23.03.10 Anleihen / AIF

„Wir sehen in Spanien wieder gestiegene Möglichkeiten, zu finanzieren.“ – ECOreporter.de-Interview mit den Geschäftsführern der Marschalek Solar S.L




ECOreporter.de: Sie haben die Zeichnungsfrist für den Valorsol Solarfonds I zum Jahresende um sechs Monate verlängert, wie ist der Zeichnungsstand?

Friedrich Bauer: Wir haben mit dem Vertrieb erst im Oktober 2009 begonnen und in den Gesprächen mit den verschiedenen Vertriebspartnern sehr rasch gemerkt, dass wir für das Jahresendgeschäft zu spät waren, weil die Vertriebsgesellschaften ihre Mitarbeiter im November nicht mehr auf ein neues Produkt schulen können. Somit hat de facto der Vertrieb erst Ende Jänner begonnen. Wir haben derzeit einige hunderttausend Euro an Reservierungen zu verzeichnen und einige hundert tausend Zeichnungen angenommen. Aus meiner Sicht können wir mit dem derzeitigen Zwischenstand durchaus zufrieden sein. Detailierte Ziffern möchte ich jedoch an dieser Stelle noch nicht nennen.

ECOreporter.de: Der Fonds investiert in fest projektierte Anlagen in den spanischen Provinzen Malaga und Huelva. Wie weit sind diese Projekte fortgeschritten und wie läuft der Fonds bislang?

Prof. Catalina Fiol-Roig: Wie im Prospekt dargestellt, verfügt der Fonds über die zwei projektierten Anlagen und verfolgt diese. Die Projekte durchlaufen das Antragsverfahren und können danach errichtet werden.

ECOreporter.de: Skizzieren Sie bitte kurz die wichtigsten Eckdaten zum Valorsol Solarfonds I und die wichtigsten Änderungen, die sie im Verlauf des vergangenen Jahres vorgenommen haben?

Bauer: Der Fonds plant die Investition in zwei Solarparks in Andalusien – die sonnenreichste Gegend Spaniens. Der Fonds hat eine Laufzeit von 20 Jahren, wobei eine Kündigung ab dem zehnten Jahr grundsätzlich möglich ist. Wir haben zuletzt durch intensive Verhandlungen hohe Kostenvorteile im Ausmaß von 600.000 Euro realisieren können, welche an die Anleger direkt weitergegeben werden und in einem Prospektnachtrag veröffentlicht wurden. Unsere Strategie ist, dass wir keinerlei Erträge aus der Errichtung generieren, sondern alle Kosten transparent ausweisen. Kosteneinsparungen im Bereich der Baukosten kommen den Anlegern zu Gute. Obwohl der Fonds eine der höchsten Renditen am Markt ausweist, wollten wir die Argumente des Vertriebs aufnehmen und haben proaktiv an einer Senkung der Kosten gearbeitet, um hier positive Werte zu bieten. Durch die genannten Maßnahmen wurde die prognostizierte Rendite nun auf mehr als 10,5 Prozent jährlich erhöht. Die durchschnittliche Ausschüttung beträgt knapp 12 Prozent.

ECOreporter.de: Interessieren sich auch mehr neue Anlagevermittler für Ihre nachhaltigen geschlossenen Fonds?

Bauer: Wir können in der letzten Zeit insbesondere bei Institutionellen und Privatbanken Interesse beobachten. Wir sehen, dass die Banken die Rendite betrachten und auch unsere langfristige Begleitung und Identifikation im Projekt schätzen.

ECOreporter.de: Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit ihren Partnern in Spanien?

Fiol-Roig: Wir verfügen über ein sehr gutes Netzwerk in Spanien, bestehend aus Partnern, mit denen wir seit Jahren eine vertrauensvolle Beziehung aufgebaut haben. Darunter Rechtsanwälte, Techniker und Steuerberater. Die Zusammenarbeit mit unseren Partnern beruht nunmehr auf einem soliden Fundament, welches sich durch die in den letzten Jahren realisierten Projekte in Spanien herausgebildet hat.

ECOreporter.de:  Welche Auswirkungen haben die neuen Vergütungsregelungen im spanischen Markt? Inwiefern stellt die Deckelung ein Problem dar? Wie rentabel sind spanische Solarparks jetzt noch?

