Erneuerbare Energien haben dem Endverbraucher einer neuen Studie zufolge in den letzten Jahren 70 Milliarden Euro Mehrkosten erspart. / Foto: Pixabay

11.10.19 Erneuerbare Energie , Meldungen

EWS-Studie: Wind- und Solarstrom bremsen den Anstieg der Strompreise

Erneuerbare Energien dämpfen den Anstieg der Strompreise. Zu diesem Ergebnis kommt eine von den ElektrizitätsWerken Schönau (EWS) in Auftrag gegebene Studie.

Forscher der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) berechneten auf Grundlage historischer Preisdaten, welche Preise sich an der Strombörse in den Jahren 2011 bis 2018 ohne die Einspeisung aus Windkraft und Photovoltaik ergeben hätten. Den Wissenschaftlern zufolge hätten die Mehrkosten aufgrund höherer Großhandelspreise die Kosten der EEG-Umlage 2011 bis 2018 insgesamt deutlich überschritten: um 45 Prozent.

70 Milliarden Euro Ersparnis

Bereits 2015 hatte die Forschergruppe um Professor Jürgen Karl nachgewiesen, dass Erneuerbare Energien den bundesdeutschen Endverbrauchern in den Jahren 2011 bis 2013 rund 30 Milliarden Euro eingespart haben. Die nun vorliegende Folgestudie zeigt nach Angaben der EWS, dass sich dieser Trend fortsetzte: Windkraft und Solarstrom konnten dank des Merit-Order-Effekts den Börsenstrompreis signifikant senken und den bundesdeutschen Endverbrauchern in den Jahren 2014 bis 2018 nochmals Mehrkosten von über 40 Milliarden Euro ersparen.

Die Inbetriebnahme von Kohlekraftwerken, die 2014 und 2015 fertiggestellt wurden, habe zwar zu einer vorübergehenden Trendumkehr geführt, heißt es in der Studie. Diese Entwicklung sei jedoch durch die Stilllegung weiterer Atom- und Kohlekraftwerke mehr als kompensiert worden.

Die Strompreise privater Haushalte steigen seit der Liberalisierung des Strommarktes kontinuierlich an. Dieser Trend manifestierte sich, lange bevor die Erneuerbaren Energien signifikant zur bundesdeutschen Stromversorgung beitrugen. Als einflussreicher, nicht prognostizierbarer, börsenpreisbestimmender Faktor hat sich der CO2-Zertifikate-Handel erwiesen. Die größten Ausschläge im "Day-Ahead“-Handel korrelieren den Forschern der FAU zufolge mit CO2-Preisänderungen.

Das Börsen-Paradoxon

Mit einer Änderung im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) im Jahr 2009 entstand das sogenannte Börsen-Paradoxon: Je tiefer der Strompreis an der Börse fällt, desto schneller wird das seinerzeit angelegte EEG-Konto geleert, und desto höher muss die EEG-Umlage werden, um das Konto wieder aufzufüllen. Die Gesetzesänderung 2009 sowie die massive Ausweitung von Industrieprivilegien im Jahr 2012 erhöhten die Umlage überproportional zur tatsächlichen Förderung der Energiewende. Die Sonderkostenblöcke werden in der öffentlichen Wahrnehmung meist den Erneuerbaren Energien zugeschrieben.

"Das FAU-Diskussionspapier ist daher hilfreich, um mit den Kostentreiber-Mythen aufzuräumen“, sagt Sebastian Sladek, Vorstand der EWS Schönau e.G. "Für Menschen, die weder die Kosten noch den Wert der Energiewende kennen, hilft das FAU-Diskussionspapier bei der Einschätzung der Kosten.“

Ausbau der Erneuerbaren Energien müsste vervierfacht werden

Mit der Unterzeichnung des Pariser Abkommens verpflichtete sich Deutschland 2015, seinen Teil beizutragen, um die globale Erwärmung möglichst auf 1,5°C zu beschränken. Der FAU-Analyse zufolge ist diese Zusage mit den aktuellen Ausbauzielen für Erneuerbare Energien unerreichbar. Um den Klimaschutzzielen der Bundesregierung zumindest nahezukommen, müsste der Ausbau Erneuerbarer Energien vervierfacht werden. Bliebe es bei der Stagnation des Ökoenergie-Ausbaus, würden die kommenden Stilllegungen fossil-nuklearer Kraftwerkskapazitäten das Angebot-Nachfrage-Gleichgewicht hin zu höheren Börsenpreisen verschieben. Um die daraus zu erwartenden Strompreissteigerungen in den Jahren 2022 und 2023 im Rahmen zu halten, sei ein massiver und schneller Ausbau der Erneuerbaren Energien unabdingbar.

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