Das Geschäft mit Solarzellen hat für Q-Cells an Bedeutung verloren. Einblick in die nach Malaysia verlagerte Fertigung. / Quelle: Unternehmen

12.08.10 Nachhaltige Aktien , Meldungen

Zuversicht auf der Baustelle – Vorstandschef von Q-Cells SE umreißt nach starkem 2. Quartal die weitere Strategie



Der Sanierungsexperte Cem, bislang Geschäftführer des Beratungsunternehmens Alvarez & Marsal, hatte im Juni 2009 interimistisch die Funktion des Finanzvorstands und im März 2010 zusätzlich die Funktion des Vorstandsvorsitzenden übernommen. Sein Vertrag war bislang bis Ende 2010 befristet. Wie der Aufsichtsrat des Solarkonzern bekannt gab, soll Cen die von ihm betriebene Restrukturierung von Q-Cells und die strategische Neuausrichtung auch in Zukunft vorantreiben. Er sei für weitere fünf Jahre bestellt worden. Wie Cen auf Nachfrage erklärte, will das Unternehmen mit dieser langfristigen Entscheidung auch ein Signal der Kontinuität senden, nachdem seit 2009 die gesamte Führungsspitze von Q-Cells ausgetauscht worden war.

Ein Blick auf die nun für das zweite Quartal und das erste Halbjahr 2010 vorgelegten Zahlen zeigt, dass die Umstrukturierungen bereits erste Früchte zu tragen scheinen. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (EBIT) betrug 27,1 Millionen Euro. Zwar räumte der Vorstandschef ein, dass dieser Gewinn zu einem überwiegenden Anteil durch positive Währungseffekte zustand kam, doch auch ohne diese habe sich Q-Cells aus der Verlustzone herausgearbeitet. Im 1. Quartal hatte das Unternehmen einen EBIT-Verlust von 9,3 Millionen Euro verbucht, im 2. Quartal 2009 das Minus sogar 65,5 Millionen Euro betragen. Im ersten Halbjahr erreichte der Solarkonzern ein EBIT von 17,9 Millionen Euro nach einem Halbjahresverlust von 47,6 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Zum Vergleich: im ersten Halbjahr 2008 hatte Q-Cells noch ein EBIT von 119,1 Millionen Euro erzielt. Nach Aussage von Cen befindet sich der Solarkonzern mit dieser Gewinnentwicklung zwar auf einem guten Weg. Entscheidend für eine nachhaltige Trendwende werde aber die Entwicklung im 2. Halbjahr sein. Angesichts vieler unkalkulierbarer Größen will er sich noch nicht auf eine konkrete EBIT-Prognose für das Gesamtjahr festlegen. Er bekräftigte aber die bisherige Feststellung, dass mit einem positiven EBIT zu rechnen sei.

Der Vorstandschef erhöhte dagegen die Jahresprognose für den Umsatz, von 1,0 bis 1,2 Milliarden Euro auf 1,1 bis 1,3 Milliarden Euro. Q-Cells hat den Umsatz des zweiten Quartals im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 144 Prozent auf 333,5 Millionen Euro gesteigert, gegenüber dem ersten Quartal um 44 Prozent. Der Umsatz im ersten Halbjahr betrug 565,7 Millionen Euro nach 366,2 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Cen betonte jedoch, dass für ihn der Ausbau des Absatzes nicht so entscheidend sei wie die Qualität der Produkte. Gegenüber der Konkurrenz aus Asien, die stark in den Ausbau der Produktionskapazitäten investiere, wolle Q-Cells sich als Premiumanbieter durchsetzen, stellte Cen auf Nachfrage klar. „Qualität hat Vorrang vor der Masse“, erklärte er. Die Nachfrage werde im zweiten Halbjahr gewiss kein Problem darstellen. Für den wichtigen deutschen Markt sei zwar für die Zukunft angesichts der deutlich sinkenden Einspeisevergütung für Solarstrom mit einer schrumpfenden Nachfrage zu rechnen. Aber zum einen reagieren Q-Cells darauf mit dem Fokus auf Qualitätsprodukte, zum anderen wolle der Konzern sich internationaler aufstellen. Als Zielmärkte nannte er Italien, Frankreich und Osteuropa, außerhalb Europas engagiere sich Q-Cells bereits in Nordamerika. Aber Deutschland bleibe für das Unternehmen ein wichtiger Markt. Cen warnte davor, die Kappungen bei der Solarstromvergütung 1:1 auf Solarprodukte zu übertragen. „Die Preise müssen nicht den Vergütungen folgen, schließlich sind die Produkte nur ein Teil von vielen der Wertschöpfungskette“, erklärte er. Zumindest für 2010 sei mit stabilen Preisen für Solarprodukte zu rechnen.

