Der Hauptsitz der GLS Bank befindet sich in Bochum. / Quelle: Unternehmen

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„Wir planen einen neuen Biobodenfonds und weitere Windkraft-Direktbeteiligungen“ – Christof Lützel, GLS Bank

Die EU will Europas Bankensystem krisensicherer machen. Wie stehen Nachhaltigkeitsbanken wie die GLS Bank aus Bochum zu den aktuellen Plänen? Wie steht es nach der Bundestagswahl um die Energiewende in Deutschland? Und wie können sich Privatanleger über die GLS Bank direkt am Ausbau der Erneuerbaren Energien beteiligen? Diese und weitere Fragen beantwortet Banksprecher Christof Lützel im Interview.

Die GLS Bank aus Bochum zählt zu den dienstältesten und bekanntesten Nachhaltigkeitsbanken Deutschlands. Sie ist Aussteller und Sponsor der Messe Grünes Geld Stuttgart am 12 Oktober. Bei freiem Eintritt bietet die Veranstaltung im Haus der Wirtschaft Neueinsteigern wie Finanzprofis einen Überblick über aktuelle Trends, Entwicklungen und Angebote am Markt für nachhaltige Geldanlagen im Deutschsprachigen Raum. Abgerundet wird die Messe durch ein umfangreiches Vortragsprgramm rund um „grüne“ Investments, eine prominent besetzte Podiumsdiskussion zur Energiewende und ein Kinderprogramm für kleine Besucher ab 5 Jahre. Näheres erfahren Sie hier.

ECOreporter.de: Das Europaparlament hat den Weg für eine EU-Bankenaufsicht unter dem Dach der Europäischen Zentralbank frei gemacht. Wie ist dieser Schritt zu bewerten und was braucht eine neue EU-Bankenaufsicht um wirksam gegen zukünftige Abstürze im Bankensektor zu arbeiten?

Christof Lützel: Traditionell war das Kerngeschäft der Banken die Finanzierung der sogenannten Realwirtschaft. Sie sollte stets Diener der Menschen sein, und die Banken sind ein zentraler Teil davon. Diese Grundlagen scheinen jetzt nicht mehr zu gelten. Insofern müsste eine EU-Bankenaufsicht eine „Kulturrevolution“ der Banken unterstützen, wenn es schon eine Zentralisierung der Aufsicht gibt. Im magischen Entscheidungsdreieck zwischen Laufzeit, Risiko und Rendite ist bei vergleichbarer Laufzeit und Risiko die Rendite das entscheidende Kriterium. In dieser Entscheidungsmatrix finden Werte wie soziale, ökologische oder ethische Fragestellungen keinen Eingang. Das zu ändern müsste eine zentrale Aufgabe einer Bankenaufsicht sein. Staatliche Regulierungen der Finanzmärkte allein bringen die notwendige Kulturrevolution jedenfalls nicht voran.

Bildnachweis: Christof Lützel ist 49 Jahre alt, verheiratet und Vater  eines Kindes. Bei der GLS Bank in Bochum ist der Bankbetriebswirt, Prokurist und  Politikwissenschaftler Leiter Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher. / Quelle: Unternehmen

ECOreporter.de: Bei den Diskussionen über die Reformen des europäischen Bankensektors ist auch eine Bankenunion im Gespräch. Was ist davon zu halten?

Lützel:
Die genaue Ausgestaltung einer Bankenunion ist ja momentan noch offen. Wie diese aussehen wird kann ich nicht abschätzen, ich denke, dass kann zur Zeit niemand. Wichtig scheint mir jedenfalls zu sein, dass diese Bankenunion – wie auch immer sie aussehen wird – nicht so gestaltet sein wird, dass die Steuerzahler für Verwerfungen haften. In der Folge der Ereignisse nach 2008 hat die Allgemeinheit schon genug Lasten getragen.

ECOreporter.de: Wäre eine Bankenunion ein richtiger Schritt um Europas Bankensystem krisensicherer zu machen?


