass der Windkraftkonzern diese Prognose eine Monate später anheben werde. So war es schon im Vorjahr geschehen und nun auch heute. Präsident und Chief Executive Officer (CEO) Anders Runevad stellt jetzt 7,5 Milliarden Euro Jahresumsatz in Aussicht und eine Marge von “mindestens 8,8 Prozent”. Der freie Mittelzufluss (cash flow) soll sich auf mindestens 600 Millionen Euro belaufen statt wie bislang angekündigt auf 400 Millionen Euro.

Das Offshore-Geschäft eröffnet zusätzliches Wachstumspotential

In unserem Aktientipp von Anfang März hatten wir die erfolgreiche Konzernstrategie von Vestas erläutert (hier (Link entfernt)  gelangen Sie zu dem Beitrag). Wir hatten dabei insbesondere die Wachstumschancen im US-Markt betont und auf das Potential der Dänen im Geschäft mit der Windkraft auf See – offshore – hingewiesen. Offshore-Anlagen können in den europäischen Gewässern erst ab dem zweiten Quartal installiert werden, da vorher die See noch zu rau ist. Erfolge in diesem Bereich wird Vestas daher erst im Jahresverlauf melden können. Und in den kommenden Jahren ist damit zu rechnen, dass weitaus mehr Offshore-Windräder in den europäischen Gewässern errichtet werden als bisher. Denn die EU-Staaten haben sich auf Klimaschutzziele bis zum Jahr 2020 verpflichtet. Vor allem Deutschland und Großbritannien können ihre Klimaschutzziele nur mit Hilfe der Windkraftproduktion auf See erreichen. Durch die Kooperation mit Mitsubishi im Bereich der Offshore-Windkraft hat Vestas zudem Chancen, auch im inzwischen aufkeimenden asiatischen Markt für die Windstromproduktion auf See zu profitieren.

Bildhinweis: Verladung von Windrotoren für eine Offshore-Anlage von Vestas. / Quelle: Unternehmen

Wir gehen davon aus, dass Erfolgmeldungen im Bereich Offshore-Windkraft und vor allem im Amerika-Geschäft die Aktie von Vestas weiter beflügeln werden. Ende 2016 läuft in den USA mit den Steuervergünstigungen für Windkraftinvestments ein wichtiges Förderinstrument aus. Bis dahin werden viele Investoren die Gelegenheit nutzen, diese Steuervorteile noch zu Geld zu machen. Das belegt der neueste Großauftrag von Vestas aus den Vereinigten Staaten. Wie die Dänen neben den Quartalszahlen mitteilten, hat RPM Access für den Windpark Marshall in Kansas 36 Vestas-Windkraftanlagen mit einer Kapazität von 72 MW geordert. Die Windräder sollen in der ersten Jahreshälfte 2016 ausgeliefert werden. Vereinbart wurde ferner, dass Vestas auch den Service übernimmt. Damit sind bei Vestas im laufenden Jahr bereits Neuaufträge mit zusammen 1,935 GW eingegangen.

Kaufempfehlung von ECOreporter.de bekräftigt

Was aber bedeutet es für den Windkraftkonzern, wenn die Steuervergünstigungen für Windkraftinvestments in den USA Ende 2016 auslaufen und danach die Nachfrage für neue Windräder dort einbricht? Vieles spricht dafür, dass bis sich dahin die Windmärkte im südlichen Amerika weiter entwickelt haben und Vestas dort ab 2016 Aufträge in höheren Gesamtvolumin als bislang ergattern kann. Dadurch könnten die Dänen den dann zu erwartenden Auftragsrückgang aus den USA ausgleichen. Sie haben 2014 bereits in vier lateinamerikanischen Märkten Windräder mit jeweils weit über 100 MW ausgeliefert, mit stark steigender Tendenz. Und auch in anderen jungen Windmärkten, etwa in Afrika und Asien, wächst die Nachfrage für Anlagen von Vestas. All dies spricht dafür, dass der Konzern weiter auf Wachstumskurs bleibt. Allerdings gehören starke Schwankungen bei den Einnahmen zum Geschäft mit Windrädern. Zwischenzeitliche Kurseinbrüche sind daher bei Aktien von Windradherstellern immer möglich. Anleger sollten das einkalkulieren.

Bei einem Kurs von 43,6 Euro liegt die Aktie auf Jahresicht um 28 Prozent im Plus. Sie ist daher kein Schnäppchen mehr. Für langfristig ausgerichtete Investoren bekräftigen wir aber unsere Kaufempfehlung von Anfang März, weiterhin mit dem Kursziel 50 Euro. Denn wir rechnen damit,  dass Vestas die von uns ausgeführten Wachstumschancen nutzt und weiter von den Effizienzmaßnahmen profitieren kann, mit denen der Konzern wieder auf die Erfolgsspur gelangt ist.

Vestas Wind Systems: ISIN DK0010268606 / WKN 913769
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