13.03.13 Anleihen / AIF

„Wir bieten Crowd-Funding-Beteiligungen an realisierten Photovoltaikprojekten an“ – Interview mit Dirk Völker, GreenVesting.com



ECOreporter.de: Über GreenVesting.com werden Anlegern Direktbeteiligungen an Solaranlagen angeboten. Sie nennen Ihr Finanzierungsmodell Crowd-Funding. Wie werden Anleger bei diesem Modell beteiligt?

Dirk Völker: Wir bei GreenVesting.com bieten grundsätzlich Beteiligungen an bereits realisierten Projekten an. Der Investor trägt daher in der Regel kein Bau- und Umsetzungsrisiko, sondern ist an bereits Energie-produzierenden Anlagen beteiligt. Die Einspeisevergütung nach dem Erneuerbare Energieen Gesetz (EEG) ist für das einzelne Projekt dann bereist fixiert. Investoren beteiligen sich mit einem sogenannten partiarischen Darlehen. Die Zinszahlung für das jeweilige Jahr ist bei einem solchen Darlehen an eine erfolgsabhängige Komponente geknüpft. Im Fall der Photovoltaikanlage ist dies die produzierte Energie aufgrund der Sonneneinstrahlung. Investoren beteiligen sich mit Mezzanine-Kapital, also Kapital das nachrangig zum Bankdarlehen aber vorrangig zum Eigenkapital der Gesellschaft ist, am jeweiligen Projekt.

ECOreporter.de: Warum haben Sie diese Form der Geldanlage gewählt?

Völker: Transparenz und Nachhaltig sind uns bei GreenVesting sehr wichtig, und da kommt dann auch die Crowd ins Spiel. Auf der jeweiligen Projektseite findet der Investor alle wichtigen Daten und Dokumente, inklusive Ertragsgutachten und Bestätigung der Einspeisevergütung und auch die Adresse der Anlage. Es kann also jeder hinfahren und sein Investment anfassen. Zusätzlich werden täglich die Erträge der Anlage in unser Portal per Fernüberwachung übertragen. Immer um Mitternacht sieht der Investor also, wie viel seine Anlage verdient hat oder auch wie viel CO2 damit vermieden wurde. Ein erfolgreiches Investment kommt lediglich zustande, wenn die gesamte Summe von der Crowd bereitgestellt wird. Damit wird das Projekt nicht von einem einzigen bewertet, sondern von vielen. Und nur wenn genug Menschen das Projekt für gut befinden, kommt die Investition zustande. Ansonsten bekommen alle ihr Geld zurück, ohne Kosten. Desweiteren kann jeder Fragen und Kommentare auf unserer Homepage posten. Es soll so eine Diskussion stattfinden die sicherlich transparenter ist als ein Verkaufsgespräch in einer Bank.

ECOreporter.de: Gibt es zu Ihrem Geldanlageprodukt einen von der BaFin genehmigten Prospekt?

Völker: Bei unseren Crowd-Funding-Projekten gibt es keinen Prospekt, da dies bei partiarischen Darlehen nicht erforderlich ist. Somit sind auch kleinere Projekte für die Crowd interessant, die ansonsten durch die enormen Fixkosten für eine Prospekterstellung nicht zu realisieren wären. Bei gängigen Solarfonds sind dies bis zu 20 Prozent der gesamten Summe, die für das Aufsetzten der Struktur verlangt werden. An dieser Stelle sei die Frage gestattet, was dem Anleger in Lehman Zertifikaten ein Prospekt und vor allem die BaFin Registrierung der Lehman Bank im Jahr 2008 genutzt hat?!

ECOreporter.de: Die GreenVesting GmbH & Co. KG plant baut und betreibt Solaranlagen. Gleichzeitig betreiben Sie die Plattform über die Anleger sich beteiligen. Heißt das, dass Sie Investoren für die Anlagen suchen, die sie selbst umsetzen? Bedeutet das nicht einen Interessenkonflikt?

Völker: Nein, ein Interessenkonflikt besteht nicht. Im Gegenteil, von der Crowd kommt lediglich nachrangiges Fremdkapital (nach den Banken) in das Projekt. Das noch benötigte Eigenkapital wird von GreenVesting gestellt. Damit sind wir immer noch an der Anlage beteiligt und erleiden stets als erste einen Verlust, falls eine Anlage keine Rendite abwirft. Wir haben damit dieselben Interessen wie der Anleger; dass die Anlage den bestmöglichen Ertrag erbringt. Damit unterscheiden wir uns von den anderen Plattformen, die lediglich vermitteln. GreenVesting baut physisch selbst keine Anlagen. Im letzten Jahr haben wir zwei Anlagen durch externe Firmen in unserem Auftrag bauen lassen. In der Regel kaufen wir allerdings schlüsselfertige Anlagen von unseren Partnern.