Lützel:
Grundsätzlich bedeutet „Bankenunion“ eine enorme Bündelung an Ressourcen und Kompetenzen in Europa. Im Hinblick auf die Auswüchse an den internationalen Finanzmärkten und die dadurch oft sehr kurzfristig notwendig gewordenen staatlichen Eingriffe ist dieser Wunsch zunächst nachvollziehbar. Es ist aus meiner Sicht allerdings offen, ob durch eine solche Bündelung die Handlungsfähigkeit gegenüber den Märkten zurückgewonnen werden kann.  Wird beispielsweise die Verfügungsmacht über die regional von genossenschaftlichen Verbünden aufgebauten Einlagensicherungen zentralisiert, führt dies zu einer Destabilisierung langfristig bewährter Strukturen! Wenn also Gliederungen von Kompetenzen grundsätzlich sinnvoll sind, beispielsweise eine Bankenaufsicht auf der einen Seite und die Entscheidung über öffentliche Zuschüsse für Bankensanierungen auf der anderen Seite, so sollte doch beachtet werden, was über Jahrzehnte regional wie global an Vielfalt dezentraler, mittelständischer Bankinstitute entstanden ist, die realwirtschaftlich und sozial-ökologisch leistungsfähig sind. Wichtig sind auch entsprechende Verbundstrukturen, Sicherungssysteme sowie Bankverbundunternehmen. Nicht die Einheitlichkeit sondern die Vielfalt an Geschäftsmodellen, Strukturen, Rechtsformen und Sicherungssystemen wird die Stabilität wieder herstellen.

ECOreporter.de: Was würde eine Bankenunion für Nachhaltigkeitsbanken der Größenordnung der GLS Bank bedeuten?

Lützel: Diese können wir sicherlich gelassen abwarten. Wir sind in der Vergangenheit immer wieder von neuen Entwicklungen konfrontiert worden – und haben sie alle gemeistert!

ECOreporter.de: Der Bedarf nach mehr Ethik und sozial-ökologischem Bewusstsein bei Geldanlagen und Banken wächst. Wie nimmt die GLS Bank solche Strömungen war und inwiefern beeinflusst dies die inhaltliche Weiterentwicklung der Bank?

Lützel: Wir als GLS Bank beobachten seit Jahren, dass die Menschen im Bereich Geldanlagen nach Alternativen suchen. Dies freut uns sehr und zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Und zwar seit knapp 40 Jahren. Für Deutschland hat eine aktuelle ZEB-Studie ergeben, dass rund 15 Millionen Menschen sich vorstellen könnten, ihr Geld in alternative Geldformen zu investieren. Mehr als drei Millionen Menschen  würden die Bank laut dieser Studie sogar sofort wechseln, wenn sie denn wüssten, dass es nachhaltige Banken wie die GLS Bank gibt.

ECOreporter.de: Selbst die US-amerikanische Kerngruppe der Occupy-Bewegung ist im Begriff eine alternative Bank zu gründen. Wie steht die GLS Bank zu dieser Initiative?

Lützel: Die Occupy-Bewegung  haben wir von Anfang an unterstützt bis hin zu ganz praktischen Hilfestellungen. Während des Frankfurter Zeltlagers von Occupy im Herbst und Winter 2011/2012, gegenüber der GLS Bank Filiale Frankfurt, haben wir den Demonstranten die GLS Bank-Duschen kostenlos zur Verfügung gestellt. Was sogar rasch von den Medien aufgegriffen wurde und im Netz bekannt wurde unter dem Motto „Dusche frei für Occupy“. Die ganze Aktion war  - vor ernstem Hintergrund natürlich– ziemlich witzig!

ECOreporter.de: Ein wichtiges „deutsches“ Thema, bei dem die GLS Bank aktiv ist, ist die Energiewende. Werten Sie den Ausgang der Bundestagswahl als positives oder als negatives Signal für ihren weiteren Verlauf?

