15.09.09 Nachhaltige Aktien , Meldungen

"Wir haben sehr daran gearbeitet, unser Unternehmen nachhaltig zu machen." - ECOreporter.de-Interview mit Ignacio Campino, Deutsche Telekom AG




ECOreporter.de: Dr. Campino, dass die Telekom in nennenswertem Umfang Energie verbraucht, vermutet man nicht auf Anhieb. Schließlich sind es ja die Handys und Computer, die Energie verbrauchen, und die bedienen die Nutzer. Wie viel Energie verbraucht der Telekom-Konzern, was sind die hauptsächlichen Verbraucher?

Ignacio Campino: Der größte Verbraucher bei der Deutschen Telekom ist das Telekommunikationsnetz selbst. Auch wenn der Kunde es nicht sieht: wir haben über die ganze Republik ein feines Netz zur Versorgung unserer Kunden ausgelegt und das verbraucht Strom. Im Jahr 2008 hatten wir einen Gesamtstromverbrauch in Deutschland von knapp 3.000 Gigawatt-Stunden (GWh), weltweit von knapp 6.000 GWh.

ECOreporter.de: Woher beziehen Sie die Energie?

Campino: Den die EEG-Mengen im deutschen Strommix übersteigenden Anteil an unserem Strombedarf in Deutschland beziehen wir aus Wasserkraft- und Windkraftanlagen. Wir stellen sicher, dass es so ist, in dem wir Zertifikate kaufen und diese stilllegen. Die benötigte Menge wird von TÜV Süd bescheinigt. Damit ist es uns gelungen, in Deutschland die CO2-Emissionen von Stromverbrauch zu entkoppeln.

ECOreporter.de: Wie entwickelt sich der Energieverbrauch in den letzten fünf Jahren?

Campino: Der Stromverbrauch in den letzten fünf Jahren - abgesehen von Schwankungen durch Zukäufe - ist relativ stabil geblieben, obwohl der Verkehr auf unserem Telekommunikationsnetz gestiegen ist. Dies liegt vor allem in der Einführung der schnellen Dienste. Wir konnten den Stromverbrauch stabil halten, weil wir zahlreiche Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz durchgeführt haben.

ECOreporter.de: Wie entwickelt sich der Energieverbrauch, der nichts mit dem Thema Strom zu tun hat?

Campino: Hier geht es vor allem um den Treibstoffverbrauch der Flotte. Er ist in den letzten Jahren - abgesehen von Zukäufen - gesunken. Dies ist die Folge von Routenoptimierungen und Einkauf von effizienteren Fahrzeugen.
ECOreporter.de: Was unternimmt die Telekom im Bereich Energie/Klimaschutz?
Campino: Wir fahren verschiedene Programme zur Steigerung der Energieeffizienz sowohl beim Netz als auch bei der Flotte. So konnten wir den Stromverbrauch im Netz stabil halten und der Verbrauch der Flotte senken.
Wir erproben auch in unserem Betrieb den Einsatz von den so genannten alternativen Energien und Technologien in Pilotprojekten. So haben wir mehrere Brennstoffzellen in stationären und mobilen Betrieb, Photovoltaik- und Windkraftanlagen und sogar eine geothermische Anlage befindet sich in der Planung. Wir wollen diese Technologien erproben und so für eine Zukunft der dezentralen Stromversorgung vorbereitet zu sein.
Aber wahrscheinlich das Wichtigste sind unsere Produkte, Dienste und Lösungen, die unseren Kunden in die Lage versetzen, ihren eigenen Energieverbrauch effizienter zu gestalten und so die CO2-Emissionen zu senken. In der Studie SMART 2020 wurde festgestellt, dass im Jahre 2020 weltweit etwa 15% der CO2-Emissionen mit Hilfe der ICT (information and communication technology) eingespart werden können. Bis dahin wird sich der CO2-Ausstoss der IKT in etwa verdoppeln. Aber das Einsparungspotential an CO2-Emissionen mittels IKT-zentrierter Lösungen liegt beim Fünffachen der Emissionen unserer Industrie. Diese Einsparungspotentiale stellen ein Geschäftvolumen von rund  600 Mrd. Euro dar.

ECOreporter.de: Wie sehen Sie sich im Vergleich zum Wettbewerb?

