06.04.11 Anleihen / AIF

„Wir wollen junge nachhaltige Unternehmen aufbauen“ – Interview mit Volker Weber und Max Thinius, Mama AG.



ECOreporter.de: Was ist Kernkompetenz und Kerngeschäft der Mama AG?

Volker Weber: Das Kerngeschäft der Mama AG besteht darin, nachhaltige Technologien in den Bereichen Erneuerbare Energien, Elektromobilität, natürliche Ressourcen und umweltfreundliche Internetnutzung zu finden. Diese sollen dann entwickelt und in den Massenmarkt gebracht werden. Nachhaltigkeit soll nach unseren Vorstellungen die Herausforderungen der Zukunft beispielsweise im Bereich Energieversorgung oder Mobilität lösen und dafür Produkte anbieten.
Max Thinius: Mama ist ein breit aufgestelltes Unternehmen zur Förderung von Nachhaltigkeit und „gutem Wachstum“. Darüber hinaus haben wir einen Fonds, der Kapital für die Umsetzung nachhaltiger Technologien bereitstellt und Investoren die Möglichkeit gibt an diesem Zukunftsmarkt zu partizipieren. Mama-Mitglieder haben außerdem über den Investment-Club die Möglichkeit, in einzelne Investments, die durch unsere wirtschaftliche und nachhaltige Due-Diligence-Prüfung in mehreren Stufen geprüft wurden, direkt zu investieren.


ECOreporter.de: Welche Strategie verfolgt der Mama Sustainability Fonds 01?

Thinius: Der Fonds hat die Strategie, nachhaltige Ideen oder Geschäftsmodelle zu finden, und zu kommerzialisieren beziehungsweise auch für einen Technologietransfer in Entwicklungs- oder Schwellenländer zu sorgen. Die jungen Unternehmen sollen erfolgreich aufgebaut und dann entweder verkauft oder an die Börse gebracht werden. Der Fonds wird als Private Placement angeboten, das heißt es besteht eine Mindestzeichnungssumme von 125.000 Euro.


ECOreporter.de: Wie werden die Investmentziele ausgewählt und welche Nachhaltigkeitskriterien spielen dabei eine zentrale Rolle?

Weber: Grundlage sind die vier vorbestimmten Investmentbereiche Erneuerbare Energien, Natürliche Ressourcen, Elektromobilität und Green IT. Gerade im Bereich Erneuerbare Energien interessiert uns sehr die nächste Generation technischer Möglichkeiten, wie etwa Höhenwindkraftanlagen, solare Wasserentsalzung, solare Kühlung oder intelligente Lösungen zur Energieeffizienzsteigerung.
Im Bereich der Nachhaltigkeit wenden wir sowohl ökologische wie auch soziale Kriterien entlang der Wertschöpfungskette an. Vor allem die Ökobilanz der Produkte sowie die Verankerung ökologischer Prozesse im Unternehmen sind für uns von großen Interessen ebenso wie der Dialog mit den Anspruchsgruppen des Unternehmens.


ECOreporter.de: Wie funktioniert der Investmentprozess?

Weber: In einer ersten Sichtung ordnen wir eingereichte Projekte den vier vorbestimmten Bereichen zu, aus denen wir Investments tätigen wollen. Für uns interessante Investmentmöglichkeiten werden analysiert und aufbereitet. Anschließend werden diese potentiellen Investments unserem Anlagebeirat vorgestellt, der sich mit der Technik und der Umsetzungsfähigkeit beschäftigt. Nach Freigabe dieses Gremiums steigen wir dann in weitere, tiefere Unternehmensprüfung ein. Am Ende entscheidet das Investment-Komitee über die Beteiligung.


ECOreporter.de: Auf welchen Assetklassen und Regionen liegt der Investmentfokus und woher konkret sollen die Erträge für die Anleger erwirtschaftet werden?

Thinius: Wir haben uns dabei auf Wagniskapital (Venture Capital) spezialisiert, denn unser Fokus liegt klar auf der Frühphasenfinanzierung von Unternehmen. Hier sehen wir das größte Ertragspotenzial für uns und die beste Basis das Thema Nachhaltigkeit im Unternehmen zu verankern, in dem wir schon früh diese Prozesse implementieren. Regional bevorzugen wir Investmentmöglichkeiten im deutschsprachigen Raum und im angrenzenden europäischen Ausland.

