Wolken am Aktien-Horizont von ABO Invest: Der Kurs hat zuletzt stark gelitten. / Foto: ABO Invest AG

13.03.18 Aktientipps , Nachhaltige Aktien , Aktien-Favoriten

ABO Invest - was steckt hinter dem Kursverfall?

Die Aktie des Windparkbetreibers ABO Invest ist zuletzt stark gefallen - was sind die Gründe für den Kursrücksetzer?

Und können Anleger bald wieder mit einer Stabilisierung der Wind-Aktie rechnen?

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Aufwärtstrend gestoppt

Lange wurden Aktionäre von ABO Invest mit stetig ansteigenden Kursen verwöhnt: Seit dem Börsengang 2011 bis zuletzt Oktober 2017 kannte der Aktienkurs nur eine Richtung - aufwärts.

Der Preis der Aktie verteuerte sich von 1 Euro  je Papier (Juni 2011), das war der Ausgabepreis, auf zuletzt 1,63 Euro (Oktober 2017). Ein saftiges Kursplus von 63 Prozent ohne größere Schwankungen beim Börsenpreis. Dividenden zahlte das Unternehmen bisher nicht.

Ende Oktober 2017 dann die Wende, der Kurs gab nach. Erst um wenige Prozent. Nicht ungewöhnlich für ein börsennotiertes Unternehmen, das zuvor eine lang andauernde, starke Performance hingelegt hat. Auch Kurs-Champions legen mal eine Pause ein.

Dann sackte der Preis der ABO-Invest-Aktie deutlicher ab: Innerhalb weniger Tage von 1,57 Euro auf 1,47 Euro je Aktie. Ein Minus von 6,4 Prozent. Das war Anfang Januar 2018.

Um die Nerven der Anleger zu strapazieren, stieg der Aktienkurs anschließend wieder: Von 1,47 Euro auf 1,58 Euro je Aktie. Ein Kursplus von 7,5 Prozent. Das war Mitte Januar 2018.

Doch damit nicht genug: Seitdem legte der Kurs den Rückwärtsgang ein und fiel weiter. Von 1,58 Euro Mitte Januar fiel der Kurs weiter auf aktuell 1,46 Euro (13.3., 12:55 Uhr). Ein Minus von 7,6 Prozent.

Warum fällt der Aktienkurs?

Für den Kursrutsch gibt es mehrere Gründe. Zum einen sind da die schwachen Windjahre.

Mitte Januar verkündete das Unternehmen, dass es seine geplanten Stromerträge um 11 Prozent verfehlt hat (ECOreporter berichtete). Das hat den Kurs negativ beeinflusst.

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ABO Invest-Sprecher Alexander Koffka. / Foto: Unternehmen

Auch 2016 hat das Portfolio der ABO Invest die prognostizierten Stromerträge um mehr als 10 Prozent verfehlt. Laut Unternehmenssprecher Alexander Koffka sind "zwei windschwache Jahre in Folge zwar weder meteorologisch ungewöhnlich, noch ändern sie etwas am Wert des Windparkportfolios.“ Gleichwohl sei zu vermuten, dass einige Anleger die zwei schlechten Windjahre zum Anlass genommen haben, die Aktie zu verkaufen.

Nach der Vorlage der Geschäftszahlen für 2016 – das war im Mai 2016 – haben die Anleger allerdings noch nicht auf die gesunkenen Stromerträge reagiert, sie hielten an ihren Aktien weiterhin fest.  

Zum anderen mangelte es laut Sprecher Koffka an „positiven Nachrichten, um den Kurs zu unterstützen“. Der Grund aus seiner Sicht: "ABO Invest-Portfolios konnten in den vergangenen drei Jahren nicht so schnell vorankommen wie in den Jahren zuvor.“

Fest steht allerdings: Bis Ende Oktober 2017 wurden ABO Invest-Aktien noch gekauft – erst ab dem Zeitpunkt setzte der Kursverfall ein.

Ein weiterer Grund für den Kursverfall ist die Situation des Windmarkts, der auch zukünftig stark von politischen Entscheidungen geprägt sein wird. Das hatte und hat Auswirkungen auf den Kurs von Wind-Aktien.

ABO Invest besitzt aktuell insgesamt 69 Windenergieanlagen in Europa (Frankreich 24, Deutschland 22, Irland 14 und Finnland 9; hinzu kommt eine Biogasanlage in Deutschland) - und das Portfolio soll ausgebaut werden.

Unsicherheit bei der zukünftigen Planung von Projekten können laut Koffka die "verkorksten Windkraft-Ausschreibungen in Deutschland 2017, bei denen fast ausschließlich Projekte zum Zuge gekommen sind, die bestenfalls in einigen Jahren baureif sein werden", mit sich bringen. Das hatte zuletzt negative Auswirkungen auf größere Unternehmen, wie beispielsweise den Windkraftanlagen-Hersteller Nordex.

