Solarzellenproduktion von SolarWorld. / Quelle: Unternehmen

17.06.13 Aktientipps , Nachhaltige Aktien , Meldungen

Zieht die SolarWorld AG den Kopf aus der Schlinge?

Gerüchte über eine Rettung der kriselnden SolarWorld AG haben deren Aktienkurs heute nach oben getrieben. Bis 11:30 Uhr sprang die Aktie im Xetra um rund 22 Prozent auf 0,84 Euro. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte unter Berufung auf einen Insider gemeldet, dass sich der Solarkonzern mit rund 98 Prozent der Schuldscheingläubiger auf ein Sanierungskonzept verständigt habe. Demnach wird Qatar Solar Technologies groß einsteigen und eine Wandelanleihe über 200 Millionen zeichnen und dafür ein großes Aktienpaket erhalten. Damit verdichten sich die Hinweise auf die Beteiligung dieses Investors aus Katar, über die ECOreporter bereits Anfang Mai berichtet hatte.

Mit dem angestrebten Engagement der Katarer könnte die SolarWorld AG rund zwei Drittel ihrer mehr als 900 Millionen Euro Schulden tilgen. Zugleich würde Firmengründer und Vorstandschef Frank Asbeck weiter den Solarkonzern beherrschen können. Denn laut den bekannt gewordenen Plänen könnte er schrittweise einen Aktienanteil von bis zu 49,9 Prozent erhalten und damit ebenso viel wie der neue Großinvestor Qatar Solar Technologies, an dem SolarWorld eine Minderheitsbeteiligung hält. Die Araber sollen zunächst für mehr als 30 Millionen Euro knapp 25 Prozent der Anteile am Solarkonzern und können dann ihre Minderheitsbeteiligung aufstocken, erklärte eine mit den Verhandlungen vertraute Person der Nachrichtenagentur. Asbeck wolle ebenfalls Millionen zuschießen und können anfangs gemeinsam mit anderen Vorständen für weniger als zehn Millionen Euro 15 Prozent an Solarworld erhalten, um dann weiter zuzukaufen. Mit diesem Geld würden die Anleihengläubiger bedient.

Der Solarkonzern plant einen Schuldenschnitt, durch den die ausstehenden Anleihen zu 60 Prozent in Aktien gewandelt werden und die Gläubiger die übrigen 40 Prozent als Anleihen weiter halten. Damit würde sich die Schuldenlast von SolarWorld auf rund 300 Millionen Euro verringern. Laut Reuters haben mittlerweile 98 Prozent der Schuldscheingläubiger diesem Konzept zugestimmt. Dazu zählt zum Beispiel der Hedgefonds Strategic Value Partners (SVP), der einen Großteil der Anleihen aufgekauft hat.

Hauptverlierer dieser Rettungsstrategie sind die Altaktionäre Denn dieses Konzept geht mit einer Kapitalherabsetzung um rund 95 Prozent einher. Doch schon heute und trotz des aktuellen Kurssprungs besitzt der Anteilsschein nur noch einen Bruchteil seines einstigen Wertes. Schließlich ist es erst rund zwei Jahren her, dass er noch mit zwölf Euro gehandelt worden war. Doch wer jetzt in die Aktie der SolarWord einsteigt, könnte von einer Rettung des Unternehmens profitieren. Denn es würde dann wohl nicht länger ein Pennystock bleiben, also unter der Marke von einem Euro notieren.

Noch aber ist die sich jetzt anbahnende Rettung nicht in trockenen Tüchern. Konzernchef Asbeck wollte die Reuters-Meldung auf Anfrage nicht bestätigen und kündigte dazu lediglich eine Erklärung für die kommenden Tage an. Und erst am 11. Juli findet die außerordentliche Hauptversammlung der SolarWord AG statt, die den Plänen zustimmen muss. Wenige Tage zuvor unternimmt die Gesellschaft einen zweiten Versuch, die offizielle Zustimmung der Anleihegläubiger zu erhalten. Am 8. und 9. Juli muss es der SolarWorld dafür gelingen, beschlussfähige Gläubigerversammlungen durchzuführen. Damit war sie im Juni gescheitert (auch darüber haben wir berichtet).

Und selbst dann muss es der Solarkonzern erst einmal schaffen, wieder profitabel zu wirtschaften. Das gelingt derzeit keinem Unternehmen, das so stark wie die Bonner auf die Produktion von Photovoltaikkomponenten setzt. Davon wird es aufgrund der jahrelangen Überproduktion noch lange viel zu viele auf dem Weltmarkt geben, so dass die Preise geringer sind als die Kosten für die Produktion. Die Preise dürften sich durch die Strafzölle auf Solarprodukte aus China, die vor einem Jahr in den USA und jetzt auch in der EU eingeführt wurden, zwar stabilisieren. Deutlich Preisanstiege sind davon aber nicht zu erwarten und die Konkurrenz aus China dürfte weniger stark davon getroffen werden als Asbeck offenbar hofft.

Denn zum einen hat die Regierung in Peking bereits mit einer attraktiven Solarförderung in der Volksrepublik reagiert, von der die einheimischen Solarhersteller sehr stark profitieren und westliche Konkurrenten fast gar nicht. Zum anderen gelingt es ihnen immer besser, durch die Auslagerung von Produktion die Strafzölle zu umgehen und so weiterhin Wettbewerber wie SolarWorld unter Druck zu setzen. Ein Beispiel dafür ist Suntech, die heute bekannt gab, inwiefern sie in Europa Solartechnik anbieten kann, ohne Strafzöllen zu unterliegen (per Mausklick gelangen Sie zu der Unternehmensmitteilung hierzu).

Im operativen Geschäft hat SolarWorld für die ersten drei Monate des laufenden Jahres 36,2 Millionen Euro Verlust vor Steuern und Zinsen verbucht. Das gab der Solarkonzern Ende Mai bekannt. Im April hatte er für das Geschäftsjahr 2012 gar ein Minus von etwa einer halben Milliarde Euro gemeldet.

SolarWord AG: ISIN DE0005108401 / WKN 510840
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