Der Jurist Prof. Dr. Volker Römermann ist Vorstand der Römermann Rechtsanwälte AG mit Kanzleien in Hamburg, Hannover, Berlin und Thessaloniki. Seit Mai 2014 führt der die Windwärts Energie GmbH als Insolvenzverwalter. In dieser Funktion hat der Anwalt die Projekte von Windwärts in Augenschein genommen. / Alle Fotos: Joanna Nottebrock

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„Wir rechnen damit, die Sanierung von Windwärts bis zum Jahresende abzuschließen“ - Volker Römermann, Römermann Rechtsanwälte AG

1.600 Genussrechte-Anleger haben zusammen 18,9 Millionen Euro bei dem insolventen Windkraftprojektierer Windwärts Energie GmbH investiert. Welche Chancen haben sie, ihr Geld zurückzuerhalten und ab wann könnte mit Zahlungen gerechnet werden? Wie geht es für diese Investoren nach der ersten Gläubigerversammlung  weiter (hier  gelangen Sie zu unserem Bericht über die Ergebnisse der Versammlung)? Insolvenzverwalter Prof. Dr. Volker Römermann von der Römermann Rechtsanwälte AG spricht über die Lage der Dinge bei Windwärts.


ECOreporter.de: Welche zentralen Punkte wurden auf der Gläubigerversammlung erörtert? Wurde ein gemeinsamer Vertreters der Genussrechte-Gläubiger bestimmt?

Prof. Dr. Römermann:  Im Mittelpunkt der Versammlung standen der Bericht des Insolvenzverwalters und die Aussprache dazu. Alle Gläubiger hatten die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Die Gläubigerversammlung hat über die Fortführung des Unternehmens und die Beibehaltung des vom Gericht eingesetzten Gläubigerausschusses entschieden. Diesem gehört ein Vertreter der Genussrechts-Gläubiger an. Ein anderer Vertreter wurde nicht gewählt.

ECOreporter.de: Wie hoch sind die Forderungen, die in die Insolvenztabelle bislang eingetragen wurden und inwiefern können Gläubiger dort weiterhin Forderungen anmelden?

Römermann:  Die Verbindlichkeiten betragen circa 29 Millionen Euro. Gläubiger nach Paragraph 38 der  Insolvenzordnung (InsO) können noch Forderungen anmelden. Die nachrangigen Gläubiger nach Paragraph 39 InsO, also die Genussrechtsinhaber, wurden vom Gericht noch gar nicht dazu aufgefordert, ihre Forderungen anzumelden. Dies wird erst im Anschluss an die übertragende Sanierung geschehen.


ECOreporter.de: Strebt die Insolvenzverwaltung den Verkauf einzelner Unternehmensteile an oder soll Windwärts möglichst als Ganzes erhalten werden?


Römermann:  Windwärts soll als Ganzes erhalten werden. Es könnte allerdings sein, dass in den französischen Tochter-Gesellschaften ein gesonderter Investor einsteigt.


ECOreporter.de: Es gab bereits Interessenten, die Projekte von Windwärts übernehmen wollten. Gibt es derzeit Gespräche darüber?

Römermann:   Da wir zurzeit die Verhandlungen über die übertragende Sanierung des Gesamtunternehmens führen, gibt es keine Gespräche zu einzelnen Projekten.

ECOreporter.de: Müssen sich die Genussrechte-Inhaber von Windwärts auf den Totalverlust einstellen, oder besteht Hoffnung, dass sie Teile ihrer Investitionen zurückerhalten?


Römermann:  Angesichts des Fortführungswerts des Unternehmens gehen wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt  davon aus, dass die Genussrechtsgläubiger etwa ein Drittel des investierten Geldes zurückerhalten können. Das ist gemessen an dem, was durchschnittlich an Quote bei Insolvenzverfahren herauskommt, ein hoher Wert.


ECOreporter.de: Seit Mai 2014 läuft das reguläre Insolvenzverfahren am Amtsgericht Hannover. Stand heute: wann ist mit dem Abschluss des Verfahrens zu rechnen, welche Schritte stehen noch an und ab wann können Gläubiger mit möglichen Rückzahlungen rechnen?


Römermann:  Wir rechnen damit, dass die Sanierung im vierten Quartal dieses Jahres abgeschlossen wird. Danach werden die Gläubiger nach Paragraph 39 InsO aufgefordert, ihre Forderungen anzumelden. Das Verfahren wird voraussichtlich im Jahr 2017 abgeschlossen sein, wobei das nicht genau absehbar ist.  

Bild: Insolvenzverwalter Prof. Dr. Volker Römermann (hinten) bei der Besichtigung eines Windwärts-Windparks. / Foto:  Joanna Nottebrock


ECOreporter.de:  Es gab Gerüchte, Windwärts habe schon vor der Insolvenz Gewinne in Bilanzen falsch dargestellt. Konnte dieser Verdacht ausgeräumt werden, oder haben Behörden Ermittlungen aufgenommen?

Römermann:  Da Strafanzeige gestellt wurde, muss die Staatsanwaltschaft ermitteln, da hat sie keinen Spielraum. Ergebnisse der Ermittlungen sind uns noch nicht bekannt. Nach derzeitiger Kenntnis rechne ich nicht damit, dass sich der Verdacht bestätigt.

ECOreporter.de: Wir danken für das Gespräch, Herr Römermann.
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