Das Errichterschiff Innovation ist mit der Installation der Turbinen für Offshore-Windparkprojekte von Windreich beschäftigt. / Quelle: Unternehmen

  Anleihen / AIF, Wachhund

Windreich ist Pleite – Alleinvorstand tritt zurück

Die Windreich GmbH ist insolvent. Erst gestern am Abend wurde bekannt, dass Windkraftprojektierer aus Wolfschungen bei Stuttgart bereits in der vergangenen Woche am Amtsgericht Esslingen einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt hat. Diesem Antrag ist nach Unternehmenangaben inzwischen stattgegeben worden. Holger Blümle von der Kanzlei Schulze & Braun sei vom Gericht zum vorläufigen Sachwalter bestellt worden, heißt es. Mit der Pleite ist zugleich ein Paukenschlag verbunden: Firmengründer und Alleinvorstand Willi Balz zieht sich mit sofortiger Wirkung aus der Unternehmensführung zurück. Werner Heer, der bisher als Berater des Unternehmens agierte, ist bis auf Weiteres alleiniger Geschäftsführer der Windreich GmbH.

Windreich rühmte sich stets damit, als Mittelständler im Konzert von Großkonzernen wie E.on, EnBW und RWE  einer der wichtigsten Offshore-Windkraft–Projektierer Deutschlands und kaum von den Schwierigkeiten des Offshore-Windkraft-Projektgeschäfts betroffen zu sein (mehr dazu lesen Sie hier). Nun hat sich das Unternehmen offenbar an der Finanzierung eines seiner Großprojekte verhoben. Dabei geht es um das 400-Megawatt-Projekt MEG 1, das derzeit 96 Kilometer nördlich der Nordsee-Insel Borkum errichtet wird. Windreich zufolge macht Balz mit seinem Rücktritt den Weg frei, um die Finanzierungsgespräche dieses Projektes zum Abschluss zu bringen. „Mit dem Antrag auf eine Sanierung in Eigenverwaltung sichern wir die Fortführung des operativen Geschäfts, um das MEG I-Projekt zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen“, erklärte der neue Geschäftsführer Heer. MEG 1 sei vornehmlich durch institutionelle Investoren getragen und deshalb von der Windreich-Sanierung nicht direkt betroffen, so Heer. In den kommenden Wochen werde an einem Sanierungskonzept gearbeitet, hieß es.

Insolvenz trifft zahlreiche Kleinanleger
Die Insolvenz dürfte vor allem die zahlreichen Kleinanleger treffen, die über zwei Anleihen 149 Millionen Euro in die Entwicklung von Wundreich-Offshore-Projekten investiert haben. ECOreporter.de hat die beiden jeweils mit 6,5 Prozent fest verzinsten Wertpapiere hierund hierin ECOanlagechecks untersucht und dabei vor den Risiken dieser Beteiligungen gewarnt. Zudem führt ECOreporter.de Windreich in der Wachhundrubrik. Die erste Anleihe im Umfang  von 74 Millionen Euro wäre im März 2015 fällig gewesen, die zweite mit 75 Millionen Euro dann im Juli 2017.

Existenzbedrohende finanzielle Probleme hatte Ex-Vorstand Balz nie einräumen wollen – auch gegenüber ECOreporter. de. Allerdings hatte der Alleinvorstand  selbst in der Vergangenheit mit privatem Kapital ausgeholfen, um die Anleihezinsen zu bedienen. Die Börse Stuttgart hat den Handel mit Windreich-Anleihen „bis auf Weiteres“ ausgesetzt.

Windreich konterte Verbraucherschutz-Kritik an Bürgerbebeteiligung

Vor wenigen Tagen erst hat das Unternehmen die Gründung eine Bürgerbeteiligungsgesellschaft  bekannt gegheben, die sich als Teilhaber am Nordsee-Windparkprojekt Global Tech 1 beteiligen soll.  Aus einer Unternehmensmitteilung geht hervor, dass die Beteiligung den Anlegern „über zehn Prozent“ Rendite bringen soll.  Wie viele Anleger dort wie viel Geld investiert haben, blieb dabei unklar.

Thomas Pfister, Experte der Verbraucherzentrale NRW für nachhaltige Geldanlagen, warnte nun vor dem Investment. „Grundsätzlich ist diese Form der Geldanlage für für Kleinanleger oder Verbraucher mit einer durchschnittlichen Risikoneigung  aufgrund des bestehenden Totalverlustrisikos nicht geeignet“, sagte Pfister dem Handelsblatt online. Kritisch sei auch, dass es keinen Insolvenzschutz gebe und, dass sich die Geldanlage auf ein einzelnes Großprojekt beziehe.  „Gäbe es unter der Gesellschaft mehrere Projekte, könnten Verluste eines Projektes durch ein anderes aufgefangen werden“, so Pfister.

Die Windreich GmbH  hatte auf ihrer Internetseite umgehend mit einer Stellungnahme auf die Kritik der Verbraucherzentrale reagiert.  Darin verweist der Windkraftprojektierer darauf, dass diese sich Bürgerbeteiligungsgesellschaft exklusiv und ausschließlich an die Bürger der Gemeinde Wolfschungen – dem Heimatort der Windreich GmbH – richtet und niemals darüber hinaus angeboten worden ist. Deshalb sei die Warnung nicht nachvollziehbar.
Bildnachweis: Anleger der Bürgerbeteiligungsgesellschaft aus Wolfschungen, die sich an Global Tech 1 von Windreich beteiligen, vor einem Fundament des Projekts. / Quelle: Unternehmen

Mit der Pleite zeigt sich, dass die Warnung zu der Verbraucherzentrale für die Bürgerbeteiligungsgesellschaft zu spät kam. Denn für die Anleger wie auch für die Anleihe-Zeichner gilt: ihre Ansprüche sind gegenüber denen von Banken nachranging. Zu den kreditgebenden Banken zählt unter anderem J. Safra Sarasin aus Basel. Das Bankhaus gewährte Windreich einen 70 Millionen Euro schweren Kredit.

Ermittlungen der Staatsanwaltschaft verzögerten Bilanz-Testat für 2012

Die Windreich GmbH sah sich zuletzt verstärkt mit Kritik und Negativschlagzeilen konfrontiert. Zum einen hat das Unternehmen für das Geschäftsjahr 2012 lediglich vorläufige Zahlen veröffentlicht. Zum anderen ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Windreich wegen des Verdachts der Bilanzfälschung (mehr zum Ermittlungsverfahren erfahren Sie hier undhierfinden Sie einen Bericht zur vorläufigen Bilanz). In einer Stellungnahme gegenüber ihren Anleihezeichnern vom 5. September 2013 erklärte Windreich: „Nachdem wir am 5. März aufgrund von anonymen Anzeigen von der Staatsanwaltschaft aufgesucht wurden, waren wir komplett lahmgelegt. Wir haben mehrere Monate benötigt um alles aufzuarbeiten. Drei statt einem Steuerberater mussten eingesetzt werden. Mit dem Testat rechnen wir in wenigen Tagen. “ Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft wies der Unternehmensgründer  und nunmehr ehemalige Alleinvorstand Willi Balz stets deutlich zurück.

Was Anlageschutzanwälte Anleihe-Gläubigern im Fall einer Insolvenz raten, erfahren Sie in diesem Artikel am Beispiel der Solar Millennium AG.
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