ECOreporter.de: Die GreenVesting GmbH & Co. KG vergleicht Ihre Tätigkeit mit der eines Hausverwalters. Was heißt das konkret und wer sind die tatsächlichen Darlehensnehmer?

Völker: Für unsere Investoren übernehmen wir ähnlich wie ein Hausverwalter die gesamten Tätigkeiten rund um die Photovoltaik-Anlage. Dazu gehört in erster Linie das tägliche Monitoring der Anlage über ein eigenes Wechselrichter unabhängiges Überwachungssystem. Bei Ausfällen werden durch GreenVesting umgehend lokale Firmen beauftragt um Störungen zu beheben und so die größtmögliche Leistungsfähigkeit der Anlage zu gewährleisten. Wir sind Ansprechpartner für den jeweiligen Energieversorger, den Verpächter des Daches beziehungsweise des Grundstückes und selbstverständlich für den Investor. Zu unseren Investoren gehören institutionelle Anleger, Privatpersonen mit eigenen Photovoltaikanlagen sowie die Crowd-Investoren. Für letztere übernehmen wir neben der technischen auch die kaufmännische Betriebsführung der einzelnen Zweckgesellschaften, denen die Anlagen gehören.

ECOreporter.de: Wer sucht die Investitionsobjekte wie aus und wie ist GreenVesting dabei involviert?

Völker: Die Planung bezieht sich unsererseits vor allem auf das Aussuchen und Bewerten der Projekte, die Gründung und Ausgestaltung der Betreibergesellschaft sowie die Finanzierung der Anlagen. Alle in Betracht kommenden Anlagen werden von uns wirtschaftlich und technisch überprüft. Die Wirtschaftlichkeitsberechnung erfolgt anhand eigener standardisierter Modelle und für die technische Überprüfung ist unser Ingenieur Klaus Bauer zuständig. Er errichtet seit 14 Jahren Photovoltaikanlagen und ist ein ausgewiesener Spezialist auf diesem Gebiet. Nur wenn dies positiv ausfällt und wir auch guten Gewissens unser eigenes Geld investieren, wird das Projekt für die Crowd freigegeben.

ECOreporter.de: Die Renditen, die Sie den Crowd-Investoren in Aussicht stellen, hängen zu 100 Prozent vom Stromertrag der Anlagen und dem damit erzielten Umsatz ab. Wann erfährt ein Anleger, wie hoch eine Ausschüttung ausfällt?

Völker: Der Investor kann bei GreenVesting.com täglich die Performance seiner Anlagen über das Portal verfolgen. Am Jahresende steht dann endgültig fest, wie hoch die Zinszahlung der Anleger für das abgelaufene Jahr ist.

ECOreporter.de: Die Laufzeit des partiarischen Darlehens beziffern Sie auf fünf bis zehn Jahre. Die Mindestanlagesumme auf 250 Euro. Wie lang ist die Mindestlaufzeit eines Darlehens und mit wie viel Rendite, kann ein Anleger in dieser Zeit rechnen wenn er 250 Euro anlegt?

Völker: Das kommt auf das jeweilige Projekt an. Beim aktuellen Crowd Projekt Usedom bieten wir lediglich eine zehnjährige Laufzeit an. Dabei sind die Zinszahlungen gestaffelt: Zu Beginn werden geringere Zinsen gezahlt, da am Anfang der Laufzeit die Rate für das Bankdarlehen höher ist. Mit fortschreitender Laufzeit und Tilgung verringert sich das Bankdarlehen und somit die darauf zu zahlenden Zinsen. Daraus resultieren sukzessive höhere Zinszahlungen für die Investoren. Beim aktuellen Projekt führt dies bei Erreichung der Prognosewerte zu einer Rendite von 6,2 Prozent pro Jahr. über die Gesamtlaufzeit von zehn Jahren.

ECOreporter.de: Bis das Geld Ihrer Anleger tatsächlich investiert wird, wird es auf einem Treuhandkonto des Online-Finanzdienstes Secupay AG „geparkt“. Zu welchen Konditionen geschieht dies?

Völker: Lediglich das Geld aus den Vorkasse-Überweisungen wird auf dem Treuhandkonto „geparkt“, Lastschriften werden erst nach erfolgreichem Funding eingezogen und direkt investiert. Eine Verzinsung für die Zeit zwischen Überweisung und Funding-Ende erfolgt aktuell nicht. Beim derzeitigen Zinsumfeld handelt es sich dabei aber auch um aus unserer Sicht vernachlässigbare Beträge, da jeder Investor maximal bis zur Obergrenze von 10.000 Euro investieren kann und zwischen Beginn und Ende der Fundphase lediglich 60 Tage liegen. Bei einem aktuellen Zinssatz von 0,2 Prozent für Tagesgeld und unter der Annahme von 60 Tagen auf dem Konto von Secupay sowie der maximalen Investitionssumme von 10.000 Euro sind das circa drei Euro.

