02.09.09 Nachhaltige Aktien , Meldungen

„Wir sind gut für die Zukunft gerüstet“ – ECOreporter.de-Interview mit Klaus-Ulrich Henschel, Vorstandschef (CEO) der Biopetrol Industries

Der Biokraftstoffhersteller Biopetrol Industries AG kämpft mit hohen Verlusten (wir Opens external link in new windowberichteten). Zugleich verschlechtern sich die Rahmenbedingungen für die Biotreibstoff-Branche. Wie will das Unternehmen aus dem schweizerischen Zug den Herausforderungen begegnen? ECOreporter.de sprach darüber mit Klaus-Ulrich Henschel, Vorstandschef (CEO) der Biopetrol Industries AG.


ECOreporter.de: Herr Henschel, die Politik in Deutschland hat die Elektromobilität als neues Thema für umweltfreundlichen Verkehr entdeckt. Wo sehen Sie als Biodieselhersteller in den nächsten Jahren Ihr Geschäft?
Klaus-Ulrich Henschel: Wir sind sehr verwundert über diesen neuen Hype der Elektromobilität und fragen uns, ob sich hier bisher niemand die Umweltbilanz und die kommerzielle Seite angeschaut hat.

Elektromobilität kann nur dann nachhaltig sein, wenn sie aus regenerativen Energien kommt. Heute im Markt verfügbare bzw. anvisierte Elektromobile sind Leichtfahrzeuge bzw. Kleinwagen, die einen Verbrauch von 15,5-16,0 kWh/100 km haben, d.h. etwa 6,50 €/100km kosten. Dies sieht zwar auf den ersten Blick sehr niedrig aus, aber jeder Diesel betriebene Kleinwagen würde hier mit maximal 5l/100 km auskommen. Wenn wir nun unseren Biodiesel mit einem vergleichbaren Nettopreis ohne Energiesteuer von rund 0,65 c/l ansetzen, kommen wir auf nur 3,25 €/100km.

Das Elektromobil wird nun gleich mehrfach gefördert, zunächst über die Förderung der Solarenergie und Windenergie, dann sind diese Energien beim Einsatz in Fahrzeugen komplett von der Steuer befreit. Zusätzlich möchte man die Entwicklung dieser Autos selbst auch noch finanziell fördern und den Kauf unterstützen. Wenn man das alles zusammenrechnet, kommt man auf Kosten und einen Förderaufwand der ein Vielfaches dessen beträgt, was ein Dieselmotor mit Biodiesel heute verursacht.
Wir gehen davon aus, dass die Politik diese Tatsachen schnell erkennen wird und nicht unnötig Steuergelder verschwenden wird. Daher sind wir in Bezug auf die Konkurrenz durch Elektromobilität für unsere Zukunft zuversichtlich.


ECOreporter.de: Welchen Umfang hat Ihr Geschäft im europäischen Ausland? Welche Märkte neben dem deutschen sind für das Unternehmen von Bedeutung?
Henschel: Unser Umsatzanteil außerhalb Deutschlands betrug im ersten Halbjahr knapp 50 Prozent. Mittelfristig soll der Anteil auf über 60 Prozent steigen.
Unsere Hauptmärkte sind zurzeit Deutschland und Skandinavien.


ECOreporter.de: Sie sehen die steigenden Nachhaltigkeitsanforderungen an Biokraftstoffe als Wettbewerbsvorteil. Wie sichert Ihr Unternehmen seine diesbezüglichen Standards?
Henschel: Der europäische Biodieselmarkt wurde in den letzten beiden Jahren stark von Importen dominiert, insbesondere von subventioniertem Biodiesel B99 aus den USA. Wobei gar nicht gesagt war, dass der Biodiesel in den USA hergestellt wurde. Die amerikanische Biodieselförderung wurde dazu missbraucht, dass große Seeschiffe – im wesentlichen aus Südamerika und Asien – Biodiesel in Landtanks an die Küsten der USA transportierten, dort die Subvention kassierten, und dann den Biodiesel nach Europa brachten. Keiner kümmerte sich um Nachhaltigkeit oder Nachverfolgbarkeit der Produktkette. Das wird nun bald vorbei sein, und hier sehen wir uns als europäischer Produzent gut gerüstet, diese Nachweise über die Herkunft der Rohstoffe, die Fertigung und Auslieferung zu erbringen und damit echten nachhaltigen Biokraftstoff über die Mineralölgesellschaften an den Endkunden an der Tankstelle zu liefern.


ECOreporter.de: Ein politisches Argument für den Einsatz von Biodiesel ist die Einsparung von CO2. In welchem Umfang kommt dies aktuell zum Tragen und wie leitet sich die Einsparung rechnerisch ab?
Henschel: Aktuell kommt die Einsparung von CO2 im Wesentlichen nur noch über die Beimischung von Biodiesel in den fossilen Diesel zum Tragen. Diese Beimischung beträgt seit Anfang des Jahres sieben Prozent (B7). Bei einem Marktvolumen von etwa 29 Millionen Tonnen Diesel pro Jahr entspricht das etwa einer Biodieselbeimischung von zwei Millionen Tonnen pro Jahr. Dies führt zu einer CO2-Einsparung von fünf Millionen Tonnen CO2 pro Jahr. Die Einsparung von weiteren sieben Millionen Tonnen CO2 pro Jahr wäre möglich, wenn aktuell nicht genutzte, aber verfügbare, Biodieselanlagenkapazitäten für die Produktion von Reinkraftstoff B100 in Betrieb genommen werden würden.


ECOreporter.de: In der aktuellen Krise kämpfen viele Biokraftstoffhersteller ums Überleben. Wie viele Unternehmen werden gestärkt daraus hervorgehen? Wo sehen Sie Ihre stärksten Mitbewerber?
Henschel: Viele Betriebe sind bereits in die Insolvenz gegangen. Der  Konsolidierungsprozess geht sicherlich dieses Jahr und nächstes Jahr noch weiter, bis vier bis fünf der größeren Unternehmen in Europa übrig sind. Denkbar ist allerdings auch, dass die Konzentration in der letzten Phase maßgeblich durch außereuropäische Großkonzerne zu Lasten der europäischen Anbieter vonstatten geht.
Durch unsere im Frühjahr erfolgreich durchgeführte finanzielle Restrukturierung sind wir gut für die Zukunft gerüstet – wenn uns die Politik stabile Rahmenbedingungen gibt.

ECOreporter.de: Herr Henschel, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Biopetrol Industries AG: ISIN CH0023225938 / WKN A0HNQ5
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