Der Schweizer Roland Hotz ist Fondsmanager des Fisch CB Sustainable Fund. / Foto: Fisch Asset Management

12.01.16 Fonds / ETF

„Wir halten Europa gegenüber den USA für die attraktivere Anlageregion.“ - Interview mit Fondsmanager Roland Hotz, Fisch Asset Management

Mit einem Plus von rund drei Prozent gehört der Fisch CB Sustainable Fund zu den nachhaltigen Rentenfonds mit der besten Wertentwicklung in 2015. Dieser Fonds investiert ausschließlich in Wandelanleihen. Was solche Wertpapiere auszeichnet, auf welche Nachhaltigkeitsstrategie und auf welche Anlageschwerpunkte der Fonds setzt, welche Sektoren bzw. Regionen er gegenwärtig als besonders aussichtsreich einstuft, bei welchen dagegen Vorsicht geboten ist, all dies erläutert Fondsmanager Roland Hotz im ECOreporter-Interview.

ECOreporter.de: Welche nachhaltigen Fonds bieten Sie an, seit wann und warum?

Roland Hotz:  Wir bieten den Fisch CB Sustainable Fund seit Mai 2009 an – CB steht für Convertible Bonds (engl.: Wandelanleihen). Es ist der einzige Fonds von Fisch Asset Management, der nach explizit nachhaltigen Kriterien investiert. Die Einführung war ein Anliegen unseres Hauses, um Investoren die Möglichkeit zu geben, an der interessanten Anlageklasse Wandelanleihen zu partizipieren und dem wachsenden Wunsch der Berücksichtigung nachhaltiger Kriterien nachzukommen.

ECOreporter.de: Was unterscheidet den Fisch CB Sustainable Fund von anderen nachhaltigen Rentenfonds?

Hotz:  Es ist sicherlich die Tatsache, dass es ein Wandelanleihenfonds ist und sich dieser nicht wie die meisten Rentenfonds auf Unternehmens- und/oder Staatsanleihen fokussiert. Ziel des Managements ist es, möglichst immer zu 100 Prozent in globalen Wandelanleihen investiert zu sein. Es dürften aber auch Unternehmensanleihen beigemischt werden.

ECOreporter.de: Wie würden Sie einem Laien erklären, wie Wandelanleihen funktionieren?

Hotz:  Wandelanleihen sind festverzinsliche Anleihen mit einer bestimmten Laufzeit. Darin sind sie Unternehmensanleihen gleich. Der Unterschied ist das Wandlungsrecht innerhalb der Laufzeit in eine bestimmte Anzahl von Aktien des gleichen Unternehmens. Diese Option führt dazu, dass der Kurs einer Wandelanleihe andere Einflussfaktoren hat als eine 'normale' Unternehmensanleihe und damit das komplexere Anlageinstrument ist. Haupteinflussfaktor auf den Wandelanleihenkurs ist die Aktienkursentwicklung der unterlegten Aktie. Als Faustregel gilt: die Wandelanleihe partizipiert an einem Aktienaufschwung zu rund zwei Dritteln, während sie bei Aktienverlusten nur etwa ein Drittel Kursrückschlag verbucht. Für Investoren ist das Risiko-Rendite-Profil der Wandelanleihen mit dieser 'Airbag-Funktion' entsprechend attraktiv. Der Vorteil von Wandelanleihen gegenüber Anleihen ist die höhere Kursgewinnchance bei steigenden Aktienmärkten. Der Vorteil gegenüber Aktien ist das geringere Kursverlustrisiko.

ECOreporter.de: Was macht den Fisch CB Sustainable Fund zu einem nachhaltigen Investment, inwiefern greifen Ausschlusskriterien?

Hotz:  Wir haben uns für den  "Best-in-class"-Ansatz (Link entfernt)  entschieden, um die nachhaltigsten Unternehmen einer Branche in die engere Wahl für das Portfolio zu ziehen. Es gibt zudem Ausschlusskriterien: völlig tabu sind beispielsweise Produzenten von Tabakprodukten und pornographischem Material. Auch von Unternehmen, die Kernkraftwerke besitzen oder betreiben (Versorger) und von Unternehmen, die spezifische Schlüsselprodukte oder -services an die Nuklearindustrie liefern (Zulieferer), sehen wir ab. In diesem Fall wird eine Umsatzschwelle von fünf Prozent angewendet.

