Ein Großteil der Produktion für den Windkraftweltmarkt lässt der Hamburger Hersteller Nordex SE in Rostock fertigen. Im Bild: ein Einblick in Produktionsabläufe. / Quelle: Unternehmen

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„Wir glauben fest an den deutschen Windkraftmarkt“ – Felix Losada, Nordex SE

Das neue EEG tritt in wenigen Tagen in Kraft. Außerdem hat die Bundesregierung angekündigt, die feste Einspeisevergütung in absehbarer Zeit abschaffen. Für den Hamburger Windradhersteller hatte Deutschland bisher sowohl als Produktionsstandort als auch als Absatzmarkt eine zentrale Bedeutung.  Im ECOreporter.de-Interview erklärt Unternehmenssprecher Felix Losada, wie Nordex auf die Neuregelung reagiert. Außerdem spricht er über das Marktpotenzial von Nordex in Europa.  


ECOreporter.de: Wie  wirkt sich die die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) in Deutschland auf Ihr Unternehmen aus? Wird Ihr Geschäft damit schwieriger oder einfacher?

Felix Losada:  Die Bundesregierung hat einen Ausbaudeckel von 2.400 bis 2.600 Megawatt (MW) netto pro Jahr definiert. Diese Begrenzung gilt nicht für das Repowering. Werden also alte durch neue Anlagen ersetzt, erhöht sich das zulässige Volumen über die 2.600 MW hinaus. Dieser Ausbaudeckel von circa 2.500 MW pro Jahr wurde in den vergangenen 13 Jahren nur zwei Mal überschritten. Daher glauben wir fest an den deutschen Markt. Die Rahmenbedingungen sind hier weiterhin gut und die Planungssicherheit ist vergleichsweise hoch. Durch Vorzieheffekte – ausgelöst durch die EEG-Novelle – aber auch durch unsere neuen Produkte ist uns im vergangenen und im laufenden Jahr ein starkes Wachstum im Heimatmarkt gelungen. Trotz angepasster Tarife erleben wir ein weiterhin spürbares Interesse auf Kundenseite. Treiber dafür ist unsere hocheffiziente Technologie der IEC3-Klasse, die N117/2400 und die N131/3000-Anlagen. Mit ihnen punkten unsere Kunden an windschwachen Standorten heute und in Zukunft. Wir sind mit diesen großen Turbinen einer der Marktführer. Daher trifft uns die Vergütungskürzung weniger als andere Marktteilnehmer. Das gleiche gilt für das Repowering, das von dem Ausbaudeckel ausdrücklich ausgenommen ist und in den nächsten Jahren anziehen wird. Der Wille zur Modernisierung bestehender Kraftwerkparks ist zudem sehr stark, auch hier bieten wir zahlreiche Produkte in unserem Service an.

Bild:  Felix Losada, Sprecher der Nordex SE. / Foto: Unternehmen


ECOreporter.de: Die Bundesregierung will die feste Einspeisevergütung in Zukunft komplett abschaffen. Welche Vor- und Nachteile sehen Sie in dieser Abkehr von der klassischen Einspeisevergütung?


Losada:
  Bei der Reform ist ein Wechsel von der Direktvermarktung hin zu einem Ausschreibungssystem angedacht. Heute liegt noch kein klares Konzept vor. Die Debatte um Ausschreibungsmodelle hat erst begonnen. Die Windbranche engagiert sich hier stark, um ein für die Branche marktgängiges, wirtschaftlich darstellbares Modell mit zu erarbeiten.

ECOreporter.de: Bleibt Deutschland als Produktionsstandort für Ihr Unternehmen mittel- und langfristig attraktiv?

Losada:
  An unserem Standort in Rostock in Mecklenburg-Vorpommern produzieren wir alle Turbinen der Generation Gamma und Generation Delta für den gesamten Weltmarkt. Nicht zuletzt ist auch „Made in Germany“ ein bedeutendes Qualitätssiegel. Wir haben nicht vor, unsere Produktionskapazitäten in anderen Ländern auszubauen. In der Hansestadt jedoch, in der wir heute über 1.300 Mitarbeiter beschäftigen, planen wir noch dieses Jahr weitere Investitionen, um die Fertigungskapazitäten unserer Rotorblattproduktion zu erweitern.


ECOreporter.de: Welche Rolle spielt Deutschland als Absatzmarkt in der mittel- und langfristigen Strategie von Nordex?


Losada:
  Der deutsche Absatzmarkt bleibt weiterhin ein bedeutender Markt für Nordex. Die Rahmenbedingungen sind weiterhin gut und die Planungssicherheit ist vergleichsweise hoch.


ECOreporer.de:  Auch in anderen Ländern Europas sind die Rahmenbedingungen für Erneuerbare Energien teils drastisch verändert worden. Wie beeinflusst dies die Unternehmensstrategie von Nordex?

Losada:   Neben der Fokussierung auf das reine Onshore-Geschäft verfolgt Nordex seit zwei Jahren einen selektiven Marktansatz. Dabei gelingt uns der Markteintritt in neue Regionen gut, so beispielsweise in Uruguay oder in Südafrika mit beachtlichen Marktanteilen. Aber auch zusätzliche technische Optionen für unsere Turbinen, wie zum Beispiel das Anti-Icing-System zur Verhinderung von Eisbildung an den Rotorblättern, haben uns den Zugang in zahlreiche skandinavische Länder erleichtert. Durch diese Diversifizierung, die schnelle Produktentwicklung immer effizienterer Turbinen und den raschen Marktzugang in vielversprechende, neue Regionen können wir auf etwaige Änderungen in etablierten Märkten gut reagieren. 

ECOreporter.de: Herzlichen Dank für das Gespräch, Herr Losada.

Bild: Errichtung eines Nordex-Windrads in Deutschland. / Quelle: Unternehmen

Nordex SE: ISIN DE000A0D6554 / WKN A0D655
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