Lars Hunsche ist einer der Gründer der SDG Investments GmbH. / Foto: Unternehmen

23.07.19 Meldungen , Institutionelle / Anlageprofis

"Attraktive Anlagen bleiben Privatkunden verwehrt“ – Interview mit Lars Hunsche (Teil 1)

Die Vermittlungsplattform SDG Investments bietet institutionellen Investoren Anlageprodukte, die zum Erreichen der UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) beitragen sollen. Lars Hunsche, einer der Gründer der SDG Investments GmbH aus Frankfurt, spricht im ECOreporter-Interview über die Ziele seiner Plattform, das schwierige Privatkundengeschäft und nachhaltige Angebote, die keine sind.
 

ECOreporter: Herr Hunsche, wie hat sich Ihre Plattform seit der Gründung im September 2017 entwickelt?

Lars Hunsche: Außerordentlich gut. Wir haben über 100 Millionen Euro an Kapitalanlagen platziert. Das übertraf deutlich unsere Erwartungen. Für 2019 haben wir eine Projektpipeline von über 500 Millionen Euro. Das zeigt, dass ein enorm hoher Finanzierungsbedarf besteht, der von traditionellen Marktteilnehmern wie zum Beispiel Banken nicht mehr bedient werden kann. Wenn man das Volumen, das unsere Investoren verwalten, zusammenrechnet, kommt man auf einen dreistelligen Milliardenbetrag. Das liegt an unserer Fokussierung auf institutionelle Investoren. Gerade die Schwergewichte fangen an, in unsere Projekte zu investieren.

Wie nachhaltig müssen die Projekte sein, die SDG Investments vermittelt? Mit etwas Fantasie lassen sich ja fast alle Unternehmensanleihen oder Direktinvestments irgendeinem SDG zuordnen. Gibt es auch Ausschlusskriterien?

Die Projekte sind unterschiedlich komplex. Als Beispiel sei hier die Deutsche Lichtmiete genannt, eine Firma, die die LED-Umrüstung bei großen deutschen Unternehmen umsetzt und, wie der Name sagt, die Lampen vermietet. Die Miete finanziert sich aus dem eingesparten Strom.

Auf der anderen Seite haben wir Africa GreenTec, die Solarstrom in Afrika anbieten. Neben logistischen und technischen Herausforderungen gibt es da auch Hürden wie Analphabetismus, und es musste darüber hinaus ein fairer Stromtarif vor Ort geschaffen werden.

Es ist richtig, dass die SDGs ein breites und einfach verständliches Ordnungssystem darstellen. Deshalb hat der große Pensionsfonds Calpers in den USA sie ja auch einen "Segen für die Investmentindustrie“ genannt. Es gibt bei uns natürlich die üblichen Ausschlüsse wie Rüstung, Glücksspiel, Kinderarbeit etc.

Prüft die Nachhaltigkeits-Ratingagentur imug aus Hannover nach wie vor die Projekte, die auf Ihrer Plattform angeboten werden?

imug war von Anfang an unser Partner, und an diesem Prozess halten wir auch fest. Bei den meisten unserer Investoren ist imug anerkannt. Das heißt aber nicht, dass es nicht auch andere hervorragende Experten gibt. Unsere Plattform ist grundsätzlich offen für verschiedene Ansätze.

Welche SDGs werden momentan mit den Projekten am häufigsten verfolgt?

Wir sehen viele Projekte im Bereich Umwelt- und Klimaschutz, also SDG 7 "Nachhaltige und moderne Energie für alle“ und SDG 13 "Bekämpfung des Klimawandels“. Bildungsthemen oder Gleichstellung von Mann und Frau sind eher selten.

Welche Anlagemöglichkeiten sind aktuell am beliebtesten bei den Investoren?

Momentan sind besonders deutsche Projekte stark gefragt. Die Mobilitätswende ist da ein heißes Thema. Aber auch die Anleihe des sechstgrößten Paranussproduzenten der Welt, Hylea, war stark überzeichnet. Dabei ging es um den Erhalt des Regenwaldes und die Schaffung hunderter Arbeitsplätze in Bolivien.

Unsere Plattform umfasst alle Anlageklassen, aber viele Investoren benötigen einen festen Zinskupon, sodass unsere Anleihen stark nachgefragt werden. Aber wir sehen auch Zuflüsse in die auf der Plattform gelisteten nachhaltigen Investmentfonds. Darüber hinaus haben wir einige Sachanlagen wie zum Beispiel Solarparks platziert.
 

Erfahren Sie im zweiten Teil des Interviews, was sich durch neue EU-Regularien für SDG Investments verändert und wo sich das Unternehmen in naher Zukunft sieht.

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