Gamesa und die Windsparte von Siemens sollen nach der Verschmelzung den größten Windkraftkonzern der Welt bilden. Das Bild zeigt die Produktion einer Windturbine von Siemens. / Foto: Unternehmen

20.06.16 Nachhaltige Aktien , Meldungen

Windradhersteller-Fusion: Gamesa-Aktionäre erhalten Sonderzahlung von Siemens

Zur Verschmelzung des Windkraftkonzern Gamesa mit der Windsparte von Siemens wurden weitere Einzelheiten bekannt. So sollen die bisherigen Aktionäre von Gamesa eine Sonderzahlung erhalten. Ein Analyst lobt den Zusammenschluss.

Gamesa und Siemens Wind Power haben bindende Vereinbarungen für eine Verschmelzung unterzeichnet. Wie bereits von ECOreporter.de  berichtet, soll Siemens künftig 59 Prozent am kombinierten Windkraftkonzern halten. Wie nun mitgeteilt wurde, soll diese Übernahme durch die Ausgabe neuer Gamesa-Aktien erfolgen. Die Alt-Aktionäre des Windkraftkonzerns aus dem Baskenland, dessen Name auch das neue Unternehmen tragen soll, erhalten von Siemens nach Abschluss der Fusion eine Barzahlung in Höhe von 3,75 Euro pro Aktie. Die Beteiligung der Alt-Aktionäre verringert sich auf 41 Prozent der Anteile. Die Barzahlung entspricht 26 Prozent des Schlusskurses von Gamesa am 28. Januar 2016 und einer Gesamtsumme von rund einer Milliarde Euro. Danach war bekannt geworden, dass es Gespräche zwischen dem deutschen Technologiekonzern und den Spaniern über einen Zusammenschluss gibt (lesen Sie dazu unseren  Artikel vom 1. Februar).



Einigung mit Arvea über Adwen ebnete den Weg für die Übernahme von Gamesa


Gamesa und Siemens wollen die Transaktion im ersten Quartal 2017 abschließen. Nicht nur müssen die zuständigen Wettbewerbsbehörden dem Zusammenschluss ihren Segen geben. Zudem muss noch das Problem gelöst werden, dass Gamesa ein Gemeinschaftsunternehmen mit der französischen Areva betreibt, dessen Zukunft ungewiss ist. Dieses Gemeinschaftsunternehmen Adwen ist auf Offshore-Windkraft spezialisiert und in Frankreich ansässig, es gehört jeweils zur Hälfte Areva, die Offshore-Windparks projektiert, und Gamesa, die dafür die Anlagen liefern soll. Aber Siemens ist selbst in großem Umfang in der Offshore-Windkraft aktiv. Laut Gamesa haben die Spanier sich nun mit Areva darüber geeinigt, dass die Franzosen aus dem Gemeinschaftsunternehmen aussteigen. Sie haben demnach drei Monate Zeit, um ihren Anteil an Gamesa zu verkaufen oder dem Verkauf von allen Anteilen an Adwen an einen anderen Investor zuzustimmen. Folglich müssen sich Gamesa und Siemens nicht mehr mit Areva darüber verständigen, wie es mit den Offshore-Windparks weitergehen kann, die Adwen umsetzen will.

Die Spanier bleiben für das Geschäft mit Windkraft an Land verantwortlich


Das kombinierte Unternehmen soll Gamesa heißen, seinen Hauptsitz in Spanien haben und an der spanischen Börse notiert bleiben. Von Spanien aus werde es das Onshore-Geschäft lenken, hieß es. Das Geschäft mit Windparks auf See werde von Hamburg aus geleitet sowie von einer Zentrale im dänischen Vejle. Siemens erhofft sich nach eigenen Angaben von der Übernahme Synergien beim operativen Ergebnis (EBIT) von rund 230 Millionen Euro pro Jahr. Gamesa und Siemens Wind Power wiesen zuletzt jeweils eine Gewinnmarge von rund neun Prozent auf.

Es entsteht der größte Windradhersteller der Welt

Nach Einschätzung von Wolfgang Donie, Analyst der Nord LB folgt der Zusammenschluss der Windsparte von Siemens mit Gamesa „einer nachvollziehbaren Logik“. Der so entstehende Windkraftkonzern werde zukünftig „weltweit in allen relevanten Regionen aktiv sein und bietet ein breites Produktportfolio, welches alle Windklassen abdeckt“, so Donie. Das zusammengeführte Unternehmen verfügt nach seinen Berechnungen auf Pro-Forma-Basis (12 Monate bis März 2016) über eine installierte Leistung von 69 Gigawatt (GW) und betreut Windparks mit zusammen 47 GW. Zum Vergleich: Nach Berechnungen des Weltwindkraftverbandes, der World Wind Energy Association (WWEA), wurde 2015 weltweit insgesamt eine Windkraftleistung von zusammen 63,7 GW neu installiert. Deutschland war Ende 2015 der drittgrößte Windmarkt der Welt mit insgesamt 45,2 GW Gesamtleistung.

Der gemeinsame Auftragsbestand von Gamesa und Siemens Wind Power summierte sich laut Donie Ende März auf rund 20 Milliarden Euro. Der gemeinsame Umsatz der zu verschmelzenden Geschäfte erreichte 9,3 Milliarden Euro und das angepasste Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) 839 Millionen Euro. Der Analyst empfiehlt die Siemens-Aktie mit Kursziel 106 Euro zum Kauf. Heute Mittag wird sie im Xetra mit 95,3 Euro gehandelt.

Gamesa Corp. Tecnologica SA: ISIN ES0143416115 / WKN A0B5Z8
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