22.09.08 Nachhaltige Aktien , Meldungen

Wochenrückblick: Nordex AG in Schwierigkeiten – Absturz von Lehmann Brothers belastet US-Solaraktien – BKN biostrom AG aus Biodieselgeschäft ausgestiegen

Nach zwischenzeitlich starken Einbrüchen haben sich die großen Leitindices zum Ende der vergangenen Woche deutlich erholen können. Daher hielten sich die durch die Bankenkrise in den USA ausgelösten Verluste in Grenzen. Der DAX gab um 0,7 Prozent nach auf 6.189,53 Punkte, der US-amerikanische Dow Jones um 0,3 Prozent auf 11.388,44 Punkte. Der japanische Nikkei verlor 2,4 Prozent auf 11.920,86 Punkte. Ein Barrel Öl der Sorte "Brent Crude Oil" verbilligte sich um 1,2 Dollar auf 98,57 Dollar. Der Preis für eine Tonne Kupfer (Copper Grade A) ist ebenfalls gefallen, um 2,8 Prozent auf 6.900,00 Dollar. Der Euro hat sich gegenüber dem Dollar verteuert, um 1,7 Prozent auf 1,45 Dollar.

Windaktien
Der Norderstedter Windturbinenbauer Nordex AG hat Probleme mit seinen Rotorblättern. Auf Nachfrage von ECOreporter.de erklärte Felix Losada, Sprecher der Nordex AG. „Bei Anlagen des Typs S77 sind eine Handvoll Rotorblätter abgebrochen. Dabei handelt es sich um Flügel aus unserer eigenen Produktion in Rostock.“ Man sei noch dabei, die Ursachen der Abbrüche zu klären. Nordex werde aller Voraussicht nach den Ertragsausfall der betroffenen Windparkbetreiber übernehmen. Laut einer Agenturmeldung könnten 50 Windkraftanlagen der Nordex AG von den Problemen mit den Rotorblättern betroffen sein. Das würde bedeuten, dass das Unternehmen voraussichtlich nicht mit den als Rückstellung für den Schaden bereit gestellten fünf Millionen Euro auskommen würde.

Mit 91 Windkraftanlagen vom Typ AE-61 soll die Gamesa-Tochter Made zwei Windparks in Tunesien ausstatten. Auftraggeber ist das einheimische Energieunternehmen Société Tunisienne de L'Electricité et du Gaz (STEG). Das Volumen des Auftrags für die Tochtergesellschaft bezifferte Gamesa mit 200 Millionen Euro.

Solaraktien
Noch bis zum 24. September läuft die Zeichnungsfrist für den Börsengang des Schweizer Solarunternehmens Edisun Power Europe AG. Die Preisspanne für die Aktien der Züricher Betreiberin von Solarstromanlagen beträgt 105 bis 125 Schweizer Franken (CHF) je Stück. Sie werden voraussichtlich am 26. September erstmals an der Schweizer Börse (SIX Swiss Exchange) gehandelt. Die Edisun Power Gruppe verfügt über 50 Solarstrom-Anlagen mit einer installierten Gesamtleistung von 4,8 Megawatt (MW).

Der Finanzvorstand des Solarunternehmens Colexon Energy AG will seinen Posten aufgeben. Laut der Hamburger Projektierungsgesellschaft für schlüsselfertige Solargroßanlagen hat sich Dr. Volker Wingefeld mit dem Aufsichtsrat „darauf verständigt, über eine kurzfristige Aufhebung seines Vorstandsvertrages zu verhandeln“. Details und Zeitpunkt der Aufhebung sowie ein potenzieller Nachfolger für die Position des Finanzvorstands stünden noch nicht fest. Als Grund dieser dem Unternehmen zufolge einvernehmlichen Entscheidung wurden zum einen persönliche Gründe genannt. Zum anderen räumte das Unternehmen „unterschiedliche Auffassungen über die weitere Strategie“ ein.

Über ihr Tochterunternehmen Global Expertise Wafer Division Ltd. (GEWD) hat die Solar-Fabrik AG einen Wafer-Liefervertrag mit der südkoreanischen Smart Applications Co. abgeschlossen. Laut dem Freiburger Solarunternehmen hat der Vertrag ein Gesamtvolumen von 120,7 Millionen US-Dollar und eine Laufzeit von sechs Jahren. Die Lieferungen sollen im Januar 2009 beginnen. Mit dem aktuellen Vertragsabschluss werde der vor kurzem geplatzte Siliziumliefervertrag mit der chinesischen Siliziumproduzentin Hoku Scientific bereits in 2009 überkompensiert, so die Solar-Fabrik weiter. Das Umsatzpotenzial der Order bezifferte das Unternehmen für 2009 mit rund 16 Millionen Dollar.

