Die DeutscheBürgerEnergie eG realisierte bislang vor allem Solaranlagen, an denen sich Anleger als Genossenschaftler beteiligen können. / Bildquelle: Fotolia (Metelec)

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„Wir planen Investitionen Wärmekraftwerke und wollen ab 2014 als Stromversorger aktiv werden“ – Swen Hansen, Deutsche BürgerEnergie eG

Der Markt für Direktbeteiligungen an Grünstromanlagen ist im Wandel.  Es gibt weniger neue klassische geschlossene Fonds, dafür mehr genossenschaftliche Bürgerbeteiligungsmodelle. Die Deutsche BürgerEnergie (DBE) ist eine Genossenschaft, die solche Grünstrom-Bürgerbeteiligungen anbietet. ECOreporter.de sprach mit DBE-Vorstand Swen Hansen darüber, wie sich der deutsche Markt verändert, wie die DBE darauf reagiert und wie sich Anleger bei der Genossenschaft beteiligen können.  

ECOreporter.de: Sie planen und realisieren vor allem Freiflächensolaranlagen in Deutschland. Inwiefern können solche Anlagen für Privatanleger angesichts der stark gesunkenen Einspeisetarife für Solarstrom aus Freiflächenanlagen überhaupt noch rentabel sein?

Swen Hansen: Die Rendite dieser Anlagen hängt auf der einen Seite von den Erträgen aus der Einspeisevergütung und auf der anderen Seite von den Errichtungskosten und laufenden Kosten ab. Sinken die Erträge, kann die Rendite folglich nur noch attraktiv sein, wenn sich auf der Kostenseite ebenfalls Reduzierungen realisieren lassen. Der Markt konnte die sinkenden Erträge eine Zeit lang zum Teil durch geringere Kosten kompensieren. Einsparungen waren beispielsweise bei Investition in Solarmodule, bei den Projektentwicklungskosten und Bauleistungen sowie durch geringere laufende Kosten möglich. Letzeres bezog sich vor allem auf Pachtzahlungen an die Flächeneigentümer und Zinszahlungen. Diese Einsparungspotenziale sind aber mittlerweile ausgeschöpft und können die weiter sinkende Einspeisevergütung nicht mehr auffangen. Wir gehen bei der bestehenden Gesetzeslage des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) davon aus, dass wir ab dem vierten Quartal 2013 in keine weitere neu zu errichtende Freiflächensolaranlagen mit EEG-Vergütung mehr investieren werden.
Bildnachweis: Swen Hansen ist 39 Jahre alt, verheiratet und Vater eines Kindes. Bei der Deutsche BürgerEnergie eG ist er im Vorstand aktiv.

ECOreporter.de: Wo in Deutschland bietet sich noch Ausbaupotenzial für Freiflächensolaranlagen?

Hansen: Freiflächen-Anlagen, die unter die EEG-Förderung fallen, sind auf bestimmte Flächenarten, wie Konversionsflächen, Bahnrandstreifen oder Gewerbeflächen, die bestimmte Kriterien erfüllen, begrenzt. Flächen dieser Art, die noch verfügbar sind, haben oft Risiken, eine wirtschaftliche Problematik wie geringe Einstrahlungswerte, überzogene Preisvorstellungen der Flächeneigentümer oder Genehmigungsprobleme. Das bedeutet auch eine höhere Komplexität, längere und schwierigere Verhandlungen und insgesamt aufwändigere Projektprüfungen, was sich am Ende als vergeudete Zeit herausstellen kann.
Als Potenzial für Freiflächen ohne EEG-Förderung kommt grundsätzlich jede Fläche in Betracht. Produzierter Strom aus diesen Anlagen würde dann nicht durch das EEG vergütet, sondern von Abnehmern gekauft, für die es Sinn machen kann. Für den Betreiber solcher Anlagen stellt sich das Problem, dass dieser Strom, wenn der Abnehmer nicht in unmittelbarer Nähe sitzt und kein Stromnetz in Anspruch genommen werden muss, die gesetzlichen Aufschläge und Strompreiskomponenten über die Erzeugung hinaus beinhalten muss, was den Verkaufspreis unattraktiv macht.

ECOreporter.de: Inwiefern planen oder realisieren sie aktuell neue Grünstrom-Projekte, an denen sich Anleger beteiligen können?

