Holzproduktion der Precious Woods Holding AG in Gabun. / Quelle: Unternehmen

28.12.12 Nachhaltige Aktien , Meldungen , Anleihen / AIF

„Wir müssen mit den institutionellen und rechtlichen Unsicherheiten in Tropenholzländern umgehen“ - Professor Dr. Ernst A. Brugger, Precious Woods AG

Über die Kapitalmaßnahmen, die die Liquidität von Precious Woods sichern sollen, haben wir bereits berichtet (mehr dazu lesen Sie Opens external link in new windowhier).
ECOreporter.de: Holz wird immer knapper. Deshalb rechnen Marktteilnehmer mit durchschnittlichen Preissteigerungen von zwei Prozent. Die Precious Woods Holding AG musste seit 2009 immer wieder schwere Verluste verbuchen. Wieso konnte die Precious Woods Holding AG in den vergangenen Jahren nicht von steigenden Holzpreisen profitieren?

Professor Dr. Ernst A. Brugger: Die Marktpreise von Holzprodukten sind volatil und stehen ganz besonders im für Precious Woods wichtigen Absatzmarkt Europa in direkter Abhängigkeit zur Baukonjunktur.
Seit Mitte des Jahres 2008 weist die Baukonjunktur in Europa einen rückläufigen Trend auf und hat sich auch im Jahr 2011 und 2012 nicht fühlbar belebt. Der im Welthandel hohe Anteil an Tropenholz aus illegalen und nicht nachhaltigen Quellen ist ein erhebliches Hindernis, Tropenholz zu den erforderlichen Preisen im Markt zu platzieren. Die Ernte und Produktion von Forstprodukten ist über viele Jahre – parallel zur steigenden Nachfrage – gewachsen und nur in wenigen Jahren hat die Nachfrage das Angebot tatsächlich überstiegen, hierzu zählen insbesondere die Jahre 2006 und 2007. Auch Währungskursveränderungen und steigende Kosten besonders in den Produktionsländern Gabun und Brasilien hatten in den vergangenen Jahren einen negativen Einfluss auf die Margenentwicklung. Precious Woods ist überzeugt, dass die veränderten Rahmenbedingungen im Handel mit illegalem Tropenholz in Europa in den kommenden Jahren einen positiven Einfluss haben und Preissteigerungen möglich machen werden.
Die Verluste haben nicht zuletzt in Brasilien sehr stark mit grossen strukturellen und rechtlichen Problemen aus der Vergangenheit zu tun, die wir konsequent bereinigen. Auch dies aber verursacht entsprechende Kosten.

ECOreporter.de: Die Precious Woods AG hat unter anderem über Kapitalmaßnahmen gegengesteuert. Dabei handelte es sich meist um ordentliche Kapitalerhöhungen und Wandelschuldverschreibungen, also Angebote an Investoren. Inwiefern ist es für die Precious Woods AG problematisch, Bankkredite zu bekommen?

Brugger:
Auf Holding-Ebene sind wir heute frei von Bankschulden. Einige Banken waren in der Vergangenheit weniger verlässliche Partner als diejenigen Investoren, welche uns Wandeldarlehen gewährt haben. Diese Investoren sind langfristig an Precious Woods interessiert und sind auch bereit, die schwierigen Zeiten gemeinsam mit uns durchzustehen. Es gelingt uns jedoch durchaus auch Bankkredite zu erhalten. Der Produktionsstandort Gabun finanziert sich zum Beispiel immer wieder durch lokale Bankkredite.

Bildnachweis: Professor Dr. Ernst A. Brugger ist Präsident des Verwaltungsrats des auf Tropenholz spezialisierten Forstwirtschaftsunternehmens Preciuos Woods Holding AG aus Zug in der Schweiz. Schon bevor der habilitierte Wirtschaftsgeograf diese Position einnahm, war er Unternehmensberater und selbst Unternehmer. / Quelle: Unternehmen


ECOreporter.de: Welche konkreten Folgen hätte es gehabt, wenn die Aktionäre dem aktuellen Kapitalmaßnahmenpaket nicht zugestimmt hätten, wäre die Precious Woods AG dann in die Insolvenz gegangen?

Brugger: Die Aktionäre haben den Massnahmen zugestimmt. Hätten sie es nicht getan, hätte es alternative Szenarien gegeben, die jedoch für die Aktionäre negative Auswirkungen gehabt hätten. Die überwältigende Mehrheit der Aktionäre ist unserem Antrag daher gefolgt.

ECOreporter.de: In Brasilien hat ein Rechtsstreit um Landtitel (= Landbesitzrechte Anm. d. Red.) die Geschäfte von Precious Woods finanziell schwer belastet. In Gabun ein zwischenzeitliches Holzausfuhrverbot. Wo ist die Precious Woods AG aktuell noch aktiv und inwiefern sind solche Risiken für aktuelle und künftige Geschäfte ausgeschlossen?

