Diese Windkraftanlagen von Nordex drehen sich in einem türkischen Windpark. In der Türkei ist Nordex Marktführer. / Foto: Nordex SE

21.02.17 Aktientipps , Nachhaltige Aktien , Erneuerbare Energie , Meldungen

Windkraftboom in Europa – spricht das für oder gegen die Nordex-Aktie?

Die Windmärkte von China und den USA sind die größten der Welt. Der Windkrafthersteller Nordex ist aber vor allem in Europa aktiv. Wie hat sich dieser Windmarkt in 2016 entwickelt. Welche Perspektiven bietet er Nordex für die Zukunft und was spricht für die ECOreporter-Favorien-Aktie  Nordex? Dieser Frage gehen wir in unserer Kurzserie über Entwicklungen im weltweiten Windkraftmarkt und die Kursaussichten für Wind-Aktien nach.  Lesen Sie  hier  unseren Beitrag über die Entwicklung in China und den USA, in dem wir das Kurspotential von Goldwind und Vestas beleuchtet haben.  

Europa als Ganzes ist ein fast so großer Windmarkt wie China, der weltweiten Nummer 1. Der Großteil der 2016 in Europa insgesamt errichteten 161 Gigawatt (GW) Windkraftleistung wurde aber bereits vor Jahren errichtet. Denn viele europäische Staaten haben die Windkraftförderung gedrosselt. Ein Beispiel dafür ist Spanien, dem mit insgesamt 23 GW immer noch viertgrößten Windmarkt der Welt. Doch seit Ausbruch der Euro-Krise und der Regierungsübernahme durch die Konservativen sind dort kaum noch neue Windparks entstanden.

Nur drei europäische Windmärkte legten laut dem aktuellen Jahresbericht des Weltwindkraftverbandes GWEC in 2016 um mehr als ein GW zu. Dazu gehört die Türkei, die 2016 mit 1,4 GW einen neuen Installationsrekord erreichte und mit insgesamt 6,1 GW nun zu den sechs größten Windmärkten in Europa zählt, fast gleichauf mit Schweden, doch mit deutlichem Abstand zu Italien mit über 9 GW auf Rang 4.

Frankreich legte in 2016 um rund 1,6 GW zu und festigte mit insgesamt 12 GW den dritten Rang nach Spanien. Mit Abstand vorne liegt Deutschland und auch in 2016 übertrafen die deutschen Windkraftinstallationen die der anderen in Europa bei weitem. Die Bundesrepublik steigerte ihre Windkraftleistung im vergangenen Jahr der GWEC zufolge um 5,4 GW auf etwas über 50 GW. Deutschland ist damit weltweit unangefochten die Nummer 3, klar vor Indien mit 28,7 GW und einem Plus von 3,7 GW in 2016, und hinter den USA mit rund 82 GW.

Nordex punktet in den wachstumsstärksten Windmärkten Europas

Von dem starken Windkraftausbau in der Türkei, in Frankreich und in Deutschland profitierte der norddeutsche Windkraftanlagen-Hersteller Nordex. Er wird zwar erst Anfang März vorläufige Zahlen für das Gesamtjahr veröffentlichen und dabei einen Einblick in die Entwicklung einzelner Absatzmärkte geben. Doch nach den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2016 hatte Nordex bereits mitgeteilt, dass das Europa-Geschäft mehr als die Hälfte zum bis dahin erwirtschafteten Umsatzes beigetragen hat.

Nordex verfügt seit Jahren über gute Beziehungen zu Windkraftinvestoren in Frankreich, hat 2016 etliche Bestellungen aus diesem Markt gemeldet. Noch stärker ist das Unternehmen in der Türkei positioniert. Nordex ist dort bereits seit 2007 aktiv, hat seither nach eigenen Angaben in diesem Windmarkt  rund 1,3 GW installiert und ist damit laut dem türkischen Windkraftverband der Marktführer.

Bislang am wichtigsten für Nordex ist aber die traditionell starke Marktstellung in Deutschland. Hier führte die in 2016 beschlossene und seit Jahresanfang 2017 in Kraft getretene Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) dazu, dass 2016 massiv in deutsche Windkraftprojekte investiert wurde. Nordex meldete im Jahresverlauf viele Neubestellungen aus Deutschland. Viele Investoren wollten ihre Projekte rechtzeitig in trockene Tücher bringen, ehe das neue EEG gilt. Denn diese Reform geht mit einer deutlichen Verschlechterung der deutschen Windkraftförderung einher.

Nordex muss sich verstärkt auf Auslandsmärkte ausrichten

Nach Ablauf einer Übergangsfrist für bereits genehmigte Windparks müssen Windkraftinvestoren in Deutschland künftig an Ausschreibungen teilnehmen, in denen die Windstromtarife ermittelt werden. Sie können nicht länger mit festen Einspeisetarifen kalkulieren, wie sie das alte EEG garantiert hat. Zudem werden wohl längst nicht alle Auktionsteilnehmer zum Zug kommen, wie das Beispiel der bereits in 2015 eingeführten deutschen Solarauktionen zeigt.

Folglich muss sich Nordex auf ein sinkendes Investoreninteresse und damit eine verringerte Nachfrage aus dem deutschen Windmarkt einstellen. Aus diesem Grund hat das Unternehmen im Frühjahr 2016 die spanische Acciona Windpower übernommen. Damit erhöhte Nordex nicht nur die Produktionskapazitäten und ermöglicht so eine günstigere Fertigung je Windkraftanlage. Nordex verfügt nun auch über einen beserren Marktzugang in vielen wachstumsträchtigen Schwellenländern. Zum Beispiel in Indien, wo die Regierung die Erneuerbaren Energien massiv ausbauen will und bei der Windkraft ehrgeizige Ziele verfolgt, und in Lateinamerika, wohin Acciona Windpower über den früheren Mutterkonzern Acciona aus Spanien gute Verbindungen unterhält.

Acciona ist seit 2016 der größte Einzelaktionär von Nordex. Überdies hat Nordex mit der Übernahme die Marktpräsenz in den USA ausgebaut, verfügt dort neben den eigenen Produktionsstätten auch über Fabriken und Vertriebsbüros von Acciona Windpower.

Aufgrund dieser Stärkung des Auslandsgeschäfts in aussichtsreichen Windmärkten ist es daher wahrscheinlich, dass Nordex auch bei einem Nachfragerückgang in Deutschland den Wachstumskurs der letzten Jahre fortsetzen wird, wenngleich wohl nicht im gleichen Tempo wie in den Vorjahren. Die Wind-Aktie bleibt daher eine  ECOreporter-Favorien-Aktie (Link entfernt)  im  Topf der aussichtsreichen nachhaltigen Mittelklasse-Aktien (Link entfernt).

Nordex SE: ISIN DE000A0D6554 / WKN A0D655
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