Hansen: Wir investieren in eine - vermutlich die letzte - Freiflächenanlage mit einer Anlagenleistung von ca. zwei Megawatt peak (MWp) in Süddeutschland, die aufgrund der guten Sonneneinstrahlungswerte an diesem Standort eine tragfähige Wirtschaftlichkeitsprognose ergibt und ab Oktober 2013 Strom einspeist. Geplant ist auch die Investition in eine Windkraftanlage mit zwölf MWp Anlagenleistung, die ihren Betrieb in der ersten Jahreshälfte 2014 aufnehmen soll. Außerdem planen wir Investitionen in Wärme-Kraftwerke, die auf Basis Erneuerbarer Energien Wärme produzieren und an Großabnehmer wie kommunale Einrichtungen, Hotels oder Hallenbäder verkaufen. Vor allem in Kommunen besteht enormer Investitionsstau. Diesen können wir den Kommunen mittels Contracting abnehmen. Das heißt, wir übernehmen Anlageninvestition und –betrieb und der Abnehmer zahlt nur für den Wärmeverbrauch. Solche Anlagen erwirtschaften Erträge unabhängig vom EEG.
Zudem wollen wir ab Anfang 2014 als Stromversorger einen Stromtarif für gewerbliche wie für Privatkunden anbieten.

ECOreporter.de: Wie können sich Anleger an Ihren Investmentangeboten beteiligen und welche Ausschüttungen sind dabei zu erwarten?


Hansen: Jeder, der Mitglied unserer Genossenschaft wird, investiert mit dem zur Verfügung gestellten Kapital an die Genossenschaft in diese Projekte. Die Genossenschaft investiert - je nach Konstellation - in die Betreibergesellschaften der Kraftwerke oder betreibt die Anlagen direkt. Die Höhe der Ausschüttungen über alle Anlagen ist im Durchschnitt über die Betriebsdauer der Anlagen mit circa sechs Prozent geplant. Dabei ist zu berücksichtigen, dass es während der Anlaufphase der Anlagen im ersten und zweiten Jahr aufgrund von Rücklagen und Reservepuffern, die angelegt werden, noch zu keinem positiven Ergebnis kommen kann.

ECOreporter.de: Die Finanzkrise ist noch nicht ausgestanden. Und nach dem Ausgang der Bundestagswahl ist offen, wie das EEG weiter reformiert werden wird. Macht es diese Situation schwieriger für Sie Bankkredite zur Finanzierung ihrer Projekte zu bekommen?


Hansen: Für die in Realisierung befindlichen beziehungsweise geplanten EEG-Projekte ist die Finanzierung gesichert. Weitere EEG-Projekte stehen zunächst nicht an, der Verkauf der Wärme aus den Wärmekraftwerken erfolgt EEG-unabhängig mit Wärmelieferverträgen an die jeweiligen Abnehmer. Grundsätzlich ist die Finanzierung von Projekten mit wirtschaftlich solider Kalkulation unproblematisch, die Kalkulation für Freiflächenprojekte mit EEG-Förderung wird sich aber nicht mehr solide darstellen lassen, wenn gewisse Qualitätsstandards gewahrt werden sollen.

ECOreporter.de: Die Zahl der Bürgergenossenschaften, die wie Sie Solar- oder Windräder errichten, ist rasant gestiegen. Wie wirkt sich diese Marktsituation auf die Bereitschaft der Banken aus Grünstromanlagen zu finanzieren?

Hansen: Die Anzahl vernünftiger, sinnvoller Photovoltaik- und Windprojekte am Markt ist begrenzt. Damit sind Projekte gemeint, die hinsichtlich rechtlicher, technischer und wirtschaftlicher Kriterien eine hohe Qualität und kalkulierbare Risiken aufweisen. Die Projektprüfungen der Banken sind mittlerweile sehr gut, so dass riskante Projekte in der Regel schnell erkannt werden und nicht finanzierbar sind. Das heißt umgekehrt: Projekte mit einer überzeugenden Kalkulation, mit klaren Verträgen und Strukturen und mit Qualität bezüglich Planung, Ausführung und Komponenten haben auch gute Chancen, finanziert zu werden. Aber die Anzahl guter Projekte – hier sind wiederum nur solche mit EEG-Förderung gemeint - wird, nicht zuletzt aufgrund der politischen Entwicklung, geringer.    


ECOreporter.de: Inwiefern wäre es angesichts für Ihre Genossenschaft auch denkbar, im europäischen Ausland aktiv zu werden?


Hansen: Investitionen im Ausland sind noch nicht angedacht, könnten sich aber im Geschäftsfeld Wärme-Kraftwerke durchaus in den nächsten Jahren ergeben. Konkrete Überlegungen haben wir noch nicht angestellt.


ECOreporter.de: Herzlichen Dank für das Gespräch, Herr Hansen.
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