Brugger: Die Preciois Woods Holding AG ist nach wie vor voll aktiv in Brasilien und Gabun und mit der Vermarkungsfirma für brasilianisches Holz in Holland. Das Holzausfuhrverbot in Gabun wird fortan immer gelten, da für fast alle Länder eine höhere Wertschöpfung im eigenen Lande angepeilt wird. Die Einführung des Verbots war allerdings in Geschwindigkeit und Härte recht einmalig – und für den Forstbereich im Lande letztlich kurzfristig schädlich. In Ländern mit tropischen Urwäldern bestehen institutionelle und rechtliche Unsicherheiten, die zwar schrittweise kleiner werden, aber mit denen wir als Firma umzugehen haben. Wir haben deshalb unser Risikomanagement wesentlich verstärkt und agieren wesentlich präventiver als früher. Dennoch können Überraschungen – wie im 2012 – durchaus auch in Zukunft passieren.

ECOreporter.de: Was prägte 2012 den Cash-Flow von Precious Woods und wie stark ist Precious Woods von der wirtschaftlichen Entwicklung der Schwellenländer abhängig, in denen Sie aktiv sind?

Brugger: Der Cash-Flow war im 2012 wesentlich geprägt durch die Logistikkrise in Gabun, welche uns einen hohen einstelligen Millionenbetrag an Cashflow gekostet hat. Auch die Konjunkturkrise in Holland hat uns mehrere Millionen Cashflow gekostet, da wir unser Lager nicht plangemäß abbauen konnten. Ohne diese beiden Faktoren hätten wir jetzt auch keine Kapitalerhöhungen beantragen müssen.
Wir sind von den Schwellenländern in dem Maße abhängig, als dass wir auf gut funktionierende Infrastruktur und politische Institutionen angewiesen sind. Wirtschaftlich sind wir vor allem aber auch von der wirtschaftlichen Entwicklung in unseren Absatzmärkten Europa, Asien und den USA angewiesen.

ECOreporter.de: Precious Woods hat seit 2011 immer wieder mit rückläufiger Nachfrage zu kämpfen. Mit welcher Strategie begegnen Sie dieser und auf welchen Märkten sehen Sie für Precious Woods in nächster Zukunft Wachstumspotenzial? 

Brugger: Zielsetzung ist es, die Abhängigkeit vom Absatzmarkt Europa weiter zu reduzieren. Der asiatische Kontinent gewinnt als Absatzmarkt für Precious Woods erheblich an Bedeutung, ganz besonders China, Vietnam, Indonesien, Malaysia und Indien, da in diesen Ländern auch die Binnennachfrage kontinuierlich zunimmt. Aber auch Nord-Amerika oder die Länder des Mittleren Osten zeigen einen positiven Nachfragetrend, den Precious Woods nutzen wird. Seit Beginn 2012 bearbeitet Precious Woods diese Märkte über große Importeure und mit Agenturen, die in den Märkten gut eingeführt sind. Erste nachhaltige Erfolge werden nun sichtbar – und der Absatz in den genannten Märkten wird in den kommenden Jahren erheblich wachsen.

ECOreporter.de: Sie setzen bei der Forstwirtschaft auf das FSC-Siegel. Ein Siegel zu erhalten und zu behalten ist teuer und aufwendig. Inwiefern ist es aus Ihrer Sicht denkbar, an dieser Stelle zu sparen und auf ein Nachhaltigkeitssigel zu verzichten?

Brugger: FSC ist das weltweit führende Zertifikat für Qualitätsansprüche in der Wald- und Holzwirtschaft. Und es ist gerade für Tropenwälder besonders wichtig. Es drückt nachweisbar aus, dass ein Unternehmen sorgfältig, mit guter Planung und hoher Managementqualität eine sanfte und nachhaltige Wald- und Holzwirtschaft betreibt. Precious Woods ist kürzlich sowohl in Brasilien als auch in Gabon umfassend zertifiziert worden. Wir sind stolz darauf.

ECOreporter.de: Was spricht derzeit dafür, Aktien der Precious Woods AG zu kaufen?


Brugger: Ohne eine Kaufempfehlung abgeben zu dürfen scheint mir der Vergleich zwischen Börsenwert und Buchwert für sich zu sprechen. Außerdem ist aufgrund des nun fast dreijährigen Turnarounds davon auszugehen, dass sich die operativen Fortschritte auch in Zahlen ausdrücken werden.

ECOreporter.de: Herzlichen Dank für das Gespräch, Herr Brugger.

Precious Woods Holding AG: ISIN CH0013283368 / WKN 982280
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