13.04.10 Fonds / ETF

„Wir sehen eine steigende Nachfrage für breit aufgestellte Nachhaltigkeitsfonds“ – ECOreporter.de-Interview mit den Portfolio-Managern des Postbank Dynamik Vision



ECOreporter.de: Was sind die Kernpunkte der Anlagestrategie hinter dem Dynamik Vision?

Markus Diebel: Der Postbank Dynamik Vision investiert in Aktien europäischer und globaler Unternehmen, deren Unternehmenskultur neben der Erreichung ökonomischer Ziele soziale und ökologische Kriterien in der Unternehmensführung mit einbezieht.

ECOreporter.de:  Wie ist der aktuelle Platzierungsstand?

Walter Schmidt: Der Fonds wurde bereits im Jahr 2001 aufgelegt und zählt mit einem aktuellen Fondsvolumen von 205 Millionen Euro zu den größeren Nachhaltigkeitsfonds in Deutschland.

ECOreporter.de: Welche Schwerpunkte im Bezug auf Branchen setzen sie, inwiefern setzt der Fonds regionale Schwerpunkte?


Diebel: Die Auswahl der Unternehmen erfolgt über einen mehrstufigen Auswahl- und Screeningprozess. In einem ersten Schritt werden mögliche Zielunternehmen im Rahmen eines Corporate Sustainability Assessments anhand verschiedenster Positiv- und Negativkriterien bewertet, um sie in Bezug auf ihre Nachhaltigkeitsleistung miteinander vergleichen zu können. In eine engere Auswahl kommen Unternehmen, die in diesem Screening-Prozess am besten abschneiden (Best-in-Class-Ansatz). Diese Best-in-Class / Best-in-Industry-Leader stellen das Anlageuniversum des Fonds dar, welches in einem zweiten Schritt einer fundamentalen Analyse unterzogen wird. Aufgrund der breiten Ausrichtung des Fonds werden keine branchenspezifischen Schwerpunkte gesetzt.

Schmidt: Regional liegt der Anlageschwerpunkt auf europäischen Titeln, die zu etwa 70 Prozent im Fonds vertreten sind. Europäische Unternehmen bevorzugen wir, da viele dieser Unternehmen führend im Bezug auf eine an Nachhaltigkeitskriterien ausgerichtete Unternehmensführung sind und das Thema Nachhaltigkeit bei ihnen einen entsprechend hohen Stellenwert einnimmt. Weiterhin können wir durch die Fokussierung auf den Euroraum das Währungsrisiko innerhalb des Fonds reduzieren.

ECOreporter.de:  Wie wird die Nachhaltigkeit der Anlagen definiert und wie wird sie kontrolliert?

Diebel: Die Nachhaltigkeit der Anlagen basiert auf dem Konzept der unternehmerischen Nachhaltigkeit. Neben der Berücksichtigung von ökonomischen Kennzahlen fließen zusätzlich ökologische und soziale Kriterien in die Unternehmensbeurteilung und in die Anlageentscheidung mit ein. Das regelmäßige Monitoring der Unternehmen erfolgt in Zusammenarbeit mit der SAM Group – einem der führenden Anbieter im Bereich nachhaltiger Kapitalanlagen.

ECOreporter.de:  Können Sie Beispiele für Negativ- und Positivkriterien nennen? Wer legt sie fest?

Schmidt: Positivkriterien sind zum Beispiel die Einhaltung von Mindestsozialstandards im Unternehmen und bei den Zulieferern, Ziele zur Reduktion der CO2-Bilanz, ein unternehmensspezifischer Verhaltenskodex oder die Gleichberechtigung von Frauen im Unternehmen. Ausschlusskriterien, die geprüft werden sind unter anderem die Verletzung von Menschenrechten, Kinderarbeit oder Arbeitsrechtsverletzungen. Die Festlegung der Positiv- und Negativkriterien erfolgte in Zusammenarbeit mit der SAM Group.

ECOreporter.de:  Was unterscheidet den Fonds von anderen nachhaltigen Aktienfonds?

Diebel: Viele Investmentfonds mit dem Schwerpunkt Nachhaltigkeit legen ihren Fokus auf bestimmte Branchen beziehungsweise Themen (etwa Unternehmen der Solar-Branche Firmen die im Bereich  regenerative Energien aktiv sind oder  ökologische Kapitalanlagen). Der Postbank Dynamik Vision verfolgt diese strenge Fokussierung auf bestimmte Branchen und (Trend)Themen nicht. Das Anlageuniversum des Fonds umfasst ein breiteres Spektrum. Es wird in Unternehmen investiert, die nachhaltig wirtschaften. Hierbei spielen soziale (beispielsweise Personalförderung und -entwicklung), ökologische Kriterien (etwa Umgang mit Ressourcen) ebenso eine Rolle wie ökonomische Faktoren (zum Beispiel Corporate Governance, Risk Management). Daneben wird in ausgewählte Werte investiert, die aufgrund ihrer Produkte zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen (etwa erneuerbare Energien oder innovative Pharmaprodukte).

