SMA liefert Wechselrichter für Photovoltaikanlagen, die Solarstrom in netzfähigen Wechselstrom umwandeln. / Quelle: Unternehmen

  Aktientipps

Wird sich die Kursralley der Aktie von SMA Solar fortsetzen?

Im Juli hat sich der Aktienkurs des Wechselrichterherstellers SMA Solar Technology AG aus Niestetal bei Kassel kräftig erholt. Im Xetra gewann er im Monatsverlauf rund 25 Prozent auf über 26 Euro zu. Nach zwischenzeitlicher Kursschwäche liegt der Anteilsschein damit auf Jahressicht leicht um zwei Prozent im Plus.

Dabei hat das Unternehmen zuletzt nicht mit guten Nachrichten aufwarten können - im Gegenteil. Im Juni musste es bekannt geben, dass der Sparkurs verschärft wird und bis 2014 schrittweise 800 der bislang konzernweit 5.600 Mitarbeiter den Wechselrichterhersteller verlassen müssen. Das entspricht einem Stellenabbau um 14,2 Prozent. „Den starken Umsatzrückgang um nahezu 50 Prozent seit 2010 können wir nicht allein durch die bereits laufenden Maßnahmen zur Erhöhung der Produktivität und Materialkosteneinsparungen ausgleichen“, hatte SMA-Vorstandssprecher Pierre-Pascal Urbon hierzu erklärt.

Das Unternehmen leidet unter der aktuellen Schwäche des europäischen Solarmarktes, der durch sinkende Einspeisetarife und Auswirkungen der Eurokrise belastet wird. In 2013 dürfte er sich erstmals seit etlichen Jahren rückläufig entwickeln. Vor allem in Südeuropa wird daher weniger in Photovoltaikprojekte investiert. SMA liefert Wechselrichter für Photovoltaikanlagen, die Solarstrom in netzfähigen Wechselstrom umwandeln. Zudem befindet sich das Unternehmen wegen der Billigkonkurrenz aus Asien in der Klemme. Zwar ist es aufgrund der hohen Qualität seiner Wechselrichter noch immer Weltmarktführer mit einem Marktanteil von 25 Prozent. Vor nicht allzu langer Zeit hatte die Gesellschaft aber noch etwa die Hälfte der Weltweit verbauten  Wechselrichter gestellt.

Angesichts der erschwerten Marktlage hatte SMA Solar in 2012 einen deutlichen Gewinneinbruch hinnehmen müssen. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (EBIT) hatte sich von 240,3 Millionen Euro aus 102 Millionen Euro mehr als halbiert, bei einem Umsatzrückgang um zwölf Prozent auf. 1,5 Milliarden Euro. Für 2013 stellte die Konzernführung bislang einen Jahresumsatz zwischen 900 Millionen und 1,3 Milliarden Euro und ein „ausgeglichenes“ EBIT in Aussicht, allerdings ohne einen EBIT-Verlust für das Gesamtjahr 2013 auszuschließen. Für das erste Quartal des laufenden Jahres hat SMA bereits rote Zahlen verbucht und angekündigt, dass vermutlich auch im zweiten Quartal Verluste erwirtschaftet wurden. Der Quartalsumsatz sei voraussichtlich um mehr als 34 Prozent gesunken. In einer Woche, am 8. August, will der Wechselrichterhersteller seine offizielle Halbjahresbilanz veröffentlichen.

Zuletzt haben die Börsianer offenbar honoriert, dass die SMA-Führung konsequent an der Kostenschraube gedreht hat. Doch eine aktuelle Marktanalyse lässt erwarten, dass die Geschäfte für SMA in Zukunft schwierig bleiben werden. Das US-amerikanische Marktforschungsunternehmen sagt voraus, dass der weltweite Umsatz mit Wechselrichtern in 2013 gegenüber dem Vorjahr um fünf Prozent auf 6,7 Milliarden US-Dollar sinken wird. Zwar werde die weltweite Nachfrage auf über 34 Gigawatt (GW) anwachsen. Dem stehe jedoch ein durchschnittlicher Preisverfall um elf Prozent gegenüber. Zwar werde die Nachfrage im kommenden Jahr weiter steigen und damit zu einem leichten Zuwachs des weltweiten Umsatzes mit Wechselrichtern führen. Aber die globale Nachfrage verschiebe sich stark in junge, aber stark wachsende Solarmärkte wie China und Indien, in denen viele Photovoltaik-Großprojekte geplant würden. Diese Verschiebung lasse die durchschnittlichen Verkaufspreise weiter sinken.

Vor allem vergleichsweise teuren Qualitätsherstellern wie SMA dürfte es kaum gelingen, in diesen Schwellenländern mit Billiganbietern aus Asien zu konkurrieren, die zudem vor Ort viel besser vernetzt sind. Das deutsche Unternehmen war bislang stark von den europäischen Märkten abhängig. Doch die IHS-Studie sagt voraus, dass hier vorerst kein großes Wachstum mehr zu erzielen ist. Die Nachfrage in der Region Europa, Naher Osten und Afrika (EMEA) werde deutlich geringer ausfallen als in anderen Weltregionen. Der Weltmarkt-Anteil der EMEA dürfte laut den Marktforschern von 82 Prozent im Jahr 2010 nun auf 37 Prozent fallen. Das werde Wettbewerb unter den Herstellern in dieser Region zusätzlich anheizen. Gerade in der EMEA-Region sei daher mit Preisrückgängen in allen Wechselrichter-Leistungsklassen zu rechnen.

Gute Wachstumschancen sieht IHS zwar auch in Japan, wo das Preisniveau vergleichsweise hoch liegt. Aber der dortige Markt wird stark von heimischen Herstellern dominiert und SMA ist erst seit Kurzem dort mit einer Niederlassung vertreten. Immerhin könnte die wachsende Zahl an Großprojekten in Japan laut IHS die Chancen für westliche Wechselrichter-Hersteller verbessern. Auch im boomenden Solarmarkt der USA sehen die Analysten von IHS gute Absatzchancen für Wechselrichter-Hersteller. Allerdings muss IHS hier mit der einheimischen Power One konkurrieren. Die hat in den USA nicht nur einen Heimvorteil und kann dort ebenfalls mit guter Qualität punkten. Diese Konkurrentin wird zudem derzeit vom kapitalstarken Großkonzern ABB übernommen (wir berichteten). Sie dürfte daher noch an Schlagkraft gewinnen. Und sie ist schon jetzt ein starker Konkurrent für die Hessen im europäischen Solarmarkt.

Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 8,8 auf Basis der Bilanz für 2012 erscheint die Aktie von SMA derzeit günstig bewertet. Aber es gibt derzeit keine Hinweise dafür, dass das Unternehmen bald wieder auf Wachstumskurs steuern wird. Vielmehr besteht die Gefahr, dass die Konzernführung in der kommenden Woche noch schwächere Zahlen für das erste Halbjahr vorlegen wird als erwartet. Womöglich senkt sie auch die Erwartungen für die kommenden Jahre. Das könnte den Aktienkurs wieder nach unten drücken. Anleger sollten den starken Kurszuwachs im Juli ausnutzen und die Beteiligung jetzt verkaufen.

SMA Solar Technology AG: ISIN DE000A0DJ6J9 / WKN A0DJ6J
Aktuell, seriös und kostenlos: Der ECOreporter-Newsletter. Seit 1999.
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x