ECOreporter.de: Inwiefern gehen der Titelauswahl Nachhaltigkeitsanalysen voraus? Wer führt sie durch und in welchen zeitlichen Abständen?

Hotz:  Die Nachhaltigkeitsanalyse ist der erste Schritt in unserer gesamten Analyse und wird von der Bank J. Safra Sarasin durchgeführt. Die Analysen erfolgen hierbei regelmäßig. Wir erhalten monatliche Updates und selbstverständlich jederzeit aktuelle Informationen bei wichtigen Änderungen in der nachhaltigen Betrachtung von Unternehmen.

Bildhinweis: Der Sitz der Bank J. Safra Sarasin in Basel. / Foto: Unternehmen

ECOreporter.de: Treten Sie mit den Wertpapieremittenten in Kontakt, um sie zu mehr Nachhaltigkeit anzuregen (Stichwort ‚Engagement‘)?

Hotz:  Diesen Austausch überlassen wir unserem Nachhaltigkeitsresearch-Experten Bank J. Safra Sarasin.

ECOreporter.de: Laut dem Halbjahresbericht von Mitte 2015 enthält der Fisch CB Sustainable Fund Wertpapiere einer Bank aus den arabischen Emiraten (Nbaduh). Was macht diese zu einem nachhaltigen Investment?

Hotz:  Dabei handelt es sich um die National Bank of Abu Dhabi, die wir aktuell nicht mehr im Portfolio haben. Generell verfügt der Financial Sektor über relativ gute Nachhaltigkeitsratings, so dass wir hier immer wieder interessante Wandelanleihen finden und ins Portfolio nehmen.

ECOreporter.de: Welche einzelne Sektoren oder Regionen stuft das Fondsmanagement des Fisch CB Sustainable Fund gegenwärtig als besonders attraktiv für seine Investitionen ein und aus welchen Gründen?

Hotz:  Unsere Makroanalysen sehen momentan für Wandelanleihen-Investments positive Aussichten in Europa und Japan aufgrund der weiterhin geöffneten Liquiditätsschleusen. Unterdurchschnittlich gewichten wir derzeit die USA, da wir auch weiterhin mit einem starken Dollar rechnen. Asien ist ebenfalls leicht untergewichtet. Dort sehen wir allerdings Verbesserungspotenzial. Die Sektoren betreffend sind aktuell Software, Telekom und Konsum unter anderem zu favorisieren, während bei Rohstoffen und Energie Vorsicht geboten ist.

ECOreporter.de: Laut dem Halbjahresbericht von Mitte 2015 ist der Fisch CB Sustainable Fund auch in Wertpapiere von Abengoa investiert. Inwiefern wirkt sich deren Insolvenzantrag auf den Fonds aus?

Hotz:  Wir hatten bei Abengoa die Emission mitgemacht und unser Frühwarnsystem führte Ende Juli zu einem rechtzeitigen Verkauf. Sowohl unser Kreditanalyse-Spezialist I-CV (Independent Credit View in Zürich) als auch unser internes Aktienmarktresearch meldeten entsprechende Signale, die zum Verkauf führten.

Bildhinweis: Solarthermisches Kraftwerk von Abengoa. / Foto: Unternehmen

ECOreporter.de: Wie bewertet das Fondsmanagement des Fisch CB Sustainable Fund die aktuelle Zins-Situation in Europa? Wie reagieren Sie auf die Zinsumkehr in den USA?

Hotz:  In Europa sehen wir Potenzial, um den Zins tief zu halten. Auch erwarten wir, zumindest im ersten Halbjahr 2016, weiter eine hohe Liquiditätsversorgung durch die EZB. Daher halten wir relativ betrachtet Europa für die attraktivere Anlageregion gegenüber den USA. Dort ist der starke Dollar problematisch, da wirtschaftliche Nachteile die Folge sind. Weniger problematisch dürfte die Zinsentwicklung sein, wenn sie denn wie erwartet sehr moderat weitergeht beziehungsweise wenn sie denn überhaupt weitergeht. Ein Vorteil der Wandelanleihen ist die geringere Zinssensitivität, so dass eventuelle Zinserhöhungen unser Portfolio weniger berühren als andere Rentenportfolios.

ECOreporter.de: Herr Hotz, wir danken Ihnen für das Gespräch.
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