ECOreporter.de: Wie viel Prozent von den erzielten Erträgen sind für die Ausschüttungen an Anleger verplant und wie viel verbleibt bei GreenVesting?

Völker: Jede Photovoltaikanlage befindet sich in einer eigenen Zweckgesellschaft. Mit dieser Gesellschaft schließt der Investor ein partiarisches Darlehen ab und nicht mit GreenVesting. Die Zinsen sind so berechnet, dass sich von den Erträgen der Anlage die Zinsen und Tilgung des Bankdarlehens sowie die Kosten der Betriebsführung decken lassen. Mit Überschüssen wird vor allem eine Kapitalreserve aufgebaut, um das Darlehen an die Crowd nach der Laufzeit zurückzuzahlen. So ist zum Beispiel bei unserem Crowd-Funding-Solarprojekt auf Usedom der erwarte Umsatz aus Stromerträgen bei rund 63.000 Euro pro Jahr. Die Kosten für Versicherung, Steuerberater, Tilgung, Bankzinsen liegen bei etwa 48.000 Euro pro Jahr. Die Zinsen für die Crowd liegen bei 9.000 Euro pro Jahr. Die restlichen 6000 Euro dienen dem Aufbau der Kapitalreserve. Mit weiteren Überschüssen wird das Eigenkapital welches von GreenVesting kommt abgegolten. Damit verdient GreenVesting lediglich dann, wenn die Anlage gut funktioniert.

ECOreporter.de: Die Ansprüche private Darlehensgeber sind denen von Banken immer nachrangig. Inwiefern setzen die Projektgesellschaften generell auf Bankdarlehen als Fremdkapital und ab welcher Projektrealisierungsphase wird auf das Geld der Anleger zurückgegriffen?

Völker: Es wäre beim aktuell niedrigen Zinssatz wirtschaftlich nicht sinnvoll auf Fremdkapital von Banken zu verzichten. Daher werden wir bei jedem Projekt versuchen, etwa 70 bis 75 Prozent mit Bankdarlehen zu finanzieren. Da es sich um bestehende Anlagen handelt, wird beides parallel verlaufen. Das heißt, die Finanzierung der Bank und das Geld der Investoren werden prinzipiell gleichzeitig in Anspruch genommen.

ECOreporter.de: Inwiefern werden die Anlagen versichert, um Ertragsausfällen vorzubeugen?

Völker: Selbstverständlich sind alle Anlagen gegen Ertragsausfall, Diebstahl, Vandalismus, Feuer und so weiter versichert. Ohne eine solche Versicherung würde keine Bank eine Solaranlage finanzieren.

ECOreporter.de: Die Einspeisevergütung für Solarstrom wurde zum Jahresbeginn drastisch gesenkt fällt durch die im EEG festgeschriebene Degression umso niedriger aus, je später eine Solaranlage ans Stromnetz angeschlossen wird. Inwiefern lohnt es sich für Anleger da noch, in Ihr Beteiligungsmodell zu investieren?

Völker: Die Anleger investieren in bereits bestehende Solaranlagen in rechtlich selbständigen Gesellschaften. Die Einspeisevergütungen der Anlagen sind über 20 Jahre gemäß EEG gesichert. Die Darlehen werden mit den einzelnen Gesellschaften geschlossen, nicht mit GreenVesting.com. Wir werden selbstverständlich jedes einzelne Projekt auf seine Wirtschaftlichkeit prüfen und nur solche auswählen, die unseren Renditeansprüchen entsprechen und bei denen die Wirtschaftlichkeit über die gesamte Laufzeit gewährleistet ist.

ECOreporter.de: GreenVesting,com ist eine neu gestartete Plattform. Welche Erfahrungen bringen Sie als Solarprojektierer und welche als Initiator von Geldanlagen mit?

Völker: GreenVesting Solutions ist als Plattformbetreiber von GreenVesting.com ein neues Unternehmen in einem neuen Markt. Unter den Plattformen zur Beteiligungen an regenerativen Energieerzeugungsanlagen sind wir mit eines der ersten, wenn nicht sogar das erste Unternehmen mit echte Beteiligungsmöglichkeiten. Die GreenVesting GmbH & Co. KG ist bereits seit fünf Jahren aktiv und betreut rund 30 Solaranlagen über das gesamte Bundesgebiet mir einer Gesamtleistung von rund 15 Megawatt. Klaus Bauer, einer der Geschäftsführer und Gründer von GreenVesting, baut bereits seit circa 14 Jahren Photovoltaikanlagen mit seiner eigenen Firma und ist ein Pionier auf diesem Markt. Die beiden anderen Geschäftsführer sind Peter Walburg und ich. Wir beide haben zusammen mehr als 30 Jahre Erfahrung im Asset Management einer großen deutschen Fondsgesellschaft und sind mit dem Aufsetzen unterschiedlicher Kapitalstrukturen und Finanzierungen bestens bekannt.

ECOreporter.de: Herr Völker, wir danken Ihnen für das Gespräch.
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