05.03.13 Erneuerbare Energie

Zu teuer? - Forscher empfehlen, die Offshore-Windkraft zu bremsen

Deutschland könnte bei der Energiewende jährlich Milliarden sparen, wenn beim Technologiemix neue Prioritäten gesetzt würden. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Aachener Beratungsunternehmens Cosentec und des Fraunhofer Instituts für Windenergie und Systemtechnik. Die Forscher empfehlen, weniger stark auf Offshore-Windkraft zu setzen und den Ausbau der Windstromproduktion aus See langsamer zu betreiben, als die Pläne der Bundesregierung es aktuell vorsehen. So könne jährlich zwei Milliarden Euro eingespart und die Energiewende dennoch vollzogen werden.

Offshore-Windräder sind größer und leistungsstärker als Anlagen an Land. Und auf dem Meer wehen konstantere Winde. Der Studie zufolge ist Offshore-Windkraft aber derzeit noch zu teuer, um diesen Vorteil gegenüber den dezentralen Erneuerbaren Energien zu Lande auszuspielen. Um die selbe Strommenge an Land zu produzieren wie zu Wasser müssten zwar deutlich mehr Windräder aufgestellt, dies wäre aber dennoch billiger, so die Studienautoren. „Durch die Unterschiede bei den Investitionskosten ergebe sich die Kostenersparnis zwischen 1,9 und 2,5 Milliarden Euro, heißt es in der Studie. Dabei gehe es nicht darum, die Offshore-Windkraft zu stoppen, sondern darum, das anvisierte Ausbautempo zu drosseln und die Technologie weiterzuentwickeln.

In der Branche gibt es ein positives Echo auf die neuen Forschungsergebnisse „Unsere Erfahrungen als Investor und Projektierer für verschiedene Onshore-Windkraftprojekte legen nahe, dass regionale Energieversorgung und intelligente Stromverteilung den Zeithorizont und die Kosten für den Netzausbau deutlich entschärfen können“, sagt Klaus Josef Lutz, Vorstandsvorsitzender des Mischkonzerns BayWa AG, der seine Windkraft-Aktivitäten in den vergangenen Jahren massiv erweitert hat. „Der regionale Ausbau von Onshore-Windanlagen muss Priorität haben, wollen wir die Energiewende wirtschaftlich verträglicher gestalten“, fordert Lutz.

Eine weitere aktuelle Studie der Boston Consulting Group (BCG) warnt vor Finanzierungsengpässen beim Ausbau der Offshore-Windkraft bis 2020 (mehr dazu lesen Sie Opens external link in new windowhier). Das Kernproblem sehen die US-Forscher vor allem darin, dass die großen Energieversorger derzeit 77 Prozent der Investitionskosten trügen. Hochgerechnet auf die bis 2020 für Europa formulierten Ziele könne dies einzelne Konzerne überfordern.

Cosentec und das Fraunhofer Institut widersprechen in ihrem neuen Report einer zweiten, ebenfalls von der Bundesregierung präferierten These. Der nämlich, dass Grünstromkraftwerke dort errichtet werden müssten, wo die besten natürlichen Voraussetzungen für die jeweilige Technologie herrsche – also Wind im Norden und Sonne im Süden Deutschlands. Ein vielfach dabei nicht berücksichtigter Faktor sei, dass so jeweils Grünstromüberkapazitäten in den einzelnen Regionen geschaffen würden, die mit teuren Stromnetzen oder Reservekraftwerken ausgeglichen werden müssten. Stattdessen plädieren die Forscher dafür, die Grünstromanlagen „nah am Verbraucher“ über das gesamte Bundesgebiet verteilt zu errichten. Damit wäre die Ökostromausbeute zwar geringer, zugleich würde jedoch der Drück beim Bau neuer Stromleitungen kleiner.

Die aktuellen Pläne der vier großen Netzbetreiber sehen vor, in Nord- und Ostsee 2150 Kilometer neue Stromnetze zu verlegen, um den Offshore-Windstrom aus aus größtenteils noch in Planung oder im Bau befindlichen Kraftwerken an Land bringen zu können. Das soll in den kommenden zehn Jahren 22 Milliarden Euro kosten. Das Konsultationsvefahren zu diesen Plänen soll in Kürze starten. Dann haben interessierte Bürger sechs Wochen Zeit, sich mit den Plänen auseinanderzusetzen.
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