Dr. Michael Walewski ist 45 Jahre alt und verheiratet. Bei German Pellets ist Walewski Manager für Marketing und Finanzkommunikation. / Foto: Unternehmen

07.10.15 Anleihen / AIF

„Wir bilanzieren neu eingeworbenes Genussrechtskapital als Eigenkapital“ – Dr. Michael Walewski, German Pellets GmbH

8,0 Prozent Zinsen jährlich bietet die German Pellets GmbH den Anlegern einer neuen Tranche Genussrechte. Warum die Pelletspezialistin aus Wismar in der Niedrigzinsphase so ein Angebot macht, wie das Genussrechtskapital eingesetzt werden soll und inwiefern die Produktion von German Pellets ökologisch nachhaltig ist, das erklärt Dr. Michael Walewski im ECOreporter.de–Interview. Außerdem spricht der Manager für Marketing und Finanzkommunikation über Wachstumsziele des Unternehmens und darüber, welche Märkte German Pellets dafür ins Auge gefasst hat.
German Pellets ist Aussteller der Messe Grünes Geld Köln am 21. November im Gürzenich. Bei freiem Eintritt bietet die Messe einen umfassenden Überblick über aktuelle Trends und Entwicklungen am Markt für nachhaltige Kapitalanlagen. Neulinge wie Finanzprofis können sich unkompliziert und in angenehmer Atmosphäre direkt bei den Anbietern über die neusten Angebote informieren (mehr dazu erfahren Sie  hier).


ECOreporter.de: Warum haben Sie die neue Tranche Genussrechte aufgelegt?

Dr. Michael Walewski:  German Pellets bietet seit 2010 Genussrechte an. Hintergrund der nun realisierten neuen Tranche ist in erster Linie eine Aktualisierung an die derzeit geltenden Marktgegebenheiten. Der neue Prospekt und die Berücksichtigung der Vorgaben des Kleinanlegerschutzgesetzes zeigen, dass wir uns diesen Forderungen stellen. Das schafft Vertrauen bei Anlegern und Interessenten.  German Pellets hat ein nachhaltiges Interesse daran, seriöse und marktkonforme Kapitalmarktprodukte anzubieten. Da ist es erforderlich, Produkte entsprechend anzupassen.
 

ECOreporter.de: Wie viel Kapital wollen Sie damit einwerben und wofür soll dieses Geld verwendet werden?

Walewski:  Das neue Genussrecht ist zunächst auf 10 Millionen Euro mit einer Erhöhungsoption auf 15 Millionen. Euro ausgelegt. Das eingeworbene Kapital wird als Eigenkapital bilanziert, investiert wird in ein nachhaltig gesundes Wachstum. Das schließt beispielsweise den Aufbau weiterer  Produktionskapazitäten und Akquisitionen mit ein. Zudem wollen wir angrenzende Wertschöpfungsstufen erschließen und Marktanteile in weiteren europäischen Verbrauchermärkten gewinnen.


ECOreporter.de: Bei 3.000 Euro bieten sie 8,0 Prozent pro Jahr auf das angelegte Kapital. Wie kalkulieren Sie, um diese Zinsen bedienen zu können?

Walewski:  German Pellets hat seit 2010 jährlich immer den vollständigen Zinssatz ausgezahlt. Auch künftig ist es unser Ziel, 8 Prozent Zinsen zu zahlen. Wir können hier aber keine Garantie geben, weil der Zinssatz ergebnisabhängig ist. Vor dem Hintergrund, dass German Pellets bisher immer Gewinne erwirtschaftet hat, Weltmarktführer im Bereich Pellets ist und der Pelletmarkt seit Jahren ein dynamischer Wachstumsmarkt ist, sind wir optimistisch, dass Anleger auch künftig attraktive Zinsen von uns erhalten werden.


ECOreporter.de:  Wovon genau ist abhängig, ob Anleger acht Prozent bekommen oder weniger? Wann würde die Zinsausschüttung ganz ausfallen?

Walewski:  Die Verzinsung der Genussrechte ist dadurch begrenzt, dass sie nicht dazu führen darf, dass das Eigenkapital der Emittentin unter den Gesamtbetrag des Stammkapitals der Emittentin fiele. Dabei werden gesetzliche und gesellschaftsvertragliche Rücklagen (soweit vorhanden) zuzüglich zum Eigenkapital berücksichtigt, ebenso wie sonstige zu dem jeweiligen Zeitpunkt bestehender Eigenkapitalbestandteile, die gegen Ausschüttungen besonders geschützt sind. Sollten die Zinsen nicht oder nicht komplett ausgezahlt werden, besteht aber eine sogenannte Nachzahlungspflicht für die Emittentin. Dies alles ist in den Genussrechtsbedingungen nachzulesen.


