Jens Mühlhaus, Vorstandsvorsitzender von Green City Energy. / Quelle: Unternehmen

22.05.12 Anleihen / AIF

„Wir sehen den deutschen Solarmarkt skeptisch“, Jens Mühlhaus, Vorstand Green City Energy im ECOreporter-Interview

Green City Energy gehört zu den Ausstellern der Messe „Grünes Geld“, die am 23. Juni zu Gast in Stuttgart ist. Die Messe gibt einen Einblick in die ganze Fülle nach-haltiger Geldanlagen und wird begleitet von einem umfassenden Vortragspro-gramm. Mehr darüber erfahren Sie Opens external link in new windowhier.

ECOreporter: Herr Mühlhaus, warum konzentriert sich Ihr Wasserkraftfonds auf den französischen Markt?

Jens Mühlhaus: Frankreich bietet gerade für kleine Wasserkraftanlagen bis zehn Megawatt  (MW) Leistung weitaus günstigere Bedingungen als Deutschland. Die Verkaufspreise liegen teilweise um den Faktor drei unter jenen in Deutschland und die französische Regierung treibt durch ein Förderprogramm mit einer gesetzlich garantierten Vergütung über 20 Jahre die Revitalisierung von bestehenden Kleinwasserkraftwerken voran. Mit unseren französischen Kollegen der Green City Energy Dependance in Toulouse haben wir außerdem unsere eigenen Wasserkraft-Experten vor Ort.

ECOreporter: Wie ist Ihr Vorhaben aus ökologischer Sicht zu bewerten, wird dadurch nicht massiv in die Gewässerökologie eingegriffen?

Mühlhaus: Nein, ganz im Gegenteil. Da die Wasserkraftwerke schon bestehen, ist kein weiterer Eingriff in die Flusssysteme vor Ort nötig. Wir verbessern sogar die Situation an den Kraftwerksstandorten indem wir Fischtreppen erneuern und die so die Durchgängigkeit erhöhen.
Da die Wasserkraftwerke oft seit Jahrzehnten bestehen, erwecken wir alte Standorte wieder zum Leben ohne die Flüsse durch neue Querverbauungen beinträchtigen zu müssen. Bei dem Wasserkraftfonds Frankreich handelt es sich unter dem Strich also um eine ökologisch und ökonomisch sinnvolle Geldanlage in eine etablierte und grundlastfähige Energieform mit bewährter Technik.

ECOreporter: Welche Konditionen und Rahmenbedingungen haben Anlegerin-nen und Anleger zu erwarten?

Mühlhaus: Aus meiner Sicht steht das Thema Sicherheit im Vordergrund. Das Bau- und Genehmigungsrisiko fällt weg, die Kraftwerke laufen ja schon. Durch die gesetzlich gesicherte Einspeisegarantie und hohe Wirkungsgrade der Kraftwerke besteht eine hohe Ertragssicherheit. Wir prognostizieren 167 Prozent Gesamtausschüttung, das heißt eine durchschnittliche jährliche Ausschüttung von 8,35 Prozent über die relativ kurze Laufzeit von acht Jahren. Da es sich um einen reinen Eigenkapitalfonds ohne Bankenanhängigkeit handelt, erhalten wir uns eine schnelle Handlungsfähigkeit. Weiterer Vorteil ist unsere Fondskonzeption mit klaren Investitionskriterien und einem Investitionsausschuss.

ECOreporter: Welche Risiken bestehen für Anleger bei diesem Wasserfonds?


Mühlhaus:
Jede Geldanlage birgt natürlich gewisse Risiken. Da aber in bestehende Sachwerte investiert wird und die Einspeisevergütung gesetzlich gesichert ist, hält sich das Risiko des Wasserkraftfonds in Grenzen.

Die Ertragskalkulation mit Sicherheitsabschlägen ist konservativ prognostiziert und zusätzlich durch Gutachten bestätigt. Die Kollegen der Green City Energy France haben einen guten Überblick über den französischen Markt. Zusätzlich gibt Green City Energy eine Rückkaufgarantie der Anlagen nach Ende der achtjährigen Laufzeit zu einem 15-fachen des Jahresnettoertrags zuzüglich 50 Prozent Mehrertragsgarantie.

Natürlich erfolgte außerdem eine kapitalmarktkonforme Prüfung des Verkaufsprospektes durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht und nach IDW S4 Standard. Der Fonds ist vor allem für Anleger geeignet, die nach einer ökologisch vorbildlichen Investitionsmöglichkeit in eine grundlastfähige Energieform mit bewährter Technik und ohne lange Kapitalbindung suchen und gleichzeitig akzeptieren, dass die Investitionsabläufe nicht so standardisiert sind wie in anderen Erneuerbaren Energiebereichen.

ECOreporter: Haben Sie weitere Anlageangebote in Planung, im Bereich Wasserkraft oder in anderen Bereichen?

Mühlhaus:
Wir treiben unsere langfristig geplante strategische Ausrichtung auf dem Windmarkt voran. Green City Energy hat mit der die Heilbronner Enerkraft GmbH einen Kooperationsvertrag zum Bau von zwei Windparks in der bayerischen Untermainregion Odenwald geschlossen. Insgesamt werden sieben Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von rund 19 MW errichtet, es ist eines der größten Projekte in Bayern. Wir erwarten den Baubeginn im Herbst und werden einen Bürgerwindpark als geschlossenen Fonds zur finanziellen Beteiligung anbieten.

ECOreporter: Gibt es aktuell Angebote von Green City Energy im Photovoltaik-Bereich?

Mühlhaus:
Aktuell bereiten wir einen Solarpark mit knapp acht Megawatt Leistung als Publikumsfonds vor. Die Anlage haben wir bereits letztes Jahr fertig gebaut, sie produziert Erträge über Prognose. In diesem Jahr haben wir noch einige PV-Projekte in der Umsetzung, die wir fristgerecht bis Ende Juni zu Ende bringen werden. Was danach passiert ist schwer einzuschätzen, das Wirrwarr in der Energie- und Umweltpolitik der Bundesregierung schafft eine Situation der Planungsunsicherheit, die der gesamten Branche schadet.

Wenn keine Rolle rückwärts passiert, sehen wir die Marktperspektiven in Deutschland aber skeptisch. Komplett stoppen kann die Länderkammer die Pläne nicht mehr.
Wir rechnen damit, dass im Vermittlungsausschuss nur leichte Abmilderungen durchgesetzt werden. Daher bleiben wir aller Voraussicht nach bei unserer Strategie des Schwerpunktwechsels auf Wind- und Wasserkraft.

ECOreporter: Was werden Sie auf der Messe Grünes Geld in Stuttgart präsentieren und was erhoffen Sie sich von der Veranstaltung?


Mühlhaus: Auf der Messe Grünes Geld in Stuttgart werden wir unseren Wasserkraftfonds und den Solarpark Weißenfels im Gepäck haben und ihn allen Interessenten im persönlichen Gespräch vorstellen. Wir sind seit einigen Jahren bei allen Messen Grünes Geld vor Ort und erwarten wie immer interessante Gespräche mit Besuchern und anderen Ausstellern. Bisher wurde diese Erwartung nie enttäuscht.

ECOreporter: Herr Mühlhaus, wir danken Ihnen für das Gespräch!

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