ECOreporter.de:  Wie kam es zur Auflage des Fonds? War die Auflage eine Reaktion auf eine bestimmte Nachfrage?

Schmidt: Bereits im Jahr 2001 hatte man innerhalb der Postbank das Thema Nachhaltigkeit als einen der zukunftsweisenden Trends. Um dieses Thema ebenfalls dem Privatanleger zugänglich zu machen, hat man sich entschieden, einen speziell darauf ausgerichteten Fonds aufzulegen.

ECOreporter.de:  Inwiefern waren Partner in die Entwicklung des Fonds – speziell in Sachen Nachhaltigkeit - involviert?

Schmidt: Die Postbank Financial Services GmbH konnte diesbezüglich ihre Erfahrungen als Asset Manager des Postbank-Konzerns einbringen. Hinsichtlich der Kapitalanlage auf Basis zu definierender Nachhaltigkeitskriterien ist man eine Kooperation mit der SAM Group, einem der führenden Nachhaltigkeitsanalysten eingegangen.

ECOreporter.de: Für welche Investoren ist das Produkt auf den Markt gebracht worden?

Diebel: Die Intention, die mit der Auflage des Produktes verfolgt wurde, bestand darin, insbesondere Privatkunden die Möglichkeit zu geben, in nachhaltig agierende Unternehmen zu investieren, ohne sich dabei auf eine bestimmte Branche oder Investmenttrend festlegen zu müssen.

ECOreporter.de: Orientiert sich das Fondsmanagement bei der Wertentwicklung an einer Benchmark?

Schmidt: Die Benchmark des Fonds setzt sich aus zwei Indizes zusammen. Herr Diebel als verantwortlicher Fondsmanager für die Aktienanlagen Euroland orientiert sich dabei am Euro Stoxx Sustainability Index. Ich bin für die globalen Anlagen zuständig und verwende als Vergleichsindex den DJ Sustainability Index.

ECOreporter.de:  Welche Gebühren werden vom Anleger verlangt?

Diebel: Der Fonds zählt mit einem Ausgabeausschlag von 3,75 Prozent auch im Hinblick auf die Wettbewerbsprodukte zu den günstigeren Aktienfonds im Markt. Die laufende Vergütung beträgt 1,10 Prozent jährlich.

ECOreporter.de: Planen sie weitere Produkte mit Nachhaltigkeit als Anlagefokus?

Diebel: Mit dem PB Dynamik Klima Garant wurde ein weiterer Fonds mit dem Schwerpunkt Klima / Ökologie aufgelegt. Aufgrund der Marktentwicklung während der Finanzkrise und der Kundennachfrage wurde dieser Fonds als Garantiekonzept ausgestaltet.

ECOreporter.de:  Wie hat sich in ihrem Haus die Nachfrage nach Nachhaltigkeitsinvestments in den vergangenen Jahren entwickelt? 

Schmidt: Seitens unserer Kunden sehen wir weiterhin ein Interesse an nachhaltigen Kapitalanlagen. Die Finanzkrise führte jedoch dazu, dass sich das Anlageverhalten unserer Kunden geändert hat. In den vergangen zwei Jahren wurden verstärkt Produkte mit zusätzlicher Kapitalgarantie nachgefragt. Dies hat uns veranlasst, mit dem PB Dynamik Klima Garant einen Nachhaltigkeitsfonds mit dem Schwerpunkt Ökologie und Klimaschutz zusätzlich mit einer Kapitalgarantie auszustatten.

ECOreporter.de: Wie wird sich der Markt für nachhaltige Investmentfonds nach Ihrer Einschätzung in der nahen Zukunft entwickeln?

Schmidt: Insgesamt sehen wir im Markt für breit angelegte, nachhaltige Investmentfonds weiterhin eine moderat steigende Nachfrage. Spezielle Themenfonds, die sich auf einen kleinen Ausschnitt im Nachhaltigkeitsmarkt konzentrieren, könnten als ‚Modethemen’ jeweils von nur temporären Interesse sein. Als Beispiel seien hier Anbieter von Solaranlagen genannt. Die Attraktivität der Branche als Anlageziel für Investoren hat unter den mittlerweile bestehenden Überkapazitäten, den Rückgang staatlicher Förderungen bei zeitweise hoher Bewertung der Unternehmen gelitten. Fonds, die sehr stark auf diesen Bereich fokussiert waren, gerieten tendenziell unter Druck, was sich letztendlich auch in der Performance und der Kundennachfrage widerspiegelt.

ECOreporter.de: Herzlichen Dank für das Gespräch!

Bildhinweis: Walter Schmidt / Quelle: Postbank
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