12.04.11 Fonds / ETF

„Wir führen zahlreiche Nachhaltigkeitsgespräche mit Unternehmen“, Interview zum Volksbank Gütersloh NachhaltigkeitsInvest


ECOreporter.de: Der Volksbank Gütersloh NachhaltigkeitsInvest ist ein nachhaltiger Mischfonds. Welche Anlagestrategie verfolgen Sie mit dem Fonds?

Christian Umbach:
Die dem Volksbank Gütersloh NachhaltigkeitsInvest anvertrauten Gelder werden nach strengen nachhaltigen – also: ökologischen, sozial-ethischen und ökonomischen – Kriterien angelegt. Aktuell investieren wir global in Aktien, Anleihen und halten Liquidität. In der Anlageklasse Anleihen investiert er sowohl in Staats- als auch Banken- und Unternehmensanleihen. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, in Immobilien zu investieren.



ECOreporter.de: Auf welchen Assetklassen und Regionen liegen die Anlageschwerpunkte und warum haben Sie diese gewählt? Inwiefern orientiert der Fonds sich an einer Benchmark?

Umbach: Der aktuelle Schwerpunkt liegt auf Aktien. Denn Aktien sollten von der derzeitigen konjunkturellen Entwicklung am meisten profitieren. Die Rentenseite ist zurzeit nur moderat gewichtet und mit einer kurzen durchschnittlichen Restlaufzeit aufgestellt. Das Zinsumfeld ist noch recht niedrig. Hier liegt die Priorität auf der Vermeidung von Kursrückgängen durch Zinsanstiege. Eine Benchmark haben wir uns nicht gesetzt. Es ist nicht unser Ziel, Jahr für Jahr einen bestimmten „Markt zu schlagen“. Dieser Horizont ist uns viel zu kurz. Wir legen den Fokus auf langfristige Entwicklungen. Dieser ökonomische Ansatz steht im Einklang mit der ökologischen und sozial-ethischen Mittelverwendung. Die vollständige Flexibilität der Gewichtung jeder Assetklasse unseres Nachhaltigkeitsfonds ermöglicht eine präzise Anpassung an jede Kapitalmarktsituation.


ECOreporter.de: Wie ist ökologische und wie soziale Nachhaltigkeit für den Fonds konkret definiert? Wie funktioniert die Titelwahl? Welche Einschluss- und Ausschlusskriterien gelten für den Fonds?

Ingo Speich: Die ökologische beziehungsweise soziale Nachhaltigkeit des Fonds wird unter anderem über die Ausschlusskriterien definiert. Beispielsweise werden Unternehmen, die Rüstungsgüter produzieren oder Glücksspiel anbieten, grundsätzlich ausgeschlossen. Bei den Länderinvestitionen wird unter anderem darauf geachtet, dass die Staaten die Menschenrechte wahren. Die Einhaltung dieser Kriterien findet einerseits durch ein internes, im Portfoliomanagement integriertes Nachhaltigkeitsteam statt. Andererseits werden die Unternehmen durch ein Multi-Faktor-Rating bewertet und klassifiziert. Sofern sich ein bereits im Fonds befindliches Unternehmen negativ verändert, erfolgt zwischen Union Investment und dem Unternehmen ein konstruktiver Unternehmensdialog. Im Rahmen dieses Best-in-Class-Ansatzes werden jedes Jahr über 250 Nachhaltigkeitsgespräche und 2.000 allgemeine Unternehmensgespräche geführt. Ein reger Austausch mit Unternehmen ist Kern der Anlagepolitik unserer Nachhaltigkeitsfonds. Zudem sprechen wir auch auf Hauptversammlungen kritische nachhaltige Aspekte an. Sollte sich ein Unternehmen trotzdem im Bereich der Nachhaltigkeit verschlechtern und die vorgeschlagenen Anregungen nicht umgesetzten, wird die Aktie verkauft.

Bildnachweis: Ingo Seich ist 34 Jahre alt. Der Bankkaufmann und Finanzanalyst ist Fondsmanager Union Investment Privatfonds GmbH und als solcher u.a. Manager des Volksbank Gütersloh NachhaltigkeitsInvest. / Quelle: Unternehmen.

ECOreporter.de: Welche fünf Firmen sind warum am stärksten im Portfolio vertreten?

Speich: Siemens, IBM, Total, SAP und Rio Tinto stellen derzeit die größten Einzelpositionen im Fonds dar. Aus Portfoliokonstruktionsaspekten sowie unter Berücksichtigung der Markteinschätzung erfolgt die Auswahl der im Fonds gehaltenen Werte.


ECOreporter.de: Total ist ein Ölkonzern, Rio Tinto ein Bergbau-Unternehmen, das unter anderem Uran fördert. Inwiefern erachten Sie diese Unternehmen für Ihren Fonds für investierbar?

Speich: Total gehört zu den nachhaltigsten Werten im Öl-Sektor. In der Summe kann das Unternehmen durch eine strenge Umweltpolitik und sehr hohe Transparenz gegenüber Investoren überzeugen. Kritisch sind beispielsweise die Tiefseebohrungen vor der afrikanischen Küste zu sehen. Rio Tinto gehört zu den nachhaltigsten Werten im Bergbausektor. Sehr hohe Sozial- und Sicherheitsstandards können überzeugen. Die Umweltstandards sind im Vergleich zum Sektor weit entwickelt. Negativ schlägt insbesondere die Uranproduktion zu Buche.