ECOreporter.de: Die Zinsen sind seit Jahren im Keller. Ein Ende der Niedrigzinsphase ist nicht wirklich abzusehen. Warum bieten Sie Anlegern derart hohe Zinsen an? Wären Kredite beispielsweise bei Banken derzeit nicht viel günstiger zu haben?

Walewski:
  Wir bilanzieren das eigeworbene Kapital als Eigenkapital. Das macht die Genussrechte so wertvoll für uns. Die Ratinganforderungen verlangen immer höhere Eigenkapitalquoten, um auch gute Ratingnoten zu erhalten. Dies gilt für Bankenratings und den Kapitalmarkt. Genussrechte sind Nachrangkapital und damit auch mit einem theoretisch höheren Ausfallrisiko als andere Kapitalmarktprodukte verbunden. Das schlägt sich auch in einem höheren Zins nieder. 8,0 Prozent sind für Eigenkapital aber durchaus marktüblich und fallen in anderen Fällen teilweise sogar höher aus.   


ECOreporter.de: Laut der jüngsten Halbjahresbilanz von German Pellets liegt die Eigenkapitalquote unter 20 Prozent. Inwiefern stellt das ein Risiko für Genussrechte-Anleger dar?

Walewski:
  Die German Pellets-Gruppe konnte in den vergangenen Jahren trotz Umsetzung ihrer Wachstumsstrategie ihre Eigenkapitalquote stetig steigern. Zuletzt stieg diese von 14,8 Prozent zum 31. Dezember 2014 auf 15,6 Prozent zum Ende des ersten Halbjahres 2015. Dazu beigetragen hat, dass wir die Materialaufwandsquote aufgrund steigender Produktionsmengen in den USA senken konnten. Gleichzeitig zahlt sich der Ausbau des Vertriebs aus. Auch unsere Genussrechte haben neben der Gewinnthesaurierung zur Verbesserung der Eigenkapitalquote beigetragen. Um unsere Kapitalstruktur weiter zu optimieren, setzen wir mit unserem neuen Genussrecht auch künftig auf diese etablierte Form der Kapitalanlage als einen Baustein in unserem Finanzierungsmix.


ECOreporter.de: German Pellets produziert und vertreibt Holzpellets und Holzhackschnitzel. Inwiefern sind ihre Produkte ökologisch nachhaltig? Wie wird das kontrolliert?

Walewski:  Für die Herstellung unserer Holzpellets verwenden wir ausschließlich Rohstoffe aus nachhaltiger Forst- und Holzwirtschaft. Um dies zu unterstreichen, hat sich German Pellets an einigen Produktionsstandorten nach PEFC Chain of Custody zertifizieren lassen. PEFC ist eines der weltweit größten Waldzertifizierungssysteme. Bei der Auswahl unserer Rohstoffe legen wir großen Wert darauf, dass unsere Lieferanten nach gängigen Zertifizierungssystemen zertifiziert sind. Eine Risikobewertung soll darüber hinaus sicherstellen, dass die ökologischen, aber auch ökonomische und soziale Aspekte bei der Holzernte berücksichtigt werden. Wir erwarten von unseren Lieferanten, dass das Holz aus Wäldern stammt, die entsprechend den Nachhaltigkeitsgrundsätzen von PEFC, FSC oder vergleichbaren Systemen bewirtschaftet werden, und auch Ernte und Abtransport entsprechend erfolgen. German Pellets akzeptiert keinen Rohstoff aus besonders geschützten Wäldern und Reservaten. Ein schonender Umgang mit Ressourcen sichert auch die Zukunftsfähigkeit unseres Unternehmens.

Bild: Hackschnitzel sind der Rohstoff mit dem German Pellets unter anderem in den USA produziert. / Foto: Unternehmen



ECOreporter.de: German Pellets setzt stark auf Expansion. Wo sehen Sie derzeit das größte Marktpotenzial dazu? Gibt es konkrete Expansionsziele?

Walewski:
   Die Art und Weise, wie die Verbraucher gegenwärtig noch Energie erzeugen und nutzen, ist nicht nachhaltig. Auf der UN-Klimakonferenz im Dezember 2015 in Paris soll nun endlich ein neues globales Klimaabkommen verabschiedet werden. Ziel ist eine klimaneutrale Weltwirtschaft mindestens in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts. Holzpellets werden einen Beitrag dazu leisten. Unser Ziel ist die Ablösung fossiler Energien im Wärmemarkt und im Strommarkt.
Insbesondere in Europa wächst der Pelletmarkt dynamisch. Kernmärkte sind Frankreich, Italien, Großbritannien, Deutschland, Österreich, Dänemark und Schweden. Aber auch in Osteuropa ist ein weiterer Nachfrageanstieg zu erwarten. Wesentliche Märkte - mit weiterem Expansionspotenzial - sehen wir aktuell auch in Nordamerika und Asien. Deutsche Produzenten können international mit einer hohen Produktqualität punkten.

ECOreporter.de: Danke für das Gespräch, Herr Dr. Walewski.
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