Auf ABO Invest sollen die Ausschreibungsergebnisse keinen Einfluss haben, so der Unternehmenssprecher. Für die Börse sei es jedoch typisch, dass andere Unternehmen der gleichen Branche bei Problemen in Mitleidenschaft gezogen werden.

Unternehmen: ABO Invest wird einem "Stress-Test" unterzogen

Der Kurs von ABO Invest steht aktuell unter Druck. Der letzte und nach wie vor anhaltende Kursrücksetzer ist aber laut Unternehmenssprecher Koffka "als Signal zu lesen, gerade jetzt in die ABO Invest-Aktie einzusteigen“. Denn das Unternehmen habe dabei unter Beweis gestellt, dass es wirtschaftlich solide und stabil sei. Koffka sieht die beiden vergangenen Jahre als eine Art Stress-Test, den das Unternehmen hervorragend bestanden habe.

Obwohl zwei Jahre hintereinander mehr als 10 Prozent der erwarteten Einnahmen fehlten, hätten die Windparks jederzeit planmäßig alle Zahlungsverpflichtungen erfüllt. Die Bankkredite seien sukzessive getilgt und sogar freie Liquidität an die Muttergesellschaft (ABO Invest AG) weitergegeben worden.   

Zinslasten gesenkt - Finanzstruktur verbessert

ABO Invest hat nach eigenen Angaben seine Finanzierungsstruktur deutlich verbessert: Insgesamt wurden für mehr als 7 Millionen Euro hochverzinste Genussrechte von der UmweltBank zurückgekauft. Dadurch konnte die Zinslast dauerhaft gesenkt werden.

Aber: Diese eigentlich positive Entwicklung werde an der Börse bisher noch nicht honoriert, so Sprecher Koffka.

Was Aktionäre zukünftig erwarten können - Kursziel bei 1,60 Euro

Das Unternehmen sieht den ABO Invest-Aktienkurs Ende 2018 bei mindestens 1,60 Euro. Das Chance-Risiko-Verhältnis sei nach dem Kursrückgang besonders günstig.

Wir schließen uns dem Kursziel von 1,60 Euro zum Jahresende nicht an, stellen jedoch auch keine Prognose zum ABO Invest-Kurs bis Ende 2018 auf.

Charttechnisch befindet sich der Aktienkurs seit Anfang Dezember 2017 in einem intakten Abwärtstrend, der keinerlei Unterstützung bekommt.

Legt man die vergangenen zweieinhalb Monate (Januar bis Mitte März) im Kurschart zu Grunde, sollte der Aktienpreis erst die Schwelle von 1,50 Euro je Aktie überschreiten, bis wieder mit ansteigenden Kursen zu rechnen ist.

Unsere Empfehlung: Kein Einstieg in die Aktie

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Windpark von ABO Invest. / Foto: Unternehmen

Bis dahin raten wir Anlegern von einem Einstieg oder einer Aufstockung ihrer ABO Invest-Papiere ab. Bisher erworbene Aktien sollten sie jedoch weiterhin halten.

Die Unsicherheiten über den weiteren Kurs der ABO Invest scheinen gegenüber positiven Nachrichten zu überwiegen. Anleger sind aktuell verunsichert. Sie halten sich daher eher an der Seitenlinie auf - und mit Neu- oder Zukäufen zurück.

Für Unsicherheit sorgte vor allem die hohe Volatilität (Schwankung) im Aktienkurs zwischen Anfang und Mitte Januar 2018. Betrachtet man den bisherigen stetig ansteigenden Kursverlauf, war das sehr ungewöhnlich.

Hier fanden anscheinend starke Verkäufe von Aktienpaketen statt, die kurze Zeit später wieder zurückgekauft wurden. Dieses Szenario ist unserer Meinung nach ein Zeichen für Nervosität und kein gutes Signal für Aktionäre.

Wir rechnen unter bestimmten Bedingungen wieder mit steigenden Kursen: Wenn die von ABO Invest kommunizierten Prognosen eintreffen - beispielsweise eine stabile und solide Finanzstruktur sowie eine weitere Projektierung von Windparks. Und wenn Anleger die aktuelle Kursschwäche im Markt als Einstiegssignal deuten. Daher gilt: Aktie beobachten.

Trotz unserer Empfehlung bleibt ABO Invest eine ECOreporter-Favoriten-Aktie aus der Kategorie Grüne Spezialwerte.

ABO Invest AG: ISIN DE000A1EWXA4 / WKN A1EWXA

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