Campino: Ich denke, dass in unserer Industrie überall große Anstrengungen unternommen werden, um die Energieeffizienz zu steigern und die CO2-Emissionen zu senken. An dieser Stelle möchte ich anführen, dass die Studie SMART 2020 das Ergebnis von gemeinsamen Anstrengungen der IKT-Industrie gewesen ist. Die Auftraggeberin war die Global eSustainability Initiative (GeSI). Zu dieser Initiative gehören 28 Unternehmen aus unserer Branche, sowohl Dienstanbieter als auch Lieferanten. Darüber hinaus gehören zu GeSI die UNEP (Umweltprogramm der Vereinten Nationen), die ITU (Telekommunikationsorganisation der Vereinten Nationen), das Carbon Disclosure Project und WWF. Wichtig bei SMART 2020 ist auch, dass dort ein Geschäftspotential von über 600 Mrd. Euro erkannt wurde. Diese Studie wird zurzeit auf Deutschland "heruntergebrochen". Ich kann jetzt nur sagen, dass die Potentiale in Deutschland sogar größer sind als in der globalen Studie angegeben. Die auf Deutschland bezogene Studie wird in Dezember dieses Jahres vorgestellt.

ECOreporter.de: Wo ist das Thema Klimaschutz bei organisatorisch angegliedert und wie weit durchdringt es den Konzern bei den Mitarbeitern, gibt es Schulungen, Ideenwettbewerbe etc.?

Campino: Die energiebezogenen Themen sind eingebetet in unseren Corporate Responsibility Aktivitäten und dieser Bereich ist beim Vorstandvorsitzenden angesiedelt.
Beim Vorschlagwesen werden häufig Verbesserungsvorschläge zur Steigerung der Energieeffizienz eingereicht und vielfach auch umgesetzt. Auch Schulungen zur Ressourceneffizienz werden angeboten und durchgeführt. Wir führen Ökofahrtrainings für unsere Techniker im Außendienst durch und seit kurzem haben wir eine Online-Schulung zum Thema Nachhaltigkeit verfügbar für alle Mitarbeiter eingeführt.

ECOreporter.de: Wie nehmen Investoren Ihre Aktivitäten im Bereich Klimaschutz wahr?

Campino: Unsere Investoren - und ganz besonders die aus dem Bereich SRI - verfolgen unsere Aktivitäten mit großem Interesse. Sie begrüßen unsere Aktivitäten zur Entwicklung und Vermarktung von Produkten, Diensten und Lösungen, die besonders die Energieeffizienz unserer Kunden steigert. Denn hier wird ein neuer Markt gesehen.

ECOreporter.de: Ist Klimaschutz für die Telekom ein teurer Umweltschutzfaktor oder auch ein ökonomisches, strategisches Thema, beispielsweise beim
Risikomanagment, bei Kosteneinsparungen etwa bei Energiekosten?


Campino: Klimaschutz ist bei der Deutschen Telekom wichtig aus verschiedenen Gründen. Zunächst geht es um Kostensenkung bzw. die Kosten für Energie nicht steigen zu lassen. Es geht aber auch um die Vermarktung von Produkten, Diensten und Lösungen, die zur Steigerung der Energieeffizienz unserer Kunden beitrage. Also es geht auch ums Geschäft. Die schon angesprochenen Studie SMART 2020 hat die Potentiale unserer Industrie als Befähiger fast aller Branchen aufgezeichnet.
Die zur Zeit in der Presse laufende Kommunikationsinitiative Nachhaltigkeit (www.millionen-fangen-an.de) der Deutschen Telekom zeigt, wie unsere Kunden mit Hilfe unserer Produkte, Dienste und Lösungen ihren eigenen Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit in der Gesellschaft und auch zum Klimaschutz leisten können. Einem Thema, dem sich der Konzern seit mehr als zehn Jahren verpflichtet fühlt, in dem ich persönlich seit mehr als zehn Jahren für den Konzern arbeite. Wir haben sehr lange und sehr ernsthaft daran gearbeitet, unser Unternehmen nachhaltig zu machen. Wir denken, dass die Zeit gekommen ist und dass die Kunden bereit sind, dieses Angebot zu verstehen und anzunehmen. Das zeigen wir mit unserer Kampagne deutlich der Öffentlichkeit.

ECOreporter.de: Wie steht es mit dem Emissionsrechtehandel? Inwieweit gibt es hier eine Betroffenheit, auch in Zukunft?

Campino: Bisher bleiben wir außerhalb des Systems und so wird es wahrscheinlich eine Weile bleiben. Wir sind der Ansicht, dass große Energieverbraucher - wie wir nun mal sind - in Zukunft in das System einbezogen werden sollten. Damit würden größere Anreize für Einsparungen und für die Entwicklung neuer Lösungen, die die Energieeffizienz der Gesellschaft steigern könnten.

ECOreporter.de: Herr Campino, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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