Das Fürther Solarunternehmen Sunline AG hat seine Halbjahreszahlen veröffentlicht. Demnach wurde der Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) auf 0,9 Millionen Euro mehr als verdoppelt. Allerdings lag das Nettoergebnis mit 0,08 Millionen Euro unter den 0,2 Millionen Euro des Vorjahreszeitraums. Der Vorstand der Sunline AG stellte für das 2. Halbjahr eine Verbesserung von Ergebnis und Umsatz in Aussicht. Er untermauerte dies mit dem Hinweis auf einen hohen Auftragsbestand, der teilweise bis ins Jahr 2010 reiche. Das Ergebnis des Vorjahres von 0,15 Euro je Aktie werde man deutlich übertreffen. Beim Umsatz rechnet Sunline mit einem Zuwachs im Gesamtjahr von knapp 50 Millionen auf 80 bis 100 Millionen Euro. Der Umsatz des Vorjahres wurde dem Unternehmen zufolge bereits im 1. Halbjahr 2007 erreicht.

Außer Blu-ray-Maschinen will der fränkische Spezialmaschinenbauer Singulus fortan nur noch Solartechnik anbieten. Wie das Unternehmen bekannt gab, steigt es aus allen übrigen Aktivitäten aus. Das habe Abschreibungen in Höhe von 41,2 Millionen Euro zur Folge. Dennoch werde man in diesem Geschäftsjahr ein positives Ergebnis erzielen, allerdings nur ohne Einmalkosten. Von der Beschränkung der Geschäftsaktivitäten erhofft sich die Singulus-Führung in den Jahren 2009 und 2011 Kosteneinsparungen in Höhe von 15,8 Millionen Euro.

Die PVA TePla Danmark hat einen Auftrag von der chinesischen Hoku Materials über die Lieferung von Kristallzucht- und Analyse-Systemen erhalten. Die Order für die dänische Niederlassung der PVA TePla AG beläuft sich deren Angaben zufolge auf rund fünf Millionen Euro. Die Anlagen will Hoku für die Produktion von Rohsilizium am Standort Pocatello in den USA einsetzen.

Bei der ebenfalls chinesischen Tianwei New Energy Wafer Co. hat die Hoku-Tochter Hoku Scientific Solarsilizium im Auftragswert von 284 Millionen Dollar bestellt. Über das Liefervolumen der Order mit zehnjähriger Laufzeit wurden keine Angaben gemacht.

Im chinesischen Yangzhou will die Suntech Power Holdings aus dem benachbarten Wunxi eine weitere Produktionsstätte errichten. Ab Ende 2009 soll dort die Fertigung von Solarzellen und -modulen mit eine Kapazität von 300 MW pro Jahr beginnen. Die Gesamtproduktion des Solarkonzerns würde damit in 2009 auf 1,4 Gigawatt (GW) steigen.

Der Bankrott der US-Bank Lehman Brothers wirkte sich auch auf US-amerikanische Solarunternehmen aus. So brachen die Aktienkurse der kalifornischen Sunpower und von Evergreen Solar aus Massachusetts ein, weil sie über Kapitalmaßnahmen mit der Investmentbank verbunden sind. Wie Sunpower mitteilte, haben die Kalifornier im Februar 2007 eine Wandelanleihe begeben und diese abgesichert, indem an die britische Tochter von Lehman Brothers knapp drei Millionen Aktien verliehen wurden. Je Aktie habe man eine Leihgebühr von 0,001 Dollar erhalten. Weitere Verpflichtungen habe Lehman Brothers bei dem Geschäft nicht mit Sunpower verabredet. Weder die Bank noch deren britische Tochter LBIE seien bei dem Solarunternehmen investiert, auch seien keine finanziellen Mittel des Unternehmens bei diesen Häusern gebunden. Sollte die in Großbritannien ebenfalls unter Behördenaufsicht gestellte und damit faktisch dito bankrotte LBIE ihre vertraglichen Verpflichtungen im Rahmen der Wandelanleihe nicht erfüllen können, so müssten die knapp drei Millionen Wertpapiere an Sunpower zurückgegeben werden, erklärte das Solarunternehmen.

Für die Solarzellenproduzentin Evergreen Solar hatte die insolvente Investmentbank die Ausgabe von Wandelanleihen im Wert von rund 374 Millionen Dollar begleitet. Mit den Einnahmen daraus wollte das Unternehmen den Ausbau seiner Produktion in Devens finanzieren. Im Gegenzug lieh Evergreen Solar der Bank knapp 31 Millionen Aktien. Laut Evergreen Solar wurden die Vereinbarungen über die Wandelanleihe mit Unternehmen getroffen, an denen Lehman Brothers nur Beteiligungen halte, die selbst aber nicht vom Bankrott der Bank betroffen seien. Man verfüge weiterhin über genügend flüssige Geldmittel, um den Ausbau der Produktion in Devens abzuschließen und die Maßnahmen zu finanzieren, mit der man 2009 in die Gewinnzone vordringen wolle.

Auch die seit 2007  börsennotierte Solarzellenproduzentin JA Solar Holdings aus China hatte sich bei der Emission von Aktien in den USA auf ein Ausleihgeschäft mit Lehman Brothers eingelassen. Wie deren Finanzvorstand Daniel Lui erklärte, droht dem Unternehmen die Abschreibung eines Investments von 7,5 Millionen Dollar. Zudem habe man mit einer niederländischen Tochter der Investmentbank ein Leihgeschäft über 100 Millionen Dollar abgeschlossen. Diese Tochtergesellschaft sei nicht insolvent gemeldet worden.

