22.12.11 Finanzdienstleister , Fonds / ETF

"Wir setzen auf Nachhaltigkeit im christlichen Verständnis." - Teil 2 des ECOreporter-de-Interview mit Thomas Katzenmayer, Evangelische Kreditgenossenschaft

Per Opens external link in new windowMausklick gelangen Sie zu Teil 1 des Interviews mit Thomas Katzenmayer.

ECOreporter: Inwiefern arbeitet das Geld bei Ihnen nachhaltig?

Katzenmayer: Nehmen Sie die Spareinlage: Das ist ein Beispiel für eine nachhaltige Geldanlage – nicht nur, weil wir als genossenschaftliches Institut seit vielen Jahrzehnten eine eigene Sicherungseinrichtung haben. Sondern weil wir das Geld im Finanzkreislauf von Kirche und Diakonie einsetzen. Der Anleger weiß genau: Wir verwenden es für Kredite an Kirche und Diakonie bzw. deren Mitarbeitende oder für Eigenanlagen. Und die Nachhaltigkeit der Eigenanlagen wird über den Filter geprüft.

ECOreporter: Gibt es auch Bankprodukte, die besonders die soziale Nachhaltigkeit betonen?

Katzenmayer: Ja, da kann ich  unseren EKK-Bildungskredit nennen. Das ist ein Kredit, der eine besonders kundenorientierte Lösung für junge Menschen bietet, die ein Studium oder eine Weiterbildung beginnen möchten. Der Zinssatz liegt unter 5 Prozent und ist für 15 Jahre festgeschrieben. Die Studierenden müssen keine Sicherheiten stellen und können sich so ohne finanzielle Sorgen um ihre Zukunft kümmern. Zudem kann die Beantragung bequem von zu Hause über das Internet geschehen.

ECOreporter: Nun gibt es nicht gerade wenige Siegel, die in Richtung Öko oder Nachhaltigkeit gehen. Ist das EMASplus-Siegel besonders glaubwürdig?

Katzenmayer: Entscheidend ist der ganzheitliche Blick auf das Unternehmen: in unserem Falle auf die Bank. Andere Siegel reduzieren Nachhaltigkeit meist auf den ökologischen Aspekt – für uns sind jedoch alle Säulen der Nachhaltigkeit wichtig. EMASplus ist zudem der anspruchsvollste europäische Standard im Bereich der Nachhaltigkeit. Bislang wendet keine andere Kirchen- oder Genossenschaftsbank EMASplus an. Unser Engagement im Bereich Nachhaltigkeit ist zudem bereits so groß gewesen, das die Zertifizierung nahe lag. Sie macht die „Seele des Unternehmens“ auch nach außen kenntlich.

ECOreporter: Haben Sie das Verfahren als echte Prüfung verstanden?

Katzenmayer: Ja, denn das Verfahren beginnt schon mit mehrstufigen Vorbereitungen, den so genannten Audits. Diese sind zu dokumentieren, bevor der externe Auditor nach einem europäischen Standard prüft. Während der Prüfung herrschte in der Bank eine Woche “Ausnahmezustand“, vom Keller bis zum Dach. Die externen Auditoren sind Fachleute, vom reinen Umweltprüfer bis hin zum Wirtschaftsprüfer.

ECOreporter: Was folgt auf diese Prüfung?

Katzenmayer: Das interne und das externe Audit werden in regelmäßigen Abständen wiederholt. Letztlich geht es darum, kontinuierlich besser - im Sinne von nachhaltiger zu werden. Diese Verbesserungen werden gemessen und mit Indizes hinterlegt, z. B. dem Öko- und dem Sozialindex.
Das alles ist in einem „Management-Cockpit“ zusammengefasst, das Nachhaltigkeit nicht als zusätzliche Aufgabe neben den ökonomischen Größen laufen lässt, sondern integriert.

ECOreporter: Bei Siegeln geht es idealerweise ja nicht nur darum, etwas nach außen zu zeigen. Sie wirken auch nach innen, im Unternehmen. Wie sehen Sie das bei EMASplus?

Katzenmayer: Das Verfahren ist bei uns und allen Mitarbeitenden sofort auf sehr fruchtbaren Boden gefallen, denn die Mitarbeitenden haben gesehen, dass es um den Kern der Bank geht. Daher war die abschließende Verleihung des Zertifikats auch ein sehr emotionaler Augenblick.

ECOreporter: War das Zertifizierungsverfahren von Anfang an in der Bank gut angesehen?

