Solar-Connect verkauft sogenannte Solar Home Systeme, bestehend aus Solarpanel, Akku und in den meisten Fällen LED-Lampen, nach Afrika. / Foto: Unternehmen

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"94 % der Menschen berichten von einer Verbesserung ihrer Lebensqualität“ – Interview mit Solar-Connect

Die Genossenschaft Solar-Connect aus dem bayerischen Markt Schwaben beliefert junge Unternehmen in Afrika mit Solarsystemen. Solar-Connect-Vorstand Wolfgang Gregor erläutert im ECOreporter-Interview, wie sich Anleger an der Genossenschaft beteiligen können und warum Ratenkredite so wichtig für eine nachhaltige Entwicklung in Afrika sind.

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ECOreporter: Herr Gregor, was ist die Grundidee hinter Solar-Connect?

Wolfgang Gregor: Wir bringen Solarstrom zu Menschen in Entwicklungsländern, die noch keinen Zugang zu sauberer, zuverlässiger und bezahlbarer Energie haben. Das sind heute rund 1,2 Milliarden Menschen. Energie ist eine wesentliche Grundlage für wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung.

Unser regionaler Fokus liegt in Afrika. Wir liefern hochwertige Solaranlagen und Verbrauchsgeräte an unsere Partnerunternehmen und gewähren ihnen einen Lieferantenkredit. Dadurch können die Unternehmen – meist junge Start-ups –, ländlichen Haushalten die Bezahlung der Produkte über einen Ratenkredit anbieten. Denn die Verbreitung der Solarenergie in Regionen ohne Stromversorgung (Off-Grid) scheitert heute meist an den hohen Anschaffungskosten. Durch die Ratenzahlung sind die Menschen jedoch leicht in der Lage, ein Solar Home System zu erwerben. Eine ländliche Familie in Kenia gibt zum Beispiel zwischen 5 und 20 US-Dollar pro Monat für Kerosin, Batterien und Kerzen aus. Dieses Geld wird nun verwendet, um die Solaranlage abzuzahlen.

Die Solar-Connect eG verfolgt damit nachhaltige Ziele der Entwicklungspolitik. Und wir ermöglichen unseren Genossenschaftsmitgliedern, ihr soziales und ökologisches Anliegen mit wirtschaftlichem Gewinn zu verbinden.

Was für Solarsysteme verkaufen Sie?


Wolfgang Gregor ist Vorstandsvorsitzender der Solar-Connect eG. / Foto: Unternehmen

Überwiegend handeln wir mit Solar Home Systemen und dazugehörigen Verbrauchsgeräten. Ein Solar Home System besteht aus einem Solarpanel, einem Akku und meistens LED-Lampen. Verbrauchsgeräte können aber auch Fernseher oder Ventilatoren sein. Zusätzlich handeln wir mit Produkten wie Pumpen oder Energiespeichern.

Mit welchen Herstellern arbeiten Sie zusammen?

Unsere Hauptlieferanten sind derzeit Omnivoltaic, Niwa, Fosera und Amped. Alle Hersteller liefern Produkte, die den Lighting Global Standard der Weltbank erfüllen.

Gibt es personelle Überschneidungen zwischen den Lieferanten und den Mitgliedern Ihrer Genossenschaft?

Wir können ausschließen, dass es Überschneidungen oder Interessenskonflikte mit anderen Genossenschaftsmitgliedern gibt. Wir erlauben jedoch Kunden in Afrika oder Herstellern, Mitglied der Genossenschaft zu sein – jedoch ausschließlich investierend und nicht stimmberechtigt.

Suchen Sie Ihre Kunden nach dem sozialen Nutzen aus, den Sie erzielen können?

Der Nutzen ist in allen unseren Zielländern in Ost- und Westafrika ähnlich hoch. In einer aktuellen Studie des Off-Grid-Solar-Dachverbandes GOGLA berichten 94 Prozent der Menschen, die mit Solar Home Systemen leben, von einer Verbesserung ihrer Lebensqualität.

Die Kunden bewerben sich direkt oder auf Basis von Empfehlungen anderer Geschäftspartner. Aus Gründen der Risikostreuung stellen wir uns bewusst überregional auf und vermeiden die Konzentration auf nur ein Land oder eine Region.

Welche Anforderungen müssen Ihre Partnerunternehmen erfüllen?

Im Rahmen unserer Due Diligence-Prüfung müssen die Partner umfangreiche Unterlagen zur Verfügung stellen – beispielsweise Bankinformationen, Business-Pläne, Kreditbürgschaften, Bilanzen und Gewinn- und Verlustrechnungen der letzten zwei Jahre.

Nachdem alle Unterlagen eingegangen sind und geprüft wurden, finden Rückfragerunden statt. Wenn alle Rückfragen geklärt sind, entscheiden Vorstand und Aufsichtsrat über eine Zusammenarbeit.

Besuchen Sie die Unternehmen vor Ort?

Wir kennen jedes unserer Partnerunternehmen persönlich und haben einen engen Kontakt mit den lokalen Entscheidern. Aus Kostengründen finden möglichst wenig Reisen statt. Beispielsweise war im Frühjahr 2019 eine Reise unseres Finanzchefs zu zwei Kunden in Kenia und Uganda notwendig, da dort Schwierigkeiten bei den Unternehmen zu unregelmäßigen Rückzahlungen führen. Beide Firmen werden seitdem in Bezug auf ihr Finanzmanagement sehr eng durch die Genossenschaft begleitet.

Wie stellen Sie sicher, dass die Endkunden für ihre Ratenkredite keine Wucherzinsen zahlen müssen?