Der US-amerikanische Solarausrüster Spire Corporation aus Bedford in Massachusetts soll eine halbautomatische Anlage zur Produktion von Solarmodulen mit einer Jahreskapazität von zwölf MW nach Indien liefern. Die Order stammt von der GreenBrilliance, einem Solarunternehmen mit Hauptsitz im US-Bundesstaat Virginia. Das Auftragsvolumen gab der Solarausrüster nicht bekannt.

Die Tempress Systems Inc., eine Tochtergesellschaft des US-amerikanischen Solarausrüsters Amtech Systems, hat Großaufträge von zwei ungenannten Kunden aus Asien erhalten. Wie die Muttergesellschaft mitteilte, handelt es sich um Nachfolgeaufträge im Gesamtwert von neun Millionen Dollar.

Bioaktien
Die BKN biostrom AG hat ihre Biodieselanlage in Bokel an die britische BF Oils Ltd. veräußert. Mit dem Verkauf dieser Multi-Feedstock-Anlage ist sie aus dem Biodieselgeschäft ausgestiegen. Fortan will sie sich auf das Geschäft der Projektentwicklung von Biogasanlagen konzentrieren. Über die Höhe des Kaufpreises wurde Stillschweigen vereinbart.

Für das 3. Quartal droht dem US-Ethanolunternehmen VeraSun ein Verlust in Höhe von 63 bis 103 Millionen Dollar bzw. 40 bis 65 Cents je Aktie. Das ist einer Stellungnahme der Gesellschaft an die US-Börsenaufsicht zu entnehmen. Es führt dies auf die Verteuerung von Getreide zurück, dem Rohstoff für die Ethanolproduktion. Dennoch startete die Ethanolproduzentin die Ausgabe von 20 Millionen jungen Aktien. Sie erhofft sich daraus Einnahmen von rund 100 Millionen Dollar.

Der Ethanolhersteller Aventine Renewable Energy aus Pekin im US-Staat Illinois hat auf einen möglichen Liquiditätsengpass hingewiesen. Mehrere Faktoren könnten laut dem Unternehmen dazu führen, dass es die letzte Rückzahlung eines 131 Millionen Dollar Kredits in Höhe von 50 Millionen Dollar nicht finanzieren kann. Etwa ein weiterer Anstieg der Getreidepreise oder ein Verfall der Preise für Ethanol, das Aventine aus Getreide erzeugt. Daher erwägt die Gesellschaft, neue Kredite aufzunehmen oder Aktien zu emittieren. Eine weitere Option sei es, den Ausbau der Produktionskapazitäten zu verschieben.

Eine Tochter des niederländische Biogasanlagenherstellers Archea Biogas N.V. Eindhoven hat einen Auftrag im Wert von 2,5 Millionen Euro erhalten. Die swb Services GmbH & Co.KG bestellte bei ihr eine Biogasanlage mit 536 Kilowatt (kW) Leistung.

Andere Aktien
Der US-amerikanische Biokaffeeröster Green Mountain Coffee Roasters will seine Produkte fortan auch an der Westküste der Vereinigten Staaten anbieten. Dafür hat das Unternehmen aus dem Ostküstenstaat Vermont die Marke und Vertriebssparten der in Seattle ansässigen Tully Coffee Corp. erworben. Diese veräußerte Teile des Unternehmens für 40,3 Millionen Dollar in cash. Ferner wurde Leasingvertrag über den Erwerb des in Seattle ansässigen Produktions- und Lieferzentrums von Tully durch Green Mountain abgeschlossen.

Die Düsseldorfer M.A.X. Automation AG hat den größten Einzelauftrag in ihrer Konzerngeschichte erhalten. Nach ihren Angaben wurde die Tochtergesellschaft Altmayer Anlagentechnik von RWE Power mit dem Engineering, der Lieferung, der Montage sowie der Inbetriebnahme eines kompletten Systems zur Entsorgung von Feuerraumasche in den beiden neuen Blöcken des Kraftwerks Westfalen in Hamm beauftragt. Das Auftragsvolumen betrage rund 8,5 Millionen Euro. Weiter teilte M.A.X. Automation AG mit, dass ihre Tochtergesellschaft Bartec Dispensing Technology in den Markt für Imprägnieranlagen eingestiegen ist. Sie habe dafür „werthaltige Vermögensgegenstände aus der Insolvenz des italienischen Spezialanbieters Mazzali Systems übernommen“. Dazu zählten etwa Patente, Maschinendokumente, Kundenkontakte sowie der Markennamen 'Mazzali'.
Bildhinweise: Windräder von Nordex / Quelle: Unternehmen; Solarwafer / PV Chrytalox; Solarprodukte von Sunpower / Quelle: Unternehmen; Biogasanlagen der BKN biogas AG.


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