Katzenmayer: Das kann ich nur ausdrücklich bejahen. Die Projektgruppe war sofort Feuer und Flamme. Dabei war das normale Arbeitspensum ja parallel weiter zu bewältigen. Ich war begeistert, mit welchem Herzblut unsere Leute dabei waren. Unsere Mitarbeiter sind teilweise schon über 35 Jahre bei uns, sie sind alle Angehörige einer Glaubensrichtung, die der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (ACK). Sie haben Idealismus und sie verfügen über einen gemeinsamen Wertekanon. Deshalb spricht sie die Ausrichtung unserer Bank auf Nachhaltigkeit im christlichen Verständnis an. Das Ergebnis überzeugt dann auch. Wir hatten das Gefühl, dass die Bank eine in sich geschlossene Einheit bildet: mit Stolz und mit einem enormen „Wir-Gefühl“. Aber so eine Riesenaufgabe ist auch nur im Team zu bewältigen.

ECOreporter: Inwiefern zeigt sich das Nachhaltigkeitsverständnis im Personalbereich?

Katzenmayer: Wir haben an allen Standorten Mitarbeiter, die als ECOanlageberater ausgebildet sind, als Fachberater für nachhaltige Investments, und das wird weiter fokussiert. Wir bilden nicht nur fachlich aus, wir wollen auch erfahrene Mitarbeiter im Unternehmen halten. Außerdem hat die Bank nun einen Nachhaltigkeitsrat, der über alle Hierarchieebenen hinweg gebildet ist, vom Sachbearbeiter bis hin zum Vorstand. Dieser Nachhaltigkeitsrat, dem unser Nachhaltigkeitskoordinator vorsitzt, wacht über die Einhaltung unserer Nachhaltigkeitsrichtlinien. Wir haben auch ein neues Vorschlagswesen, und wir legen großen Wert auf Arbeitssicherheit.

ECOreporter: Hält der Bankvorstand persönlich beim Thema Nachhaltigkeit mit?

Katzenmayer (lacht): Für mich ist das schon alltäglich; man ist ja als Verbraucher sensibilisiert. Und für den Vorstand spielt das Thema Nachhaltigkeit bei allen Entscheidungen eine Rolle, vom Personal, über Kredite bis in die Diskussions- und Entscheidungskultur. Das gilt auch für die so genannten „kleinen Dinge“ – die Bank kauft regional und „fair“ ein, und wir halten das privat ganz genau so, bis hin zum Gepa-Kaffee und zum regionalen Mineralwasser.

ECOreporter: Die schwierige Gretchenfrage zum Schluss: Wenn es darauf ankommt, was geht vor: Gewinn oder Nachhaltigkeit?

Katzenmayer: Das ist für uns gar nicht so schwierig. Denn ökonomisch nachhaltiges Wirtschaften geht nicht einher mit Gewinnmaximierung, weil die in der Regel Risiken mit sich bringt.

ECOreporter: Vielen Dank für das Gespräch!


Die Evangelische Kreditgenossenschaft eG (EKK) mit Sitz in Kassel ist eine genossenschaftlich organisierte Kirchenbank. Sie wurde 1969 auf Initiative der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck gegründet. Die Bilanzsumme beträgt per 31.12.2010 rund 4,1 Milliarden Euro. Knapp 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betreuen in zwölf Filialen deutschlandweit rund 1.100 institutionelle Mitglieder bzw. 70.000 institutionelle und private Kunden, überwiegend aus dem Bereich Kirche, Diakonie und freie Wohlfahrtspflege. Seit 1998 ist die EKK auch in Österreich vertreten.

Die Basis der Geschäftstätigkeit bilden christliche Werte, die in einer gelebten Partnerschaft mit den Mitgliedern, Kunden, Kooperationspartnern und Mitarbeitenden sichtbar werden. Die nachhaltige Ausrichtung des Geschäftsmodells wurde im November 2011 mit dem EMASplus (Eco-Management and Audit Scheme) Siegel ausgezeichnet.

Thomas Katzenmayer, Jahrgang 1965, ist von Beruf Bankkaufmann. Als Vorstandsmitglied der Evangelischen Kreditgenossenschaft eG aus Kassel (EKK) ist er seit 2007 tätig. Er verantwortet dort den Vertrieb, das Vertriebsmanagement, das Marketing und die Öffentlichkeitsarbeit. Zudem ist er stellvertretender Vorsitzender der EKK-Stiftung.

Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x