Ein ethisches Geschäftsmodell ist die Basis für die Zusammenarbeit mit Solar-Connect – es wird regelmäßig von uns überprüft. Der uneingeschränkte Zugang zu allen Geschäftszahlen ist gewährleistet. Wir kennen die Bedingungen für Endkundenfinanzierungen unserer Partner. Zudem holen wir vor Aufnahme der Geschäftsbeziehungen Referenzen ein.

Im Wesentlichen vertreiben unsere Kunden PayGo-Lösungen, also Angebote mit Ratenzahlung, und stehen im Wettbewerb mit anderen Marktteilnehmern. Dieses Marktsegment ist überaus transparent und lässt aus unserer Sicht keine Wucherzinsen zu.

Sie geben an, dass sich Ihre Solarsysteme automatisch abschalten, wenn eine Rate nicht termingerecht bezahlt wird. Wie funktioniert das technisch? Und kann das Abschalten nicht sehr drastische Folgen haben, je nachdem welche Geräte mit den Solarsystemen versorgt werden?

Die Endkunden unserer lokalen Partner zahlen in der Regel 20 Prozent der Produktwertes an. Im Verlauf von bis zu 24 Monaten müssen sie den Restwert in Raten abzahlen. Sollten die Ratenzahlungen ausbleiben, kann der Betrieb mittels einer Software, z.B. Angaza, über die SIM-Card des Systems abgeschaltet werden. Unsere Partner kalkulieren eine Ausfallquote von 7 bis 10 Prozent ein. Da die Endkunden fast ausnahmslos Privathaushalte sind, besteht aus unserer Sicht nur ein geringes Risiko von schwerwiegenden Ausfällen. Das System wird ähnlich wie beim Mobiltelefon angewendet – wenn die SIM-Card leer ist, kann nicht telefoniert werden. 

Seit wann existiert Ihre Genossenschaft? Wie sind die letzten Jahre wirtschaftlich für Sie gelaufen?

Die Solar-Connect eG besteht seit fast sechs Jahren und arbeitet seit Gründung verlustfrei. Bisher wurde einmal Gewinn ausgeschüttet. In den letzten Jahren haben unsere Mitglieder zur Risikovorsorge auf Dividendenzahlungen verzichtet – vor allem wegen der Schwäche zweier Kunden in Kenia und Uganda. Bisher gab es jedoch keine Totalausfälle.

Wie können sich Anleger an Solar-Connect beteiligen?

Interessierte Anleger können Mitglieder bei der Solar-Connect eG werden. Die Mitglieder einer Genossenschaft sind quasi Mitunternehmer. Sie sollen dafür sorgen, dass der Förderzweck der Genossenschaft im Vordergrund bleibt und nicht – wie bei einer Kapitalgesellschaft – die Gewinnmaximierung.

Bei den Mitgliedern wird zwischen investierenden und stimmberechtigten Mitgliedern unterschieden. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass allein wirtschaftliche Interessen die genossenschaftliche Tätigkeit bestimmen.

Investierende Mitglieder erwerben mindestens zehn Geschäftsanteile an der Genossenschaft, was einem Betrag von 2.000 Euro entspricht. Über den Mindestanteil hinaus können sie beliebig viele weitere Anteile zu 200 Euro erwerben. Eine Nachschusspflicht besteht nicht.

Alle Mitglieder werden regelmäßig über die Aktivitäten der Solar-Connect eG informiert. Einmal jährlich haben sie zudem die Möglichkeit, an der Generalversammlung der Genossenschaft teilzunehmen. Die Generalversammlung beschließt auch über die Ausschüttung des Gewinns.

Sie streben eine Jahresdividende von 3 Prozent an. Ist das aktuell zu schaffen?

Regionale oder politische Risiken können wir nicht ausschließen. Unser Geschäftsmodell erlaubt durchaus eine Dividendenzahlung, gekoppelt mit einer entsprechenden Risikovorsorge. Das liegt im Wesentlichen an unserer einmalig geringen Kostensituation. Wichtig zu wissen: Alle Vorstände und der Aufsichtsrat sind – teilweise mit erheblichen Beträgen – in der Genossenschaft investiert. Die Vorstände arbeiten weitestgehend ehrenamtlich.

Wir müssen jedoch weiter wachsen, um gegebenenfalls auch mal einen Verlust abzudecken. Die stimmberechtigten Mitglieder der Genossenschaft können deshalb Dividenden einfrieren, wenn es die Gesamtsituation erfordert. Daher empfehlen wir keine Mitgliedschaft für Investoren, die zwingend auf eine kurzfristige Dividendenzahlung oder Rückzahlung angewiesen sind, denn das Genossenschaftsrecht sieht eine Wartezeit von zwei Jahren bei Kündigung vor. Wir suchen langfristig orientierte Investoren, die mit ihrer Beteiligung gegebenenfalls Risiken mittragen. Das bedeutet: Mitglieder, die sich als “echte“ Impact-Investoren verstehen und für die der Endkundennutzen und die gesellschaftliche Verantwortung im Vordergrund stehen. Sozial engagierte Stiftungen sind aus unserer Sicht prädestiniert.

Wie sehen Ihre Wachstumsziele aus?

Unser Modell ist einzigartig bei einem potenziellen Marktvolumen von ca. 2 Milliarden Euro pro Jahr. Wir verfügen derzeit über ein Kapital von ca. 1,9 Millionen Euro bei einer Eigenkapitalquote von ca. 70 Prozent. Ziel ist eine Aufstockung des Kapitals auf mindestens 3 bis 5 Millionen Euro. Damit können wir die nötigen Reserven bilden und die Dividende sichern. Unsere Genossenschaft hat heute fast 140 Mitglieder, davon fünf Stiftungen. Hier haben wir noch viel Luft nach oben.

Herr Gregor, wir danken Ihnen für das Gespräch!

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06.05.19
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