Lützel: In Bezug auf die Energiewende kann man positiv vermerken, dass alle Parteien sich dieses Thema zu Herzen nehmen und diese Wende – zumindest im Großen und Ganzen – wirklich wollen. Sehr zu begrüßen ist, dass selbst die konservativen Parteien sich deutlich bewegt haben, wenn auch erst nach dem Unglück von Fukushima. Das ist ein großer Erfolg, den vor fünf oder sechs Jahren noch niemand für möglich gehalten hätte. Ob und – wenn ja – welche Möglichkeiten sich aus einer neu formierten Bundesregierung ergeben, bleibt abzuwarten, bis diese steht.

ECOreporter.de: Inwiefern braucht es politische und gesellschaftliche Kurskorrekturen, um die Energiewende in Deutschland zum Erfolg zu führen?

Lützel: Künftig wird es darauf ankommen, noch viel mehr über die Chancen und Möglichkeiten der Energiewende zu sprechen. Auch über die langfristigen Kosteneinsparungen müsste viel mehr gesprochen werden bei der Energiewende. Das taucht in den Medien meiner Meinung nach viel zu wenig auf. Rufen wir uns nur in Erinnerung, dass der bereits 1991 still gelegte „Schnelle Brüter“ in Kalkar nur vier Jahre Strom produzierte, zum Bau  allerdings Milliarden D-Mark verschlang und seit über 20 Jahren gesichert und mit Personalaufwand betreut werden muss. Ende noch offen! Denn noch teurer und riskanter wäre es, den Meiler wieder komplett abzubauen. Und das ist nur ein Beispiel von vielen. Auch über die ganzen Fragen der Entsorgung des Atommülls wird aus meiner Sicht rund um die Energiewende zu wenig gesprochen.

ECOreporter.de: Speziell im Bereich Erneuerbare-Energien hat die GLS Bank immer wieder auch Direktbeteiligungsangebote auf den Markt gebracht. Was bieten Sie aktuell hierzu an und inwiefern planen Sie neue Angebote?
Lützel: Aktuell gehen wir mit einer Windparkbeteiligung in Zusammenarbeit mit der Lacuna AG in den Vertrieb. Im November ist eine weitere Wind- Beteiligung geplant. Und auch einen neuen „Biobodenfonds“ wird es wohl im in diesem Winter geben. Und auch 2014 werden wir Windparkbeteiligungen für unsere Kunden anbieten können und somit die Energiewende mit vorantreiben.

ECOreporter.de: Im Namen des Anlegerschutzes sind die Regeln des Finanzmarktes auf Betrieben der EU reformiert worden. Inwiefern haben sich Banken wie die GLS Bank in deshalb umstellen müssen?

Lützel: Das Wertpapier- und Beteiligungsgeschäft in den letzten Jahren in der Tat immer aufwändiger geworden. Wir haben uns aber darauf eingestellt und alle Regeln umgesetzt, egal ob es sich um den Biobodenfonds oder auch Immobilienfonds handelt. Die Regelungen dienen dem Interesse der Anleger. Und diese zu schützen – das begrüßen wir sehr.

ECOreporter.de: Was werden Sie auf der Messe Grünes Geld präsentieren und mit welcher Erwartung kommen Sie zu der Veranstaltung?
Lützel: Als Goldsponsor ist es uns wichtig, Fragen rund um nachhaltige Geldanlagemöglichkeiten mit transparenten Antworten weiter in die Öffentlichkeit zu tragen und insbesondere in Stuttgart einer noch breiteren Öffentlichkeit mit der Messe „Grünes Geld“ bekannt zu machen. Wir verstehen die Messe auch durchaus als Kontrapunkt zur konventionellen Messe „Invest“. Die GLS Bank wir mit einem Infostand und ihren Kundenberatern vor Ort sein. Ferner werden der Regionalleiter aus Stuttgart, Wilfried Münch und die Kundenberaterin Angelika Stahl Vorträge im Rahmen der Messe halten. Unsere Kunden und potentiellen Kunden persönlich zu treffen und in intensiven Gesprächen kennenzulernen, ist uns sehr wichtig. Die Messe „Grünes Geld“ bietet seit Jahren eine bewährte Plattform für diesen Austausch!
ECOreporter.de: Danke für das Gespräch, Herr Lützel.
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