26.08.10 Nachhaltige Aktien , Erneuerbare Energie , Meldungen

Windturbinenbauer in der Flaute – wie Analysten die Marktsituation bewerten



Ob eher kleine Marktakteure wie die deutschen REpower Systems AG und Nordex oder große Hersteller von Windkraftanlagen wie Vestas Wind Systems aus Dänemark und Gamesa aus Spanien: sie alle haben kürzlich schwache Geschäftszahlen veröffentlicht. Parallel dazu haben die Aktien dieser Unternehmen auf Jahressicht mitunter zweistellig an Wert verloren. Die Nordex-Aktie brach in diesem Zeitraum in Frankfurt um knapp 50 Prozent auf rund sieben Euro ein (Stand heute, 11 Uhr). Die Aktie von REpower kratzte zum Jahresbeginn noch an der Marke von 150 Euro und wird nun nur noch bei 100 Euro gehandelt. Gamesa-Aktien haben in den letzten zwölf Monaten zwei Drittel an Wert verloren und kosten in Frankfurt nur noch 5,15 Euro. Vestas verbilligte sich um über 40 Prozent auf 31,4 Euro.

Kein Zeichen für eine echte Trendwende

Dabei bescheinigen aktuelle Studien - unter anderem von der Bank Sarasin - der Windkraft weiterhin sehr großes Wachstumspotenzial. Nach Ansicht Philipp Spitz, geschäftsführender Gesellschafter der Murphy&Spitz Umwelt Consult GmbH aus Bonn, sind nicht allein Konkurrenz- und Preisdruck dafür verantwortlich, dass sich die Ausbau-Prognosen nicht im Potenzial der Aktien von Windradherstellern niederschlagen: „Die Wirtschaft- und Finanzkrise im Jahr 2009 hat die Windkraftanlagenhersteller stark getroffen. Wir wissen, dass die Unternehmen bis 2009 vor allem von hohen Auftragsbeständen gelebt haben“, sagt er. Das unter anderem bei Vestas im 2. Quartal 2010 anziehende Auftragsgeschäft sei noch kein Zeichen für eine echte Trendwende, so der Experte.

Für die beiden Nachhaltigkeitsfonds Murphy & Spitz Umweltfonds Welt und Murphy & Spitz Umweltfonds Deutschland hat der Bonner Finanzdienstleister die Anteile an Gamesa (Weltfonds) und an der REpower Systems AG (Deutschlandfonds) seit kurzem komplett aus dem Portfolio entfernt. „Wir halten die Gerüchte für durchaus realistisch, dass der indische Mutterkonzern Suzlon  REpower-Anteile verkaufen könnte“, so Spitz. Der spanischen Gamesa sei es in den Jahren zwar gelungen ihre Geschäfte mehr und mehr von ihrem Hauptabsatzmarkt Spanien weg zu verlagern. Dennoch werde der verlangsamte Windkraft-Zubau in Spanien im Zuge der Euro-Schuldenkrise und von Tarifanpassungen für Windenergie den Konzern treffen, argumentiert er.

Schwierige Marktlage für Nordex

Nicht zuletzt für kleinere unabhängige Windradhersteller wie die Hamburger Nordex SE ist die Marktlage derzeit eher schwierig. Zu diesem Ergebnis kommen Analysten der WestLB und der UniCredit. Sie stufen das Kurspotenzial der Nordex-Aktie deshalb als „gering“ beziehungsweise „neutral“ ein. „Aus Investorensicht hat Nordex geringeres Wachstumspotenzial als seine gelisteten Wettbewerber, die größer sind oder im Offshore Bereich Produkte anbieten können“, attestiert Katharina Cholewa von der West LB. Entscheidend für weiteres Wachstum ist aus ihrer Sicht, wie Nordex sich in den kommenden fünf Jahren an den Schlüsselmärken USA und Asien behaupten kann. Denn angesichts des weltweiten Ausbaupotenzials der Windkraft, bleibe der Nordex keine andere Wahl, als weiter auf die Schlüsselmärkte diese Märkte zu setzen, so die Expertin.

Das Problem: „Einerseits sichern sich die kapitalstärkeren Großkonzernsparten von Siemens und General Electric (GE) immer mehr Anteile am Weltmarkt. Andererseits werden in Asien einheimische Hersteller den externen tendenziell vorgezogen“, sagt Michael Tappeiner, Equity Analyst der UniCredit Bank.„Die aktuellen Quartalsergebnisse deuten aber auf Überkapazitäten hin“, sagt er. Dies führt seiner Ansicht nach zu Preisdruck am Markt.

Qualität, Flexibilität und Vernetzung als Schlüssel

Cholewa geht davon aus, dass spezialisierte Unternehmen langfristig nur 20 bis 30 Prozent des Marktanteils unter sich aufteilen werden müssen. „Siemens und General Electric verfügen über große Vertriebsnetze. Sie schließen viele langfristige Rahmenverträge ab, oft mit Großkunden“, sagt die Analystin. Die Markt- und Wachstumschancen von Nordex sind ihrer Meinung nach maßgeblich von der Konzernstrategie abhängig. Für Nordex sei es sinnvoll, in den Wachstumsmärkten der Welt auf kleinere Kunden zu setzen, die auf flexible Absprachen und flexiblen Service Wert legten.

Von China aus, wo der Windturbinenbauer seit 2005 über Joint Venture mit der Ningxia Electric Power Group und Ningxia Tianjing Electric Energy Development mit lokalen Produktionsstätten im Markt aktiv sei, könne die Nordex sich so den übrigen asiatisch-pazifischen Markt erschließen. In China habe das Unternehmen den strategischen Vorteil, günstig an hochwertige Komponenten zu kommen, auch wenn der chinesische Markt wegen der Bevorzugung rein chinesischer Anbieter schwierig ist, so Cholewa. Letztlich können alle Windkraftanlagenbauer in dem technisch getriebenen Markt Marktanteile über den Faktor Produktqualität gewinnen.


In den USA steht Nordex vor anderen Herausforderungen. Hier sind es unter anderem der niedrige Gaspreis und die politischen Rahmenbedingungen. „Der US-Windmarkt wird vorerst schrumpfen“ meint Cholewa. Zum einen sei derzeit nicht absehbar, wann der Gaspreis und damit der Strompreis in vielen Regionen in den Vereinigten Staaten wieder steige. Der starke Rückgang des Gaspreises hatte die Attraktivität von US-Windparks enorm verringert. Zum anderen fehle es derzeit ein staatliches Anreiz-System für den Windkraftzubau. Wann und wie konkret dazu komme, sei angesichts der aktuellen politischen Diskussion völlig offen.

Bildhinweis: Windturbinen von Siemens. / Quelle. Unternehmen

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