Bei der Präsentation der aktuellen Geschäftszahlen machte Cen nochmals deutlich, dass unter seiner Führung das Geschäft von Q-Cells „komplett umgebaut“ wurde. Der vormals größte Solarzellenhersteller der Welt war durch den Preisverfall bei Zellen 2009 tief in die Verlustzone gestürzt und in der Rangliste auf den 4. Platz abgesunken. Das Geschäft mit Solarzellen soll künftig nur noch eine von mehreren Säulen des Solarkonzerns sein. Laut Cen trug sie im 2. Quartal aber immer noch 50 Prozent zum Umsatz bei. Der Aufbau der Zellenfertigung in Malaysia sei wie geplant zur Jahresmitte abgeschlossen worden. Nach den erforderlichen Anpassungen werde die angestrebte Kapazität von 600 Megawatt (MW) im dritten Quartal erreicht, bis Ende 2010 soll die Solarzellen Produktion von Q-Cells 850 bis 900 MW erreichen.
Bildhinweis: Nedim Cen / Quelle: Q-Cells SE


Die neue Strategie sieht vor, Q-Cells zu einem Anbieter von Photovoltaik-Lösungen zu entwickeln. Laut Cen werden die internen Prozesse „auf die deutliche Kundenorientierung neu ausgerichtet - vom Service, über die Produktentwicklung bis hin zum Marketing“. Unrentable Kapazitäten und etliche Beteiligungen hat Q-Cells mittlerweile geschlossen bzw. abgestoßen. Mit der Markteinführung der Solarmodule im Frühjahr wurde die Produktpalette gezielt verbreitert. Hier will das Unternehmen im laufenden Jahr bei den kristallinen Modulen im laufenden Jahr 100 bis 150 MW absetzen, setzt aber auch stark auf Dünnschichtmodule. Die Produktionskapazitäten sollen hier bis zum Jahresende auf 135 MW anwachsen. Laut Cen ist der Konzern in der CIGS-Dünnschichttechnologie mit rund 80 MW bereits der drittgrößte Hersteller der Welt. Er gehe davon aus, dass dieses Segment großes Wachstumspotential besitzt, sich im Wettbewerb in den kommenden zwei bis drei Jahren aber „die Spreu vom Weizen“ trennen und Q-Cells sich durchsetzen wird. Die Tochter Solibro erreiche bei ihren Dünnschichtmodulen bereits hohe Wirkungsgrade von bis zu 13 Prozent. Angesichts ihrer Fortschritte prüfe Q-Cells die Weiterentwicklung von Solibro.

Im Geschäft mit der Solarprojektierung ist Q-Cells nicht mehr nur auf große Solarparks ausgerichtet, auch mittlere Photovoltaik-Anlagen für gewerbliche und industrielle Nutzungen werden umgesetzt. In diesem Segment hat Q-Cells nach eigenen Angaben im zweiten Quartal in Ahorn (Baden-Württemberg) zwei Anlagen mit einer Gesamtkapazität von 11 MW und in Spremberg (Brandenburg) ein Solarkraftwerk mit 5,3 MW ans Netz gebracht. Das Projektgeschäft soll im Gesamtjahr 150 bis 200 MW umsetzen.

Der Vorstand geht davon aus, dass die Restrukturierung der Q-Cells zum Jahresende weitgehend abgeschlossen werden kann. Auch künftig müsse das Unternehmen jedoch „intensiv an der Kostensenkung, dem Working Capital Management und der Liquiditätssicherung arbeiten“. Die Nettoverschuldung des Solarkonzerns ist vom ersten zum zweiten Quartal von 639 Millionen auf 692 Millionen Euro weiter gestiegen, bei Investitionen von jeweils 37 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr plant Cen mit Investitionen im Umfang von 150 bis 200 Millionen Euro; zugleich soll die Liquidität bis zum Jahresende gesteigert werden. Nach dem Umbau der Führung und der Umstrukturierung der Geschäfte sie die Stabilisierung der finanziellen Situation des Unternehmens die nächste Wegmarke, die Q-Cells anstrebe. Schließlich sei im Februar 2012 eine Wandelanleihe zu refinanzieren. Ziel sei ein „profitables Wachstum auf Basis einer gesicherten Finanzierungsstruktur“.

Q-Cells SE: WKN 555866 / ISIN DE0005558662

Bildhinweis: Solarprodukte von Q-CElls im Einsatz. / Quelle: Unternehmen
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x