Solarpark mit Modulen von Yingli. / Quelle: Unternehmen

08.06.15 Aktientipps , Nachhaltige Aktien , Meldungen

Yingli weiter im Minus - Solaraktie dennoch mit Potential?

Der kriselnde Photovoltaik-Riese Yingli Green Energy hat abermals eine schwache Zwischenbilanz veröffentlicht. Dennoch hat die Aktie des Solarkonzerns deutlich an Wert gewonnen. In Frankfurt sparng sie um über 20 Prozent auf 1,1 Euro. Wie ist das zu erklären?

Schließlich hat der zweitgrößte Solarhersteller der Welt nunmehr seit vier Jahren durchweg rote Zahlen gemeldet. Wie das Unternehmen aus Baoding nun bekannt gab, ist der Verlust im ersten Quartal 2015 deutlich angestiegen. Der Nettoverlust kletterte von 55 auf 58,6 Millionden US-Dollar. Der Quartalsumsatz verbesserte sich dagegen von 408,8 Millionen auf 469Millionen Dollar. Die Auslieferungen erhöhten sich um knapp 20 Prozent auf 754 Megawatt (MW). Weil die stark ausgebaute Produktion allerdings schwächer ausgelastet war als im Vorjahreszeitraum und die Kosten wuchsen, ist das Minus dennoch angewachsen.

Für das zweite Quartal rechnet die Konzernführung mit Auslieferungen im Umfang von 720 bis 750 MW. Im Gesamtjahr 2015 sollen sie sich auf 3.600 MW belaufen. Davon seien bis zu 600  MW für konzerneigene Photovoltaikprojekte vorgesehen, erläuterte Liansheng Miao, Chairman und Chief Executive Officer (CEO) von Yingli Green Energy. Bei der Vorlage der Jahresbilanz für 2014 hatte er für das neue Geschäftsjahr noch Auslieferungen im Umfang von 4.000 MW in Aussicht gestellt.

Bekommt Yingli die Schuldenlast in den Griff?


Diese Kürzung der Prognose nimmt Mahesh Sanganeria, Analyst von RBC Capital Markets, allerdings positiv auf. Er interpretiert dies als Zeichen, dass der Konzern bei der Produktion, die er in den letzten Jahren massiv ausgebaut hat, endlich auf die Bremse treten will. Finanzchef Yiyu Wang habe auf einer Konferenz mit Analysten für die zweite Jahreshälfte deutliche Verbesserungen bei der Profitabilität angekündigt. Den enormen Ausbau der Produktion hatte der Solarkonzern auf Pump finanziert. Seine Schuldenlast ist nach eigenen Angaben auf über zwei Milliarden US-Dollar angewachsen. Schon Mitte Oktober 2015 muss das Unternehmen eine Milliarde Dollar bedienen. Finanzchef Yiyu Wang hat offenbar glaubwürdig versichert, dass Yingli diese Verpflichtung erfüllen kann. Die Mittel dafür werde man aus dem umfangreichen Verkauf von Liegenschaften aufbringen, der im August oder September abgeschlossen werde.

Damit ist es dem Solarkonzern gelungen, die Börsianer soweit zu beruhigen, dass deren Befürchtungen, dass bald die Zahlungsunfähigkeit droht, vorerst besänftigt sind. Doch selbst wenn Yingli tatsächlich im Herbst des laufenden Jahres das Milliarden-Darlehen bedienen kann, ist dessen mittelfristiger Fortbestand angesichts weiter hoher Schulden noch immer gefährdet. Ressorcen wie der Landbesitz sind dann aufgebraucht. Und es fehlen die Mittel, um wie die Konkurrenz weiter massiv in den Ausbau eines margenträchtigen Projektgeschäftes zu investieren, das zudem helfen könnte, die aufgeblasene Produktion besser auszulasten. Daher empfiehlt ECOreporter.de weiterhin den Verkauf der Aktie.

Yingli Green Energy: ISIN US98584B1035 / WKN A0MR90
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