ECOreporter.de: Der Fonds investiert laut Factsheet zu großen Teilen unter anderem in Spanien, Portugal und Italien. Welcher Art sind diese Investments (Aktien, Anleihen oder Rentenpapiere)? Inwiefern stellt die teils prekäre Finanzlage dieser Staaten ein zusätzliches Risiko für den Fonds dar?

Umbach: Der Volksbank Gütersloh NachhaltigkeitsInvest ist zu 6,3 Prozent (Stand 28.2. 2011) in Staatsanleihen dieser drei Länder investiert. Hinzu kommen noch eine spanische Unternehmensanleihe im Umfang von 1,1 Prozent und Aktien mit einer Gewichtung von 4,2 Prozent. Die Staatsanleihen weisen eine Fälligkeitsstruktur zwischen Juni 2011 und April 2013 auf. Mit Verweis auf den politischen Willen der EU und der verabschiedeten Rettungsmaßnahmen – insbesondere bis zum 30. Juni 2013 – gehen wir unverändert von einer vollständigen Bedienung dieser Anleihen aus. Aus der Brille der Nachhaltigkeit spricht nichts gegen die Positionen. Es handelt sich um demokratische Länder, in denen Religionsfreiheit herrscht und die Menschenrechte geachtet werden. Des Weiteren fallen die am Brutto-Inlandsprodukt (BIP) gemessenen Rüstungsausgaben relativ gering aus. Bei den Investitionen in Unternehmen – über Aktien oder Anleihen – haben wir darauf geachtet, dass deren Märkte sich über die eigene Heimat hinaus erstrecken. Die Finanzmärkte preisen eine Sippenhaft ein, die einen Kauf jedoch nicht grundsätzlich ausschließt.


ECOreporter.de: Wie viel Anlagevermögen verwaltet der Volksbank Gütersloh NachhaltigkeitsInvest aktuell? Wie gestaltete sich die Wertentwicklung seit der Erstauflage des Fonds (Was hat zu dieser Entwicklung geführt)?

Umbach:
Per 28. Februar 2011 wurden uns 31,6 Millionen Euro anvertraut. Der Volksbank Gütersloh NachhaltigkeitsInvest wird von unseren Kunden mit Interesse nachgefragt, so dass wir seit Auflegung zum 1. Dezember 2009 stets Nettozuflüsse verzeichnen können. Seitdem hat der Fonds eine Wertentwicklung von rund sieben Prozent erzielt.
Der ordentliche Start wurde vom Verlassen der Talsohle der Finanz- und Weltwirtschaftskrise und der damit einhergehenden wieder deutlich positiveren Konjunkturentwicklung begleitet. Werttreiber waren dabei eindeutig die Aktienmärkte. Mit Anleihen wurde weniger Geld verdient. Das rezessionsbedingt tiefe Zinsniveau rechnet sich für einen Investmentfonds einfach nicht. Folglich haben wir im ersten Jahr die Aktienquote nach und nach aufgebaut.


ECOreporter.de: Wann und warum haben Sie sich dazu entschlossen, einen Nachhaltigkeitsfonds aufzulegen und inwiefern planen Sie weitere Nachhaltigkeitsfonds auf den Markt zu bringen?

Umbach:
Der Volksbank Gütersloh NachhaltigkeitsInvest ist Bestandteil des „grünen“ Geschäftsfeldes unserer Volksbank Gütersloh eG. Für uns gehören dazu regionale, ökologische Projekte in Kooperation mit den Stadtwerken Gütersloh. Hier wurde der Sparbrief „GrünAnlage“ platziert. Diese Gelder werden zinsgünstig zur Investition in regenerative Energiequellen an die Stadtwerke verliehen. Unsere Kunden leisten mit dieser Geldanlage und durch einen kleinen Zinsverzicht einen Beitrag für saubere Luft in ihrer Heimat. Für alle Kunden und Mitglieder, die sich nicht nur regional sondern weltweit unter Einbeziehung der Chancen an den Finanzmärkten sinnvoll mit ihrem Geld engagieren möchten, haben wir den Volksbank Gütersloh NachhaltigkeitsInvest ins Leben gerufen.


ECOreporter.de: Für welchen Typ Anleger ist der Fonds ausgelegt - eher institutionelle oder private Anleger? Welche Gebühren werden erhoben?

Umbach:
Der Volksbank Gütersloh NachhaltigkeitsInvest ist sowohl für private als auch institutionelle Investoren geeignet. Um die Chancen an den Finanzmärkten wahrnehmen zu können, sollte die Bereitschaft bestehen, mögliche erhöhte Schwankungen in Kauf zu nehmen. Der Ausgabeaufschlag liegt bei 4 Prozent. Für die laufende Verwaltungsvergütung fallen lediglich 1 Prozent jährlich an.

ECOreporter.de: Herzlichen Dank für das Gespräch!
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