Bauer: Das ist genau der Punkt, den wir als großen Vorteil betrachten, weil wir beobachten, dass auch die Preise für die Komponenten immer mehr zurückgehen. Dieser Preisrückgang spielt uns sehr gut in die Hände und wird sich für unsere Anleger sehr positiv auswirken. Darüber hinausgehend verfügt Spanien über eine ausgezeichnete Infrastruktur in der Solarwirtschaft und können wir auf ein breites Spektrum an Dienstleistern zurückgreifen und hinsichtlich Preis und Leistung sehr flexibel agieren. Spanien ist, hinter Deutschland, zum zweitwichtigsten Photovoltaikmarkt weltweit geworden. Übrigens, Spanien hat die Stromsubventionen bzw. die Einspeisevergütung bereits in 2008 signifikant gesenkt. Der Markt hat diese Massnahme sehr gut verkraftet (per Opens external link in new windowMausklick gelangen Sie zu einem ECOreporter.de-Beitrag über die Entwicklung in Solarmärkten, in dem wir auch auf Spanien eingehen). Sicherlich hilft auch der geografisch positive Effekt, dass die Anzahl der Sonnenstunden jährlich im Schnitt um circa70 Prozent höher liegt als in Deutschland.

ECOreporter.de: Werden Sie in diesem Jahr weitere neue nachhaltige geschlossene Fonds auf den Markt bringen, eventuell mit Projekten in anderen Ländern?

Bauer:
Wir haben derzeit einen zweiter Fonds in Arbeit. Wir wenden uns mit diesem Fonds, für den wir Bestandsanlagen vorgesehen haben, an institutionelle Investoren. Diesbezüglich laufen derzeit sehr intensive Verhandlungen.

ECOreporter.de: Wo sind die aus ihrer Sicht attraktivsten Märkte für geschlossene Solarfonds?  In welchen Ländern sehen Sie noch Potenziale? Welche Länder erscheinen Ihnen riskant?

Fiol-Roig: Wir haben uns auf Spanien konzentriert. Dies einerseits aufgrund einer sehr transparenten und gesicherten Gesetzeslage und andererseits, weil wir in Spanien Inflationsanpassung vorfinden und auch kein Währungsrisiko besteht. Darüber hinausgehend bestehen in Spanien besonders gute natürliche Bedingungen für die Photovoltaik. Während beispielsweise in Südspanien je installiertem Watt peak über 1,5 Kilowattstunden (kWh) produziert werden, liegt dieser Wert im italienischen Foggia bei 1,3kWh, in München bei einer kWh und im tschechischen Budweis bei nur 0,9kWh. Je höher die Produktion, desto unabhängiger ist man langfristig von den Gesetzen, da man dann auch am Markt ohne Förderung gewinnbringend verkaufen könnte. Wichtig in diesem Zusammenhang ist auch der Abstand zwischen gefördertem Tarif und aktuellem Strompreis. Der Tarif in Spanien liegt derzeit bei 29 Eurocent - aufgrund einer klar steigenden Tendenz bei den Strompreisen verringert sich der Abstand zwischen geförderten Tarif und Marktpreis tendenziell. Somit sinkt auch das Risiko der negativen Auswirkungen im höchst unwahrscheinlichen Fall einer rückwirkenden Gesetzesänderung.

ECOreporter.de: Sehen Sie derzeit eher ein Überangebot oder eher eine Marktenge bei Erneuerbare-Energie-Projekten, die sich für geschlossene Fonds eignen?

Fiol-Roig: Es gibt derzeit mehrere Projekte am Markt. Wir haben auch Projekte zur Verfügung, die wir unseren Anlegern alternativ anbieten könnten. Projekte, die schon über alle Genehmigungen verfügen und sofort begonnen werden könnten. Wir sehen, vor allem aufgrund unseres Netzwerks, derzeit sehr vielfältige Möglichkeiten am Markt.

ECOreporter.de: Wie beurteilen Sie die Bereitschaft von Banken, Projekte aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien für geschlossene Fonds zu finanzieren?


Bauer: Wir sehen vor allem in Spanien wieder gestiegene Möglichkeiten, zu finanzieren. Die Durchlaufzeiten sind sehr lange und es ist sehr schwierig, aber die Stimmung ist positiv. Wir haben zuletzt gerade erst wieder für ein anderes Projekt eine Projektfinanzierung in Spanien erhalten.

ECOreporter.de: Die Preise für Solarmodule sind seit 2008 massiv gesunken. Ist das die Chance für Projekte, zu höheren Renditen zu kommen?


Fiol-Roig: Definitiv, und das war genau unsere Strategie, mit der wir unsere Anleger letztendlich postiv überraschen möchten. Die gesunkenen Einkaufspreise und niedrigeren Kosten geben wir an unsere Anleger weiter.

ECOreporter.de: Wie schätzen Sie im Bereich der geschlossenen nachhaltigen Fonds die weitere Marktentwicklung ein; welche Trends sehen Sie für die nahe Zukunft?

Bauer: Insbesondere gut konzipierte Solarfonds können dem Anleger stabile und attraktive langfristige Erträge schaffen. Ich bin daher überzeugt, dass vor allem Solarfonds aufgrund des nicht vorhandenen Absatzrisikos (der erzeugte Strom ist ex lege verkauft) gute langfristige Chancen haben.

ECOreporter.de:  Herzlichen Dank für das Interview!
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