Robert Pottmann ist Leiter "Investments Erneuerbare Energien" bei MEAG, dem Vermögensmanager von Munich Re und ERGO. / Foto: MEAG

04.07.17 Erneuerbare Energie , Anleihen / AIF

"Wir sind gerne bereit, in Erneuerbare Energien zu investieren": Robert Pottmann, MEAG

Über 90 Prozent der Investitionen von Versicherungen fließen derzeit in Staatsanleihen. Warum gibt es eigentlich nicht mehr Investitionen in Erneuerbare Energien? ECOreporter.de befragte dazu Robert Pottmann. Er ist Leiter "Investments Erneuerbare Energien" der MEAG, dem Vermögensmanager von Munich Re und ERGO.

ECOreporter.de: Herr Pottmann, Versicherungen müssen Prämienzahlungen ihrer Kunden sicher anlegen, damit sie jederzeit Auszahlungen leisten können. Warum investieren Versicherer wie Munich Re nicht stärker in Erneuerbare Energien?

Robert Pottmann:  Munich Re investiert in nennenswertem Umfang in Erneuerbare Energien. Wir sind gerne bereit, mehr zu investieren. Aufgrund der extrem niedrigen Zinsen gibt es seit einiger Zeit aber einen hohen Nachfrageüberhang: also eine hohe Nachfrage und ein geringes Angebot. Die mittlerweile geringen Renditen erfordern einen besonders strengen Blick auf die möglichen Risiken einer solchen Investition.

Typische Risiken sind bespielsweise zu wenig Sonne oder Wind und damit eine geringer als erwartete Stromproduktion. Dazu gehören aber auch technische Risiken wie ein Ausfall oder temporäre Stillegung der Anlagen aufgrund eines Schadens. Weitere Punkte sind auslaufende und zu verlängernde Betriebsgenehmigungen aber auch die Sicherstellung des laufenden Betriebs durch qualifizierte und verlässliche Dienstleister.

Was muss sich ändern, damit Munich Re und andere (Rück-)Versicherer künftig mehr in Erneuerbare-Energien-Projekte investieren können?

Wir beobachten in einigen Bereichen eine gewisse Übertreibung am Markt. Das heißt, die mit Investitionen in Erneuerbare Energien einhergehenden typischen Risiken sind nicht immer angemessen in den realisierbaren Transaktionspreisen reflektiert. So lassen beispielsweise die Ergebnisse der ersten deutschen EEG-Ausschreibungsrunde (EEG = Erneuerbare Energien Gesetz, Anm. d. Red.) für Windenergieanlagen an Land unseres Erachtens den Schluss zu, dass institutionelle Investoren nur in Ausnahmefällen eine angemessene Kapitalverzinsung erzielen können. Eine Entspannung auf der Zinsseite würde sicher etwas Abhilfe, das Problem jedoch nicht gänzlich aus der Welt schaffen.

Es ist aber unseres Erachtens zu früh, von der ersten Ausschreibungsrunde mit diesem Ergebnis auf die weitere Entwicklung zu schließen. Richtig ist, dass wir nicht nur bei den Investments in Erneuerbare Energien die Niedrigzinsphase und einen deutlichen Wettbewerb in den Renditen spüren.

Da kommerzielle Banken, aber auch Versicherungen mit ihren Vermögensmanagern zur Genüge als Fremdkapitalgeber zur Verfügung stehen, halten wir mit Blick auf reife Märkte wie Deutschland dezidierte KfW-Programme als Förderinstrument für nicht mehr notwendig. Vielmehr verzerren diese äußerst zinsgünstigen Darlehen den Wettbewerb und führen vor allem zu einer Verdrängung von Investoren, die diese Förderprogramme nicht in Anspruch nehmen können.

Auf der Angebotsseite ist immer eine höhere Transparenz, Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit aller investitionsrelevanten Informationen hilfreich. Außerdem sind für Investoren politische Risiken sehr wichtig. Rückwirkende Eingriffe in den Bestandsschutz sind Gift für die Investitionsbereitschaft.

Eine Reduzierung dieses Risikos in Form einer weiterführenden gesetzlichen Stärkung der legitimen Erwartungen der Investoren zum Zeitpunkt der Investition – insbesondere im Hinblick auf einige Auslandsmärkte – würde sich daher grundsätzlich positiv auf unsere Investitionsbereitschaft auswirken.

Können Sie außer Spanien (mehr darüber hier) weitere Fälle nennen, wo es solche rückwirkenden Eingriffe zu Lasten von Investoren gab?

In Italien haben wir Eingriffe mit ähnlichen Wirkungen gesehen. Konservative Investoren wie die MEAG berücksichtigen solche Risiken ein Stück weit in ihren Renditeberechungen. Heute können wir auch sagen: Diese Länder verstehen, wie private Investoren auf solche Maßnahmen reagieren. Wir sind mit politischen Vertretern regelmäßig in Gesprächen, auch das gehört zu dieser Assetklasse.


"Die Ansprüche von Erneuerbaren Energien sind nach wie vor hoch"

Eine aktuelle Studie von Union Investment zeigt, dass institutionelle Investoren verstärkt in nachhaltige Produkte investieren. Als Kritikpunkt nennen die Profi-Anleger in erster Linie eine mangelnde Transparenz der angebotenen Produkte. Sehen Sie das ähnlich?

Die Ansprüche von Erneuerbaren Energien an die Professionalität der Investoren sind nach wie vor hoch. Große Investoren wie die MEAG, die für Munich Re investiert, kommen damit gut zurecht. Losgelöst davon ist es immer eine Herausforderung, sich in sehr kurzer Zeit für lange Investitionszeiträume ein umfassendes Urteil zu bilden.

In der von Ihnen angesprochenen Studie dürfte auch das Unbehagen von kleineren und mittleren Investoren wie Pensionskassen oder Versorgungswerken zum Ausdruck kommen, alle erforderlichen und nicht standardisierten Informationen schnell und sicher auswerten zu können.

Munich Re will künftig bis zu 8 Milliarden Euro im Segment Infrastruktur und Erneuerbare Energien investieren. Bis wann sollen die Investitionen erfolgen?

Das angestrebte Investitionsvolumen von 8 Milliarden Euro besteht schon seit einiger Zeit. Einen Zeitraum für dessen Erreichung gibt es nicht. Es gilt: Qualität geht vor Quantität. Investitionen tätigen wir in erster Linie direkt, das heißt, nicht indirekt über Fonds. Wir sind bis auf weiteres gerne bereit, in Erneuerbare Energien zu investieren.

Wie viel genau wurde bislang in Erneuerbare Energien investiert?

Etwa ein Viertel wurde bislang investiert. Unter dem Strich zählt nicht das Volumen dieser Investments, sondern das Ergebnis.

Über 90 Prozent der Investitionen von Versicherungen fließen derzeit in Staatsanleihen. Wie hoch ist diese Investitionsquote bei Munich Re?

Munich Re Gruppe ist seit einigen Jahren über 80 Prozent in Anleihen, nicht nur Staatsanleihen, investiert. Das Anleiheportfolio ist sehr breit diversifiziert. Dabei ist der Anteil an Euro-Staatsanleihen aufgrund der extrem niedrigen Zinsen über die Jahre rückläufig.

Herr Pottmann, wir danken Ihnen für die Antworten!
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