23.07.08 Erneuerbare Energie

Windkraftboom in China - aber die Luft für ausländische Technologieanbieter wird immer dünner

Der Ausbau einer chinesischen Windkraftindustrie schreitet mit Sieben-Meilen-Stiefeln voran. Binnen weniger Jahre ist es dem Land gelungen, mit über 6 Gigawatt (Ende 2007) installierter Windkraft zum fünftgrößten Windenergieerzeuger der Welt nach Deutschland, den USA, Spanien und Indien aufzusteigen. Bis Ende 2008 will die Regierung in Peking die Windkraftleistung auf 10 Gigawatt steigern. Experten halten es jedoch für möglich, dass 2010 bereits 20 Gigawatt (GW) erreicht werden und bis 2020 sogar 100 GW (weitere Informationen hierzu finden Sie in einem ECOreporter.de-Bericht von April). Zum Vergleich: Aktuell werden weltweit 94 GW Windstrom produziert. 


Vor allem ausländische Windkrafthersteller haben hohe strategische Investitionen in den chinesischen Windmarkt getätigt. Der spanische Windkrafthersteller Gamesa  investierte 60 Millionen Euro in eine Fabrik in Tianjin, die Hamburger Nordex AG will dieses Summe noch übertreffen. Sie hat bereits zwei ihrer drei Produktionszentren in China errichtet und verfügt über eine Firmenzentrale in Peking. In den nächsten drei Jahren will Nordex weitere 71 Millionen Dollar in sein China-Geschäft investieren und es so vervielfachen. Auch Konkurrenten wie der Weltmarktführer Vestas und die US-amerikanische GE Energy haben große Mittel in den chinesischen Windmarkt gepumpt. Denn das Land hat nicht nur einen enormen und weiter steigenden Energiebedarf, es gibt auch für Erneuerbare Energien eine große Nachfrage. China ist zudem schon jetzt nach den USA der größte Emittent von Treibhausgasen, hat mit enormen Umweltproblemen zu kämpfen, weshalb die Regierung den Ausbau der regenerativen Energieerzeugung forciert.


Vor allem mit Hilfe ausländischer Investitionen ist bereits eine breite einheimische Windkraftindustrie entstanden. Schließlich hat die Regierung festgelegt, dass alle in China errichteten Windanlagen zu 70 Prozent chinesische Komponenten ausweisen müssen. Außerdem bekommen einheimische  Windkraftunternehmen 50 Prozent Steuern erlassen. Nach Aussagen des chinesischen Ministeriums für Wirtschaft gibt es derzeit rund hundert chinesische Zulieferbetriebe für die Windkraftbranche. Für ausländische Zulieferer, aber auch für die so stark investierenden Windturbinenbauer aus dem Ausland wird die Luft allmählich dünner. Deren Marktanteil ist bereits stark rückläufig und hat von 75 Prozent auf aktuell 55 Prozent abgenommen. Zudem hat das chinesische Finanzministerium zum 1. Mai 2008 die tariffreie Einfuhr von Turbinen unter 2,5 Megawatt beendet. Es sollen immer mehr Windräder aus einheimischer Produktion zum Einsatz kommen. Offenbar haben die einheimischen Windturbinenbauer den vor Jahren noch drastischen Technologievorsprung der Ausländer deutlich verringern können. Nach Einschätzung von Steve Sawyer, Generalsekretär des Global Wind Energy Council, könnte China sich schon 2009 zum größten Hersteller von Windturbinen entwickeln.

Bis zum jetzigen Zeitpunkt gibt es in China 40 einheimische Windkraftanlagenproduzenten, wovon sich 17 im staatlichen Besitz befinden. Demnächst wollen die beiden chinesischen Turbinenhersteller Xinjiang Jinfeng und Sinovel mit dem Export ihrer Produkte beginnen. Viele der chinesischen Zulieferbetriebe haben sich Technologien von den westlichen Unternehmen lizenzieren lassen, etwa von AMSC Windtec, REpower, Aerodyn, Vensys und Garrad Hassan. Aktuell werden hauptsächlich 1,5 Megawatt Turbinen produziert, Turbinen bis zu 5 Megawatt und mehr sind aber schon in Planung. Ein kritischer Punkt innerhalb der chinesischen Windindustrie ist die Produktion von Gondeln, welche etwa 15 Prozent an den Kosten einer Windkraftanlage ausmachen. Hier gibt es kaum einheimische Anbieter dieser anspruchsvollen Komponenten. Der größte chinesische Gondelproduzent ist China High Speed Transmission. In 2007 kam allein dieses Unternehmen auf einen Marktanteil von etwa 80 Prozent. Auch Geräte zur Funkpeilung muss die chinesische Windindustrie weiterhin überwiegend importieren. Allerdings hat kürzlich die US-amerikanische Timken Company mit der Xiangtan Electric Manufacturing Co. Ltd. ein Joint Venture zur Herstellung von Funkpeilung in Windturbinen gegründet. Eine Produktionsanlage für 38 Millionen Dollar soll in der Provinz Hunan entstehen und die Produktion noch in diesem Jahr aufnehmen.

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