Bildnachweis: Max Thinius ist 41 Jahre alt und verheiratet. Er ist Unternehmenssprecher der Mama AG. / Quelle Unternehmen.


ECOreporter.de: Wie viele Unternehmen stehen als Investmentziele fest?

Weber: Bisher sind wir drei Beteiligungen eingegangen. Wir haben allerdings noch einige interessante Favoriten, in die wir in den nächsten Monaten gerne investieren würden. Insgesamt haben wir allein in 2010 über 300 Optionen geprüft. In die unserer Ansicht nach am besten zu uns passenden haben wir investiert – teilweise haben wir auch an andere Investoren Projekte weiterempfohlen, wenn sie in unser Portfolio nicht passen. Insgesamt sehen wir ein Einzelengagement bei maximal 5 Millionen. Euro, die über mehrere Tranchen in das Unternehmen fließen können.

ECOreporter.de: Inwiefern werden diese Projekte weiter unterstützt und welche Rolle spielt die Mama AG dabei?

Thinius: Mit der Expertise von Mama im Bereich Marketing, Kommunikation und Finanzwesen unterstützen wir die Portfoliounternehmen, um sie so in unserem Sinne erfolgreich zu machen. Mama verhält sich also wie eine Mutter – wir ziehen die Kinder groß, um sie irgendwann in die Selbständigkeit zu entlassen.


ECOreporter.de: Wer ist für die Festlegung der Nachhaltigkeitskriterien verantwortlich?


Weber: Für die Festlegung der Nachhaltigkeitskriterien ist die Nachhaltigkeitsabteilung in Abstimmung mit dem Investmentteam zuständig. Dabei achten wir darauf, dass wir vor allem Positivkriterien passieren und messen. Das heißt: was konkret passiert Positives durch die Förderung einer bestimmten Technologie in Bezug auf Umwelt, Gesellschaft, Profit, aber auch gutem Wachstum allgemein.


ECOreporter.de: Wie oft und durch wen werden die Einhaltung der Kriterien überprüft, beziehungsweise  die Kriterien selbst überprüft und überarbeitet?

Thinius: Für jedes Beteiligungsunternehmen erstellen wir eine nachhaltige Due-Diligence-Prüfung. Gleichzeitig erstellen wir einen Fahrplan, um die Nachhaltigkeit im jeweiligen Unternehmen zu verankern. Dies wird jährlich überprüft. Zusammen mit Research-Unternehmen, wie Imug aus Hannover, haben wir einen Kriterienkatalog erarbeitet und die Unternehmensprüfung erstellt.


ECOrepoerter.de: Wer übernimmt das Fondsmanagement und inwiefern kooperiert Mama bei dem Fonds mit welchen Partnern?

Weber: Das Fondsmanagement wird von der Mama Sustainability Fund Management S.à r.l. in Luxemburg übernommen. Sie übernimmt das formale Fondsmanagement. Für das Tagesgeschäft und somit für  die operative Umsetzung konnten wir die Alceda Fund Management S.A. gewinnen, die schon mehr als 130 Fonds betreut. Als Depotbank fungiert die HSBC und die Wirtschaftsprüfung obliegt bei PricewaterhouseCoopers. Alles unter der Aufsicht der Luxemburger Bankenaufsicht CSSF.


ECOreporter.de: Welche Chancen und Risiken birgt der Fonds für Anleger?

Thinius: Der Anleger investiert in absolute Wachstumsfelder der Zukunft. Das Tempo im Bereich Erneuerbare Energien und im gesamten Nachhaltigkeitsbereich wird sich aufgrund der jüngsten Ereignisse deutlich beschleunigen. Hier liegt die große Chance jetzt dabei zu sein.
Da es sich um eine Unternehmensbeteiligung über den Fonds handelt, unterliegen diese den Markteinflüssen.


ECOreporter.de: Herzlichen Dank für das Interview!

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