Windrotorenproduktion bei Nordex. Auch weil das Unternehmen immer günstiger produziert, hat die Windaktie auf Jahressicht stark an Wert gewonnen. Hat sie weiteres Kurspotential? / Foto: Unternehmen

19.02.16 Aktientipps

Windaktie Nordex unter Druck – sollten Anleger reagieren?

In einer Woche will der Windradbauer Nordex die Bilanz für 2015 veröffentlichen. Seit Jahresbeginn hat sich die Windaktie von Nordex stark verbilligt. Sollten Anleger nun schnell die Kursgewinne des vergangenen Jahres zu Geld machen, die weitere Entwicklung erst einmal abwarten oder die Gelegenheit nutzen, um die Beteiligung auszubauen? Ein Analyst nimmt Stellung.

Mit 118 Prozent Plus war Nordex die stärkste Windaktie des Jahres 2015. Doch seit Jahresbeginn hat sich der Anteilsschein des Hamburger Windkraftanlagenherstellers im Xetra stark verbilligt, von 33 auf 26 Euro. Dazu hat neben den allgemeinen Börsenturbulenzen wesentlich beigetragen, dass der Ölpreis stark gefallen ist. Viele Börsianer werten das als Anzeichen für schlechtere Marktbedingungen für erneuerbare Energie. Dies unter anderem weil der Gaspreis an den Ölpreis gekoppelt ist und folglich Gaskraftwerke billiger betrieben werden können, sich deren Position in der Konkurrenz etwa zu Windkraftwerken verbessert. Das muss aber entgegen der Vorurteile vieler Börsianer nicht dazu führen, dass weniger Investitionen in erneuerbare Energie fließen. Ein Beleg dafür ist die Entwicklung des Jahres 2015, in dem der Ölpreis immer neue Tiefstände erreichte und zugleich weltweit so viel Kapital in den Ausbau erneuerbarer Energieproduktion investiert wurde wie in keinem Jahr zuvor. Das haben Erhebungen von Bloomberg New Energy Finance (BNEF) ergeben (hier  erfahren Sie mehr darüber).

Analyst rät zur Vorsicht

Sven Diermeier ist Analyst der WGZ Bank und hatte im Oktober den Kauf der Nordex-Aktie beim Kurs von 27,9 Euro empfohlen (wir haben darüber  berichtet). Nun rät er nur noch dazu, die Beteiligung zu halten. Vor fünf Monaten hatte er seine Kaufempfehlung insbesondere mit den Vorteilen begründet, die die Übernahme der spanischen Konkurrentin Acciona Windpower Nordex bringt. Die Hamburger wollen sie im März abschließen. Der Experte der WGZ Bank warnt vor dem „zunehmend herausfordernden Marktumfeld“. Deshalb und wegen der Aufwendungen für die Übernahme sei zumindest bis 2017 nicht mit einer Dividendenausschüttung zu rechnen. Als Kursziel nennt Diermeier 29 Euro.

Für ECOreporter hat die Aktie weiter Potential

Allerdings notiert die Nordex-Aktie aktuell wieder fast auf dem gleichen Kursniveau wie kurz nach der Ankündigung der doch auch nach Ansicht von Diermeier so viel versprechenden Übernahme von Acciona Windpower. Deren Vorteile sind also beim derzeitigen Kurs nicht eingepreist. Im Gegensatz zu dem Wachstum, das Nordex voraussichtlich am kommenden Freitag für das abgelaufene Geschäftsjahr 2015 ausweisen wird. Diermeier rechnet damit, dass Nordex die selbstgesteckten Ziele von deutlichen Zuwächsen bei Umsatz, Gewinn und Marge erreicht hat. Nach Einschätzung von ECOreporter.de spiegelt der heutige Aktienkurs von Nordex das weitere Wachstumspotential nicht wieder. Der Windradbauer will durch den Zusammenschluss die Produktkosten stark verringern, bis 2018 um 15 bis 18 Prozent. Gelänge dies, könnte Nordex die Gewinnmarge stark verbessern. Die Konzernführung will bis 2018 die Marge beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) auf über 10 Prozent steigern. Nach den neun Monaten von 2015 hatte Nordex eine EBITDA-Marge von 5,5 Prozent verzeichnet. Die Übernahme von Acciona Windpower ermöglicht es Nordex, künftig weitaus mehr Windräder zu fertigen und diese zugleich je Stück deutlich billiger, etwa weil der Konzern Materialien in größeren Mengen bestellen und damit höhere Rabatte aushandeln kann. Hinzu kommen Synergien aus der Übernahme, die weitere Kostensenkungen ermöglichten.

Wenn die Kosten sinken, kann Nordex zudem günstigere Preise bieten und damit für Kunden vor allem in wachstumsträchtigen Schwellenländern deutlich attraktiver werden. Auch deshalb ist die Übernahme von Acciona Windpower von Vorteil. Denn die ist im Gegensatz zu Nordex in Schwellenländern wie etwa Indien und Brasilien bereits stark präsent.

Aus diesen Gründen dürfte die Aktie von Nordex demnächst deutlich zulegen, zumindest die Kurse vom Dezember 2015 wieder erreichen. Selbst wenn die Börsenturbulenzen noch etwas länger auf die Kurse drücken sollten. Die Aussichten für den Windmarkt und für Nordex als etablierten Hersteller von leistungsstarken Windärdern sind weiter sehr gut. Das wird sich zumindest mittelfristig auch im Aktienkurs positiv niederschlagen. ECOreporter.de rät daher weiter zum Kauf der Windaktie.

Nordex SE: ISIN DE000A0D6554  / WKN A0D655
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