14.07.04

"Zur Qualität von Nachhaltigkeitsratings - zwischen Anspruch und Wirklichkeit" - Autorin: Franziska Jahn

Die Moralbewahrer in der Wirtschaft, die Öko-, Nachhaltigskeits- und Ethikrating-Agenturen - werden sie ihrem eigenen Anspruch nicht gerecht? Wer den Buchtitel "Zur Qualität von Nachhaltigkeitsratings - zwischen Anspruch und Wirklichkeit" liest, wird so etwas erwarten. Die Autorin Franziska Jahn hat den Agenturen vor allem eins vorzuwerfen: mangelnde Transparenz in eigener Sache. "Besonders mit Blick auf die in der ethisch-ökologischen Unternehmensbewertung angewandten Kriterien muss die Verfasserin nach der Durchführung der Datenerhebung feststellen, dass ein Grossteil der Agenturen in diesem Bereich keine Transparenz zulässt", schreibt sie. "So wurde auf die Frage, ob dem Reserach oder Rating ein anerkannter Leitfaden zu Grunde liege, zwar von 64% der befragten Agenturen (ECOreporter.de-Anmerkung: Es antworteten 15 Agenturen) mit einem JA beantwortet, jedoch nur 28% ein solcher Leitfaden zugänglich gemacht." Das gehe nicht, findet die Autorin und schreibt, der eigene Anspruch der Agenturen, Transparenz zu liefern, würde nicht "komplementär und kongruent" auf die eigene Agentur angewendet. Zweifellos ein Missstand, wenn es denn den Tatsachen entspricht. Zumal die Autorin schreibt, den Agenturen sei doch "strengster Datenschutz" zugesichert worden. Vielleicht wollte manche Agentur aber doch nicht darauf vertrauen und nicht das Wissen preisgeben, das in ihren Fragebögen steckt? Denn Jahns Arbeit ist für die Projektgruppe "Ethisch-Ökologisches Rating" entstanden. Die zeichnet sich, so Jahn, insbesondere durch die Veröffentlichung einer interdisziplinär erarbeiteten Kriteriologie zur ethisch-ökologischen Bewertung von Unternehmen aus. Der Name des Werks: Frankfurt-Hohenheimer Leitfaden. Vielleicht hat so manche nicht auskunftswillige Rating-Agentur gerade in dieser Projektgruppe und den mit ihr kooperierenden Rating-Agenturen eine Konkurrenz gesehen und deshalb ihre Fragebögen nicht veröffentlicht? Dann wäre die Hautpkritik von Jahn an der Arbeit einiger Rating-Agenturen hinfällig.

Schade, dass die Autorin nicht Über-Kreuz-Vergleiche angestellt hat und etwa beschrieben hat, ob verschiedene Rating-Agenturen ein und dasselbe Unternehmen unterschiedlich bewertet haben. Oder ob Unternehmen, die von Rating-Agenturen als gut bewertet wurden, durch Mißstände aufgefallen sind. Schade vielleicht auch, dass Jahn von den Agenturen verlangt: "...nicht die Maximierung des Gewinns zur obersten Doktrin zu erheben". Nun ist natürlich jedem klar, dass der Kapitalismus auf dem Gewinn-Prinzip beruht und dass auch - zumindest privatwirtschaftliche - Rating-Agenturen auf Dauer Gewinne erzielen müssen. Aber zu unterstellen, die Gewinnmaximierung wäre oberste Doktrin in den Agenturen, vernachlässigt doch das persönliche Engagement der Mitarbeiter: Die könnten sicher in anderen Positionen oft mehr verdienen. Gewinnmaximierung ist sicher nicht ihre oberste Doktrin.

Fazit: Ein Buch, das wohl vor allem für Diplomierende und Doktoranden interessant sein dürfte. Buchtitel: "Zur Qualität von Nachhaltigkeitsratings - zwischen Anspruch und Wirklichkeit"; Autorin: Franziska Jahn, ISBN 3-88939-722-0; 2004, 208 Seiten, 19,90 Euro, IKO-Verlag
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