Einblick in die Produktion von Vestas. Der Windradhersteller hat die Fertigungskosten je Stück massiv verringert. / Foto: Unternehmen

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Windaktie Vestas: 32 Prozent Kursplus nach ECOreporter-Tipp

Der Windradhersteller Vestas hat Umsatz und Ergebnis im zweiten Quartal stark verbessert. Er erhöhte zudem die Prognose für das Gesamtjahr. Die Windaktie drehte nach diesen Nachrichten auf. ECOreporter.de hatte im Februar die Aktie  zum Kauf empfohlen. Seither hat sie sich im Xetra von 54,8 auf 72,3 Euro verteuert. Wird sie weiter zulegen?

Vestas hat im zweiten Quartal den Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 46 Prozent auf 2,557 Milliarden Euro gesteigert. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) sprang von 145 auf 399 Millionen Euro, hat sich also um 175 Prozent erhöht. Die EBIT-Marge kletterte von 8,5 auf 15,6 Prozent.

Auch die Halbjahreszahlen des Windkraftanlagenherstellers überzeugen. Hier wuchs der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 23 Prozent auf 4,021 Milliarden Euro. Beim Halbjahres-EBIT verzeichnete das dänische Unternehmen einen Gewinnanstieg um 116 Prozent auf 484 Millionen Euro. Die EBIT-Marge verbesserte von 6,9 auf 12,0 Prozent.

Vestas erhöht Prognose, hoher Auftagsbestand

Angesichts dieser Entwicklung hat Chief Executive Officer (CEO) Anders Runevad die Jahresprognose deutlich angehoben. Er rechnet damit, dass Vestas mindestens 9,5 Milliarden Euro Jahresumsatz erlöst statt wie bislang anvisiert 9,0 Milliarden Euro. Die EBIT-Marge soll 12,5 Prozent erreichen statt 11,0 Prozent. 2015 hatten die Dänen 8,9 Milliarden Euro Jahresumsatz erlöst und 10,8 Prozent EBIT-Marge erreicht.

Wie Runevad bei der Präsentation der aktuellen Zahlen ausführte, summierte sich der Auftragsbestand von Vestas bei den Windradbestellungen zur Jahresmitte auf 8,2 Milliarden Euro. Er umfasst also allein bereits nahezu einen Jahresumsatz. Hinzu kommen Service-Aufträge für insgesamt 9,9 Milliarden Euro. Insgesamt war der Auftragsbestand damit bis Ende Juni gegenüber dem Vorjahreszeitpunkt um 1,2 Milliarden auf 18,1 Milliarden Euro gewachsen.

Weniger Neuaufträge

Ein Blick in die Zwischenbilanz zeigt allerdings, dass die Neuaufträge sich rückläufig entwickelten. Sie lagen sowohl im zweiten Quartal als auch im ersten Halbjahr deutlich unter den Vorjahreswerten, wie diese Aufstellung zeigt:

Aufträge 2. Quartal:
2015: 2,7 Milliarden Euro / 3,018 Gigawatt (GW)
2016: 1,6 Milliarden Euro / 1,790 Gigawatt (GW)

Aufträge 1. Halbjahr:
2015: 4,3 Milliarden Euro / 4,768 Gigawatt (GW)
2016: 3,6 Milliarden Euro / 4,193 Gigawatt (GW)


Laut CEO Runevad verzeichnete Vestas vor allem einen Rückgang bei Neuaufträgen aus den Vereinigten Staaten. Sie hätten sich um 45 Prozent verringert. Das habe das Plus bei Neubestellungen aus Europa von 33 Prozent im ersten Halbjahr nicht ausgleichen können. Wesentlich zur Verbesserung der Halbjahresbilanz habe der Ausbau des Service-Geschäftes beigetragen. Dieses habe eine Marge von 17,8 Prozent aufgewiesen und allein im zweiten Quartal de Umsatz um zwölf Prozent gesteigert

Die Windaktie hat vorerst nur wenig Kurspotential

Die Börsianer reagierten begeistert auf die Zwischenbilanz von Vestas. Die Aktie verteuerte sich im Xetra bis 11 Uhr auf 72,3 Euro und hat damit 32 Prozent an Wert gewonnen, seit ECOreporter.de vor einem halben Jahr in einem  Aktientipp  zum Kauf der Windaktie riet.

Nur Anleger mit kurzem Anlagehorizont sollten nun die Gelegenheit nutzen, bisherige Kursgewinne zu Geld zu machen und sich von der Aktie trennen. Denn kurzfristig ist das Kurspotential der Windaktie wohl ausgeschöpft: Der Wachstumssprung in 2016 ist im aktuellen Kurs schon eingepreist und die Entwicklung ab 2017 ist unsicher.

Der Rückgang bei den Neuaufträgen im ersten Halbjahr könnte ein Zeichen dafür sein, dass die Wachstumsdynamik des weltweiten Windmarktes nachlässt. In den USA wird die weitere Entwicklung stark vom Ausgang der Präsidentenwahl abhängen. Gewinnt Donald Trump, drohen massive Einschnitte bei der Windkraftförderung in dem zweitgrößten Windmarkt der Welt. Investoren wissen um diese Gefahr und halten sich bereits mit Neuinvestitionen zurück, wie der Auftragsrückgang von Vestas in den USA zeigt.

In Europas Windmarkt ist Deutschland - noch - der Wachstumsmotor. Hier hat Vestas im ersten Halbjahr die meisten Aufträge erhalten. Doch mit der neuen EEG-Reform wird das bisherige System fester Einspeisevergütungen für Windstrom auf ein Auktionsmodell umgestellt werden. Investoren können dann nicht mehr davon ausgehen, bei solchen Auktionen den Zuschlag zu erhalten,  und sie müssen bei ihren Planungen mehr Aufwand betreiben. Daher ist es sehr wahrscheinlich, dass ab 2017 in Deutschland weniger Windkraftanlagen neu aufgestellt werden als zuletzt. Die hohe Nachfrage für Vestas-Windräder aus Deutschland im ersten Halbjahr war ein Vorzieheffekt infolge der EEG-Reform.

Auf lange Sicht sind die Aussichten für Vestas und die Windaktie jedoch weiterhin gut. Der Konzern zählt zu den führenden Anbietern in einem weltweiten Wachstumsmarkt. Die Nachfrage nach Windkraftanlagen wird global schon deshalb wachsen, weil in den kommenden Jahren massiv in Erneuerbare Energie investiert werden muss, wenn die Weltgemeinschaft die Klimaziele erreichen will, auf die sie sich auf dem letzten Weltklimagipfel in Paris verpflichtet hat. Vestas dürfte von diesem globalen Trend profitieren. Daher empfehlen wir langfristig orientierten Anlegern, die Windaktie zunächst zu halten.

Vestas Wind Systems: DK0010268606 / WKN 913769
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