Dr. Bernd Köhler ist Vorstandsvorsitzender der Phoenix Solar AG. Der promovierte Betriebswirt verfügt über mehr als zehn Jahre Erfahrung in verschiedenen kaufmännischen und produktionsorientierten Führungspositionen sowie in internationaler Geschäftsverantwortung. Er hat mehrere Turnarounds erfolgreich umgesetzt und kann auf Knowhow in der Unternehmensfinanzierung zurückgreifen. / Quelle: Unternehmen

15.08.14 Nachhaltige Aktien , Meldungen

„Zölle trocknen das Geschäft der Solarhersteller aus“ - Dr. Bernd Köhler, Phoenix Solar AG

Die Phoenix Solar AG hat im ersten Halbjahr des laufenden Jahres einen massiven Umsatzeinbruch erlitten und die Gesamtjahrsprognose gekappt. Speziell das US-Geschäft lief nicht wie gewünscht (mehr lesen Sie  hier). Im ECOreporter.de-Interview spricht der Vorstandsvorsitzende Dr. Bernd Köhler über die strategische Ausrichtung auf den Kernmärkten der Phoenix Solar AG in den USA und in Asien. Außerdem bezieht er Stellung zum Photovoltaik-Handelsstreit zwischen China und den USA und dazu, wie Importzölle das Geschäft verändert haben.

ECOreporter.de: Mit dem Verkauf der Service-Sparte in Ulm hat die Phoenix Solar AG ihr Kerngeschäft vollständig ins Ausland verlegt. Welche Länder stehen im Fokus?

Dr. Bernd Köhler:  Der Schwerpunkt liegt ganz klar auf internationalen Märkten. Wir konzentrieren uns seit rund anderthalb Jahren auf die Wachstumsregionen in den USA und in Asien - zum einen weil wir dort ein viel versprechendes Marktumfeld vorfinden, zum anderen weil wir in diesen Gebieten bereits seit einigen Jahren erfolgreich aktiv sind - mit unseren Tochtergesellschaften in Kalifornien seit 2010, in Singapur seit 2006 und im Oman seit 2009.


ECOreporter.de:  Die USA zählen zu den Solarmärkten, in denen Photovoltaik boomt. Was hat das US-Geschäft der Phoenix Solar AG zuletzt gebremst und was macht sie für die Zukunft am US-Markt optimistisch?

Köhler:  Der US-Markt für Solaranlagen zählt zu den interessantesten und wachstumsstärksten der Welt. Wir sind seit 2010 dort aktiv und gehen unverändert davon aus, dass wir in USA dauerhaft und erfolgreich Geschäft machen können - denn unsere US-Kollegen sind für eine Vielzahl mittelgroßer Projekte im Bietverfahren, teilweise in Vertragsverhandlungen, haben ein breites Erfahrungsspektrum und gute Referenzen vorzuweisen. Dass es im ersten Halbjahr 2014 zu einer ungewöhnlichen Häufung von Verzögerungen seitens einiger potenzieller Kunden kam, konnten wir weder ahnen noch beeinflussen.


ECOreporter.de: Welches US-Marktsegment hat größeres Potenzial Freiflächen- oder Dachsolaranlagen?


Köhler:  Das muss man differenziert sehen. Der Markt für gigantische Freiflächenanlagen von mehr als 100 Megawatt peak (MWp) scheint sich langsam zu schließen, kleine Dachanlagen werden in USA häufig von spezialisierten Anbietern verleast - in der Mitte dazwischen bieten sich große Möglichkeiten für beide Systemarten. Aber an vielen Orten in den USA ist Fläche nicht der knappe Faktor, daher haben Freiflächenanlagen wohl die Nase vorn.


ECOreporter.de: Wie bewerten Sie die Handelsstreitigkeiten zwischen China und den USA? Sind Importzölle und Einfuhrbeschränkungen sinnvoll oder kontraproduktiv?

Köhler:  Das kommt immer darauf an, für wen! Der Hersteller, der für diese Zölle plädiert, mag möglicherweise kurzfristig seine Absatzchancen vergrößern.  Wir stellen fest, dass dadurch die Rentabilität für die Investoren geschmälert wird und folglich Markteinbußen zu verzeichnen sind. Wir sehen aufgrund der Zölle zum Beispiel in Frankreich oder in den USA deutliche Dämpfer fürs Geschäft. Abgesehen also von der prinzipiell fragwürdigen Einschränkung des Wettbewerbs trocknen diese Zölle tendenziell also auch das Geschäft der Hersteller aus. In Summe halten wir die Beschränkungen für kontraproduktiv.


ECOreporter.de: Wie wirkt sich der Handelsstreit auf das Alltagsgeschäft der Phoenix Solar AG in den USA aus?

Köhler:  Wenn das Preisniveau auf der Modulseite steigt, fallen die Renditen auf Seite der Investoren und Bauherren - auch das führt zu Verzögerungen bei möglichen Vertragsabschlüssen, teilweise auch dazu, dass geplante Vorhaben gar nicht realisiert werden. Dem gegenüber sind wir gefordert, auf der Beschaffungsseite unsere Lieferanten stärker in die Pflicht zu nehmen.


ECOreporter.de: Phoenix Solar ist auch in Südostasien beispielsweise in Thailand aktiv. Das Land war zuletzt politisch instabil, beeinträchtigt ein solches politisches Umfeld die Geschäfte als Solarunternehmen?

Köhler:
  Selbstverständlich sind unruhige Zeiten kein gutes Umfeld für langfristige Investitionen wie die in Solarkraftwerke. Andererseits ging und geht das Leben auch dort weiter und die neue Regierung hat erklärt, sich wie die Vorgängerregierungen für die erneuerbaren Energien einzusetzen. Wir haben Anfang des Jahres, als die Auseinandersetzungen auf dem Höhepunkt waren, dennoch Aufträge erhalten und abgearbeitet, und wir sehen dort weiter gute und noch wachsende Potenziale. Das gilt auch für die anderen Hauptabsatzgebiete, Singapur, Malaysia und die Philippinen, die auch politisch stabiler sind.


ECOreporter.de: Immer mehr große chinesische Hersteller wenden sich dem Projektgeschäft zu und sind so in vor allem in Asien aktiv. Wie kann sich Phoenix Solar als vergleichsweise kleiner Marktakteur gegen solche Konkurrenz behaupten?


Köhler:  Auf wachsenden Märkten ist Platz für viele Teilnehmer. Wir versuchen, unsere Stärken ins Feld zu führen: Vor allem sind wir herstellerunabhängig und können den Kunden jeweils die Lösung mit dem besten Preis-Leistungsverhältnis anbieten. Die Hersteller hingegen haben ein anderes Ziel: Möglichst viel möglichst margenträchtig abzusetzen. Außerdem setzen wir auf große Erfahrung, Präsenz und Vernetzung vor Ort und auf eine Nähe zum Kunden, die für Großanbieter häufig schwer zu erlangen ist. Insofern haben wir vielleicht gerade als kleiner Marktakteur ganz gute Aussichten.

ECOreporter.de: Herzlichen Dank für das Gespräch, Herr Dr. Köhler.

Phoenix Solar AG: ISIN DE000A0BVU93 / WKN A0BVU9
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